BaWü: CDU, Grüne und FDP setzen auf Apotheken 05.02.2026 09:30 Uhr
In Baden-Württemberg rückt die Landtagswahl am 8. März näher, doch für die Apothekerschaft bleibt der Blick in die Wahlprogramme ernüchternd.
Die Christdemokraten wollen die wohnortnahe Versorgung im ganzen Land stärken. Dabei spricht sich die CDU explizit auch für eine Stärkung der Apotheken aus: „Die Apotheke vor Ort wollen wir als essenziellen Teil der medizinischen Daseinsvorsorge stärken und uns auf Bundesebene für gute Rahmenbedingungen einsetzen“, heißt es im Wahlprogramm der Partei. Konkreter wird die CDU allerdings nicht.
Zur Sicherung der wohnortnahen Versorgung sollen zudem zusätzliche Studienplätze für Human- und Zahnmedizin sowie für Pharmazie geschaffen werden. Die CDU will außerdem die Landarztquote erhöhen und sich an kommunalen Stipendienprogrammen beteiligen und bekennt sich zur Schulgeldfreiheit an den Ersatzschulen für Gesundheitsberufe. Außerdem soll der Anerkennungsprozess für ausländische Fachkräfte in Medizin und Pflege werden weiter beschleunigt und über eine digitale Plattform vereinfacht werden.
Gemeinsam mit der Ärzteschaft sollen mehr Facharztgruppen als bisher eine Verbindung aus stationärer und ambulanter Weiterbildung ermöglichen, um den ärztlichen Nachwuchs früher an die Niederlassung heranzuführen. „Wir setzen uns für die Etablierung multiprofessioneller Praxismodelle ein, an denen auch die Kommunen beteiligt werden können.“
SPD – Fokus auf der ärztlichen Versorgung
Im Wahlprogramm der SPD werden die Apotheken nicht erwähnt. Zwar versprechen die Sozialdemokraten: „Wir sichern die ambulante medizinische Versorgung vor Ort.“ In diesem Abschnitt steht allerdings die ärztliche Versorgung klar im Vordergrund.
Die Be1setzung von Kassenarztsitzen hat für die Sozialdemokraten höchste Priorität; der kassenärztliche Notfalldienst müsse für alle Bürgerinnen und Bürger innerhalb von 30 Pkw-Fahrminuten erreichbar sein.
„Eine gute und flächendeckende Gesundheits- und Pflegeversorgung – unabhängig von Wohnort, Herkunft, Alter, sozialer Lebenssituation, Beeinträchtigung, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität – ist ein Menschenrecht. Gesundheits- und Pflegeversorgung muss sich am Gemeinwohl ausrichten, nicht an Fragen der Wirtschaftlichkeit und nicht an Renditeinteressen einzelner Unternehmen oder großer branchenfremder Kapitalgesellschaften“, heißt es im Wahlprogramm. Zudem wollen die Sozialdemokraten telemedizinische Angebote stärken. Auch die SPD will sich unter anderem für eine schnellere, gebührenfrei und unbürokratischere Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen im Gesundheitswesen einsetzen.
Die Versorgung und den Patientenschutz will die SPD durch eine konsequente Aufsicht durch das Land über die Selbstverwaltung, Krankenhäuser, Gesundheits- und Pflegedienstleister sowie die Krankenkassen verbessern. Außerdem brauche der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) eine Neuausrichtung und mehr Personal.
Linke – „öffentliche wohnortnahe Gesundheitsversorgung“
Im Wahlprogramm der Linken werden die Apotheken nur am Rande erwähnt: „Unser Gesundheitssystem ist besorgniserregend krank: Gesetzlich Versicherte kommen nur schwer an einen Termin beim Facharzt; die Notfallversorgung durch die Rettungsdienste ist in einem beklagenswerten Zustand; Notfallpraxen, Apotheken, Abteilungen oder ganze Krankenhäuser schließen. Die Menschen müssen oft lange auf Behandlungen warten und auch weite Wege sowie eine schlechte Versorgungsqualität in Kauf nehmen“, kritisiert die Linke.
Um Lieferengpässe vorzubeugen, müsse das Land Vorräte an wichtigen Medikamenten, Impfstoffen und Materialien anlegen und die Produktion im Inland voranbringen.
