Kritik an Spargesetz

Dobbert: Fixum ohne Taschenspielertricks 15.04.2026 13:18 Uhr

Berlin - 

Während die Abda das geplante Sparpaket nur vorsichtig kommentiert, kommt aus den Ländern scharfe Kritik: Die brandenburgische Apothekerschaft weist den höheren Zwangsrabatt scharf zurück.

„Die Pläne, eine ohnehin überfällige Erhöhung des Apothekenfixums durch eine Erhöhung des Kassenabschlags, den Apotheken wieder abführen müssen, gegenzufinanzieren, sind an Augenwischerei nicht zu übertreffen“, so Kammerpräsident Jens Dobbert. Seit 2013 sei das Apothekenhonorar nicht mehr dynamisiert worden; allein bei einer Anpassung analog zur Grundlohnrate hätte es im Jahr 2026 bei 12,64 Euro liegen müssen, also rund 50 Prozent höher.

Damit hätten die Apotheken seit über einem Jahrzehnt durch die ausbleibende Honoraranpassung einen unfreiwilligen Sparbeitrag von 15,9 Milliarden Euro zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erbracht – mehr als die aktuellen Sparvorgaben an die Finanzkommission. Hinzu komme der Kassenabschlag, der erst im Zeitraum von Februar 2023 bis Januar 2025 erhöht worden war und die Betriebe im Zeitraum von 2013 bis 2026 mit weiteren 13,2 Milliarden Euro belastet habe.

„Taschenspielertrick“

„Die Apotheken haben bereits seit Jahren einen überproportionalen und einseitigen Beitrag zur Entlastung der Krankenkassen geleistet – und das in einem Ausmaß, das ihre eigene wirtschaftliche Substanz bereits zum großen Teil zerstört hat und zunehmend gefährdet“, so Dobbert. „Ein solcher Taschenspielertrick ist keine Honoraranpassung und wird weitere Orte ohne Apotheke hervorbringen, was nicht nur Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung, sondern auch auf die Unterstützung im Rahmen des Finanzausgleichs hat.“

Besonders kritisch bewertet er das Missverhältnis in der Ausgabenstruktur: Während der Wertschöpfungsanteil der Apotheken an den Gesamtausgaben der GKV im Jahr 2024 lediglich 1,8 Prozent betragen habe, hätten die Verwaltungsausgaben der Krankenkassen mit 3,9 Prozent mehr als das Doppelte verschlungen. „Es ist unverständlich, warum für die Verwaltung der Kassen keine Einsparvorschläge vorliegen, während die Leistungserbringer vor Ort weiter belastet werden sollen“, so Dobbert.

Parallel hätten die Apotheken übrigens die Einsparungen durch Rabattverträge für die Kassen seit 2020 von 5 auf 6,7 Milliarden Euro gesteigert. Die brandenburgische Apothekerschaft sende ein klares Signal nach Berlin: „Die im Koalitionsvertrag zugesicherte Honorarerhöhung muss jetzt ohne Tricks und ohne weitere Verzögerung umgesetzt werden. Eine gleichzeitige Erhöhung des Kassenabschlags, den Apotheken zu leisten haben, ist kein Kompromiss, sondern eine maximale Existenzbedrohung für die wohnortnahe Versorgung. Faire Honorare sind keine Belohnung. Sie sind die Grundlage für Versorgung.“