Versandapotheken

Etgeton: Kein Wettbewerb, kein Apothekensterben Alexander Müller, 14.06.2013 12:44 Uhr

Dr. Stefan Etgeton von der Bertelsmann Stiftung wünscht sich mehr Wettbewerb und Beratungsqualität im Apothekenmarkt. Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

Die Einführung des Versandhandels hat aus Sicht von Dr. Stefan Etgeton von der Bertelsmann Stiftung mehrere Erwartungen nicht erfüllt: Der Einstieg der Versandapotheken sei weder Motor für umfassenden Wettbewerb im Markt, noch sei die Apothekenlandschaft heute von Kapitalinteressen gesteuert, sagte Etgeton beim Jahreskongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA).

Die Hoffnung, dass die 2004 erfolgte erste Liberalisierung des Arzneimittelvertriebs, inklusive der OTC-Preisfreigabe, erhebliche Effizienzreserven heben würde, habe sich nicht erfüllt. Doch auch das große Apothekensterben sei zum Glück ausgeblieben, so der frühere Verbraucherschützer.

Ein Rx-Versandverbot lehnt Etgeton ab, allerdings auch eine Privilegierung der Versandapotheken. Für beide Vertriebsformen sollten die gleichen Qualitätsanforderungen gelten. EU-weit tätige Versender sollten auch durch die EU reguliert werden. Mit Blick auf Transparenz, Qualität und Sicherheit wünscht sich Etgeton eine „Harmonisierung auf hohem Niveau“.

Das von der schwarz-gelben Regierung geplante Rx-Boni-Verbot sei ordnungspolitisch richtig, aber schlecht für preisbewusste Verbraucher, so Etgeton. Strengere Auflagen für Pick-up-Stellen seien aus Sicherheitsgründen dagegen berechtigt.

Für die Zukunft fordert Etgeton mehr Pragmatismus beim Thema Versandhandel: „Ich würde mir ein Abrüsten in der ideologischen Auseinandersetzung wünschen, sowohl bei der verfassten Apothekerschaft, als auch in der Politik.“

Den „Apotheker in seiner Apotheke“ gebe es schon lange nicht mehr, findet Etgeton: „Heute sind Apotheken in Innenstadtlagen von Drogeriemärkten kaum noch zu unterscheiden.“ Für seinen Vortrag beim BVDVA-Kongress hatte er ein Foto von einer Apotheke mit besonders großem Freiwahlsortiment mitgebracht: „Sie müssen schon lange suchen, um da einen Apotheken-Tresen zu finden“, so Etgeton.

Bestimmte hoheitliche Aufgaben gesteht er den Apotheken aber zu: „Konsumschwellen wie die Apothekenpflicht sind sinnvoll: Manchmal muss man auch den mündigen Verbraucher vor seiner eigenen Unbedarftheit schützen“, so Etgeton. Insgesamt kritisch sieht Etgeton die Qualität der Beratung: „Die Tendenz bei der Beratungsqualität geht nach unten, das sollte eigentlich nicht so sein.“