Personalmangel und Arbeitsbedingungen, die krank machten, seien ein Teufelskreis, den die Partei mit Krankenhausplanung, einer gezielten Ausbildungsoffensive und einer Rückwerbekampagne für Pflegekräfte, die aus ihrem Beruf ausgestiegen sind, durchbrechen will. „Dass er wirklich beendet werden kann, dafür ist die Abschaffung des kapitalistischen Wettbewerbs- und Profitprinzips im Gesundheitswesen notwendig.“
Unter der Überschrift „Bessere Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen“ fordert die Linke unter anderem eine umsetzbare und bedarfsdeckende gesetzliche Personalbemessung für alle Berufsgruppen, die an der Versorgung der Patientinnen und Patienten beteiligt sind. „Bund und Länder müssen die Einhaltung der Personalvorgaben überwachen und sanktionieren. Rückführung ausgegliederter Bereiche in den öffentlichen Dienst. Gestiegene Tariflöhne refinanzieren.“
Die Linke fordert zudem eine einheitliche Kranken- und Pflegeversicherung für alle – ohne Beitragsbemessungsgrenze.
Grüne – „wohnortnahe Versorgung sicherstellen“
„Ein Gesundheitssystem, das nicht erst auf Krankheit reagiert, sondern von Anfang an schützt und stärkt – das ist unsere Vorstellung für Baden-Württemberg“, erklären die Grünen in ihrem Wahlprogramm. Dazu möchte die Partei insbesondere auf Prävention und die schulische Vermittlung von Gesundheitskompetenzen setzen.
Zudem wollen sich die Grünen auch der Lieferengpässe annehmen: Die Versorgung mit grundlegenden Medikamenten müsse sichergestellt sein. Eltern dürften nicht um den Fiebersaft für ihre Kinder wegen Lieferschwierigkeiten auf dem Weltmarkt kämpfen müssen.
„Deshalb fördern wir die regionale und nachhaltige Produktion von Arzneimitteln und Medizinprodukten. Zudem stärken wir die Apotheke vor Ort, um eine wohnortnahe Versorgung sicherzustellen“, heißt es im Wahlprogramm.
Die Grünen wollen zudem die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben, unter anderem durch die Förderung der Einführung und Nutzung telemedizinischer Versorgungsangebote. Die Gesundheitsversorgung der Zukunft setze auf multiprofessionelle Teams, heißt es in dem Wahlprogramm, „um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen und die knappe Arztzeit dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht wird“. Dafür müssten Primärversorgungszentren sowie die unabhängige Finanzierung von Case-Management-Aufgaben durch Pflegefachpersonen und andere Gesundheitsberufe fester Bestandteil der Regelversorgung werden. „Wir unterstützen kommunale und genossenschaftliche Medizinische Versorgungszentren.“
FDP – „fairer Wettbewerb“
„Die höchste Form der Freiheit ist ein langes, gesundes, selbstbestimmtes und selbstständiges Leben. Deshalb setzen wir auf Prävention, Gesundheitsförderung und -kompetenz“, erklärt die FDP in ihrem Wahlprogramm. Auch die Situation der Apothekerschaft wollen die Freien Demokraten in den Blick nehmen.
So wolle man darauf hinwirken, dass die freiberuflichen, inhabergeführten Apotheken vor Ort durch faire Wettbewerbsbedingungen, angemessene finanzielle Rahmenbedingungen und Entbürokratisierung auch zukünftig in der Lage sein werden, ihren flächendeckenden Versorgungsauftrag wahrzunehmen. Kleinteilige Regulierungen seien nicht mehr zeitgemäß; so dürfe Apotheken nicht wegen Formfehlern die Erstattung der Arzneimittel verwehrt werden, wodurch ein erhebliches wirtschaftliches Risiko entstehen könne.
Gerade im Hinblick auf Medikamentenengpässe brauche es flexiblere Regelungen. „Apotheken vor Ort können einen wichtigen Beitrag für eine niederschwellige Gesundheitsversorgung leisten, zum Beispiel in der Prävention.“
Außerdem will die FDP unter anderem den öffentlichen Gesundheitsdienst und digitale Behandlungsangebote stärken.