KBV-Vorstand

Blutentnahme in der Apotheke ist wie „Jugend forscht“ 20.05.2026 13:14 Uhr

Berlin - 

Während sich heute der Gesundheitsausschuss abschließend mit der Apothekenreform beschäftigte, warnen die Ärzte noch einmal eindrücklich davor, „Apothekern originär ärztliche Aufgaben zu übertragen“. Die Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, Dr. Stephan Hofmeister und Dr. Sibylle Steiner, seien da der gleichen Meinung, wie auch alle anderen Ärzteverbände. Pharmazeut:innen seien für die geplanten zusätzlichen Aufgaben nicht qualifiziert.

„Ärztliche Diagnostik, Indikationsstellung und Therapie sind keine Bausteine, die nach Belieben in andere Hände gegeben werden dürfen. Unsere Hinweise sind von der Politik ignoriert worden. Und schlimmer noch: Sie hat ihren die Patientensicherheit gefährdenden Kurs noch einmal beschleunigt“, heißt es vom KBV-Vorstand.

Für die Praxen würden die Vorschläge aus dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) den Praxen sogar noch mehr Arbeit bescheren. „Beispielsweise sollen noch zu definierende Testungen auf Erreger in Apotheken zukünftig als ‚apothekenüblich‘ aufgeführt werden. Soll jeder Versicherte mit Wunsch getestet werden? Stellt der Apotheker die Indikation, ob ein Test notwendig ist – und falls ja, nach welchen Kriterien? Kurzum: Es droht eine Leistungsausweitung durch nicht evidenzbasiertes, anlassloses Testen.“

Gebe es in der Apotheke einen positiven Befund, werde der Versicherte ohnehin zum Arzt geschickt, wo sehr vermutlich ein weiterer Test durchgeführt werden müsse.

Politik ignoriere Ärzte-Bedenken

Die avisierte Blutentnahme durch Approbierte und durch Pharmazeut:innen im Praktikum (PhiP) unter Beaufsichtigung lese „sich ein wenig wie ein Programm für ‚Jugend forscht‘“, befinden die Ärztvertreter des Weiteren.

Patient:innen, die dieses neue Angebot aber tatsächlich in Anspruch nehmen wollten, hätten mit ernsten Konsequenzen zu rechnen. „Das Ganze ist das genaue Gegenteil von evidenzbasierter Medizin, wirtschaftlichem Handeln und der Vermeidung von Doppelstrukturen. Schlimmer geht's immer, scheint das aktuelle Motto der Politik zu lauten.“