„Lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen“

Diagnostik in Drogerien: Ärztepräsident fordert Regulierung 17.01.2026 16:15 Uhr

Berlin - 

Die Bundesärztekammer warnt vor medizinischen Diagnostikangeboten in Drogeriemärkten. Gesundheitschecks, die ohne ärztliche Einbindung durchgeführt werden, bergen erhebliche Risiken für Patient:innen. „Medizinische Diagnostik lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen. Messungen in Drogerien vermitteln den Eindruck von Sicherheit, liefern aber lediglich isolierte Momentaufnahmen ohne medizinischen Kontext“, betont Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.

Reinhardt betont weiter, dass medizinischen Diagnostikangeboten in Drogeriemärkten Menschen unnötig verunsicher könnten, „oder sie im Gegenteil in falscher Sicherheit wiegen und notwendige Behandlungen gefährlich verzögern“

Gesetzgeber soll „klare Grenzen ziehen“

Er weist darauf hin, dass ärztliche Behandlung weit über das Ablesen einzelner Messwerte hinausgeht. „Zu einer verantwortungsvollen Diagnostik gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, gegebenenfalls differenzialdiagnostische Überlegungen sowie eventuell die gemeinsame Entscheidung über therapeutische Maßnahmen“, konkretisiert Reinhardt.

Nur Ärztinnen und Ärzte könnten Befunde im Gesamtzusammenhang einordnen und medizinisch verantwortbare Entscheidungen treffen. „Damit diese fachliche Verantwortung nicht unterlaufen wird, ist der Gesetzgeber dringend gefordert, klare Grenzen zu ziehen und solche Angebote konsequent zu regulieren und – wo erforderlich – vollständig zu untersagen.“

Fachkunde und ärztliche Einordnung

Die in Drogerien angebotenen Gesundheitsdienstleistungen – etwa Hautuntersuchungen, sogenannte Augenscreenings mittels KI oder Blutdiagnostik – erforderten umfassende Fachkunde und eine ärztliche Einordnung der Ergebnisse. „Gerade bei der Blutdiagnostik können präanalytische Fehler bei der Blutentnahme, falsche Lagerung oder verzögerter Probentransport Laborwerte erheblich verfälschen“, warnt Reinhardt.

Seit August vergangenen Jahres bietet etwa dm in Kooperation mit dem Start-up Aware Blutanalysen in einer Filiale an. Medizinisches Fachpersonal der Berliner Firma führt die Abnahme durch. Die Preise liegen zwischen etwa 10 und 70 Euro. Eine telemedizinische Nachbesprechung ist optional.

Drogerien auf Notfälle nicht vorbereitet

Hinzu komme, dass Drogeriemärkte weder personell noch räumlich auf medizinische Notfälle wie Kreislaufkollapse oder akute Komplikationen vorbereitet seien. „Wer diagnostische Leistungen anbietet, trägt Verantwortung – und diese lässt sich in einem Ladengeschäft ohne medizinische Infrastruktur schlicht nicht erfüllen.“

Arztpraxen böten dagegen einen geschützten Rahmen für medizinische Beratung und Behandlung. „Hier werden gesundheitliche Fragen kompetent, vertraulich und mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen behandelt. Berufsrechtliche Vorgaben stellen zudem sicher, dass Beratung und Behandlung mit der erforderlichen Sorgfalt erfolgen“, betont Reinhardt.