Forderung von Pro Generika

„Exklusivverträge bei allen kritischen Mitteln verbieten“ 17.06.2026 13:01 Uhr

Berlin - 

Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) hat der Bundestag im Mai exklusive Rabattverträge bei Biosimilars für zwei Jahre verboten. Das sei richtig, denn exklusive Rabattverträge machen Lieferketten fragil und verstärken die Abhängigkeit von China, erklärt Pro Generika. Allerdings gehe die Politik nicht weit genug: „Doch das Verbot, das dringend notwendig war, gilt nur für Biosimilars. Für versorgungskritische Generika – Mittel gegen Brustkrebs, Diabetes oder bakterielle Infektionen – greift es nicht“, kritisiert der Verband.

Nicht nur Biosimilars müssten von exklusiven Rabattverträgen ausgenommen werden, fordert Pro Generika. Warum, zeigt der Verband gleich an mehreren Beispielen.

Tamoxifen

Tamoxifen sei demnach eines der meisteingesetzten Medikamente in der Brustkrebstherapie, allerdings sei es 2022 über Monate nicht ausreichend lieferbar gewesen. Einige Hersteller hätten daher kurzfristig Ware importiert; Sandoz habe sogar eine Sonderproduktion in Barleben in Sachsen-Anhalt einschieben können. „Die Versorgung war gerettet, aber die Krankenkassen ließen sich nicht beirren: Sie reagierten mit neuen Exklusivausschreibungen, die einzig und allein auf den billigsten Preis abzielen“, betont Pro Generika.

„2022 haben wir dafür gesorgt, dass die Versorgung mit Tamoxifen in Deutschland nicht zusammenbricht – und die Produktion in Barleben sogar ausgebaut. Die Antwort der Krankenkassen: eine neue Exklusivausschreibung. Das rechnet sich für uns nicht. Deshalb liefern wir unser Tamoxifen jetzt nach Brasilien – nur so lässt sich die Produktion wirtschaftlich betreiben“, erklärt Thomas Weigold, Country President Sandoz Germany.

Lorazepam

Das Angstlösemittel Lorazepam werde sowohl in der Kurzzeittherapie als auch vor operativen Eingriffen eingesetzt. Nur noch drei Hersteller teilten sich allerdings aktuell den Markt. Pro Tablette erhalte der Hersteller grob 8 Cent – und müsse darauf noch Rabatte gewähren. „Neue Anbieter steigen unter diesen Bedingungen nicht ein. Das Risiko eines Versorgungsengpasses ist entsprechend hoch“, erklärt der Verband.

Metformin

Offiziell stehe das Diabetesmittel Metformin nicht auf der Liste versorgungskritischer Medikamente. Dabei werde das Medikament etwa zehn Millionen Mal jährlich in Deutschland verordnet. Versorgten 2011 noch 40 Hersteller den Markt mit Metformin, seien es heute lediglich noch fünf. Der Grund dafür liege auch hier in den Niedrigstpreisen aufgrund exklusiver Rabattverträge, erklärt der Verband. Die meisten Hersteller könnten zu den Preisen nicht mehr wirtschaftlich produzieren, warnt Pro Generika. Für eine Tablette Metformin erhalte ein Hersteller aktuell zwischen 2 und 3 Cent, und zwar ohne Rabatte.

„Metformin haben wir früher in Europa produziert – das ist heute nicht mehr möglich. Exklusive Ausschreibungen zwingen uns zu Rabatten von bis zu 90 Prozent. Zu diesen Preisen lässt sich in Europa nicht produzieren. Nur weil wir mehr als die Hälfte des Marktes beliefern, rechnet sich die Produktion überhaupt noch – aber eben nur in Indien. Und auch dort arbeiten wir an der Grenze des Machbaren“, erklärt Josip Mestrovic, General Manager von Zentiva.

Amoxicillin

Amoxicillin gehört zu den wichtigsten Antibiotika und werde bei einem breiten Spektrum bakterieller Infektionen eingesetzt. Doch rund 70 Prozent aller verordneten Präparate würden Rabattverträgen und damit dem Niedrigstpreisprinzip unterliegen. Sandoz sei der letzte Hersteller, der alle Produktionsschritte an einem einzigen Standort in Europa abbildet. „Chinesische Dumpingpreise auf der einen Seite, explodierende Produktionskosten auf der anderen – in einem rein preisgetriebenen Wettbewerb hat unser Werk im österreichischen Kundl kaum eine Chance. Gerade bei Antibiotika wie Amoxicillin spitzt sich das durch Ausschreibungen zu, die ausschließlich auf den günstigsten Preis setzen. Wir können kaum noch kostendeckend produzieren“, erklärt Thomas Weigold, Country President Sandoz Germany.

Keine Rabattverträge für wichtige Arzneien

Die Lösung liege auf der Hand: „Das Verbot exklusiver Rabattverträge muss auf alle versorgungskritischen Arzneimittel ausgeweitet werden – für mindestens fünf Jahre“, fordert Pro Generika. Die kommende Pharmastrategie der Bundesregierung wäre der richtige Rahmen dafür. Pro Generika habe dafür bereits einen konkreten Umsetzungsvorschlag erarbeitet, der Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit zusammenbringt – inklusive einer Kategorisierung versorgungskritischer Arzneimittel nach Marktlage und Dringlichkeit: den Masterplan für eine stabile Versorgung.