Einsparpotenzial

Biosimilars: TK pocht auf Exklusivverträge 11.05.2026 14:33 Uhr

Berlin - 

In ihrer Ausschreibung zu Biosimilars setzt die Techniker Krankenkasse (TK) auch auf Exklusivverträge. Kritik weist die Kasse zurück: Durch die Rabattverträge ließen sich hohe Kosten einsparen.

Weil Biosimilars im Entwurf zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) vom dynamisierten Herstellerabschlag ausgenommen sind, profitieren die Hersteller aus Sicht der TK erheblich. Dass nun auch noch ein Verbot exklusiver Ausschreibungen für diese Produktgruppe gefordert wird, sei angesichts der aktuellen GKV-Finanzsituation unverhältnismäßig, kritisiert TK-Chef Dr. Jens Baas: „Das Spargesetz bringt rund 1,9 Milliarden Euro im Arzneimittelbereich insgesamt – ein Biosimilar-Stopp würde mehr als das Doppelte an Mehrausgaben verursachen. Ein Ausschreibungsverbot hieße unter dem Strich, dass die Pharmabranche sogar mit einem Plus aus dem Spargesetz herausgeht.”

Verzögerter Austausch

Während in anderen europäischen Ländern patentgeschützte biologische Arzneimittel deutlich günstiger auf den Markt kommen und nach Patentablauf häufiger Biosimilars als Nachahmerpräparate abgegeben werden, hinkt Deutschland laut TK hinterher. Hierzulande sei die Austauschbarkeit schon 2019 gesetzlich ermöglicht, aber erst 2026 umgesetzt worden. „Der verspätete Einstieg in den Biosimilar‑Austausch und fehlende Möglichkeiten, Rabattverträge zu schließen, haben die GKV seit 2022 etwa sieben Milliarden Euro Einsparungen gekostet.  Allein für 2025 wären Einsparungen von schätzungsweise 2,9 Milliarden Euro im biosimilarfähigen Markt möglich gewesen“, sagt Baas. 

Hohes Preisniveau

Deutsche Biologika sind laut TK im internationalen Vergleich zu teuer: Gegenüber dem jeweils niedrigsten europäischen Preis liegen deutsche Produkte demnach durchschnittlich beim Vierfachen.

So liege der Preis bei 434 Euro, in Italien bei 319 Euro. Gleichzeitig entfielen nur 42 Prozent auf Biosimilars, in Italien seien es 79 Prozent.

Besonders extreme Preisunterschiede weisen die fünf umsatzstärksten Einzelartikel auf: Die GKV-Ausgaben beliefen sich hier im Jahr 2024 auf 1,5 Milliarden Euro. Wäre der jeweils niedrigste europäische Preis angesetzt worden, hätten die Ausgaben nur rund 400 Millionen Euro betragen – eine Differenz von 73 Prozent.

Sparen durch Exklusivverträge

„Biosimilars bieten ein erhebliches Potenzial, die Gesundheitskosten zu senken und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu stärken“, erklärt Baas. Auf der einen Seite wirkten gezielte Ausschreibungen, exklusive Rabattverträge und eine konsequente Preistransparenz ausgabendämpfend. Damit sicherten sie notwendige Einsparungen für die Solidargemeinschaft. Auf der anderen Seite sorgten Rabattverträge durch Liefer- und Lagervorgaben dafür, dass die Arzneimittel im Bedarfsfall besser verfügbar seien.

Aktuell stünden noch viele umsatzstarke Biologika unter Patentschutz, darunter der Spitzenreiter der GKV-Ausgaben, das Krebsmittel Pembrolizumab (Keytruda, MSD Sharp & Dohme). In den nächsten Jahren werden dieser und viele weitere Wirkstoffe biosimilarfähig, sodass das Einsparpotenzial laut TK immens ansteigt.