Bauer: Betriebsergebnis 2025 geringer als 2005 05.05.2026 11:54 Uhr
„Die Nichtanpasung des Fixums zeigt Wirkung“, so Dr. Eckart Bauer auf dem DAV-Wirtschaftsforum. Ende März gab es nach DAV-Angaben noch 16.541 Apotheken. Die Betriebsstätten schließen mit Vorlauf, die Aufbruchstimmung nach dem Koalitionsvertrag schwindet. Inhaber:innen hätten ihre Apotheken behalten, in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Jetzt sei die Politik in der Pflicht, um das Apothekensterben aufzuhalten.
Auf nur noch 16.601 Betriebe schrumpfte die Apothekenzahl bundesweit bis zum Ende des vergangenen Jahres – der niedrigster Stand seit 1977. Die Apothekendichte sank damit auf gerade einmal 19,9 Betriebe pro 100.000 Einwohner – deutlich unterhalb des EU-Durchschnitts mit 31 Betrieben pro 100.000 Einwohner. 2013 habe die Apothekendichte noch bei 25,6 Betrieben gelegen. „Seit 2013 ist die Apothekendichte im EU-Durchschnitt relativ stabil geblieben, in Deutschland ist sie dagegen zurückgegangen“, erklärt Bauer.
Weniger Apotheker
Nicht nur die Anzahl der Apotheken sinkt, im vergangenen Jahr ging auch die Anzahl an Apotheker:innen in öffentlichen Apotheken zurück. Insgesamt 52.733 Apotheker:innen in öffentlichen Apotheken – 502 weniger als im Vorjahr. „Das ist ein Warnsignal“, betont Bauer. Dagegen wuchs die Anzahl Apotheker:innen die in der Industrie beschäftigt waren um 122 auf 8155 an, auch in Krankenhausapotheken stieg die Zahl um 130 auf 3355 Beschäftigte.
Der Trend beschränke sich nicht nur auf die Apotheker:innen: In allen Berufsgruppen in öffentlichen Apotheken sei im vergangenen Jahr ein Rückgang zu verzeichnen. Das sei ein massives Problem für den Berufsstand wie auch für die Gesellschaft, denn für die Versorgungsstruktur brauche qualifiziertes Personal.
Abhängigkeit von Hochpreisern
Im vergangenen Jahr kosteten rund 89,1 Prozent der abgegebenen Packungen bis zu 100 Euro. Hochpreisige Arzneien zu einem Preis von ab 1500 Euro hätten nur einen Anteil von 1,9 Prozent ausgemacht. Im Umsatz machten die günstigen Packungen allerdings nur 24,8 Prozent aus. Zum Vergleich: 2011 hatte der Anteil der kostengünstigen Packungen noch bei 43,2 Prozent gelegen.
Im OTC-Markt verzeichneten die Apotheken einen Rückgang der Packungen und des Umsatzes im vergangenen Jahr. Bei den Versandapotheken war dagegen ein Wachstum zu sehen, erklärte Bauer. Der Anteil des Versandhandels an den GKV-Arzneimittelausgaben liege mittlerweile bei 2 Prozent, 2024 habe er noch bei 1,4 Prozent gelegen.
Mehr pDL
„Apotheken bieten viele Leistungen an, die der Versand nicht bieten kann“, so Bauer. Dieses Feld wolle man auch in Zukunft stärker ausbauen.
Die Anzahl der Apotheken, die pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) anbieten, und die Anzahl der erbrachten pDL steigen an: Rund 9000 Apotheken hätten 2025 pDL erbracht, im Vorjahr seien es noch 7900 gewesen. Insgesamt seien 904.520 Leistungen erbracht worden, 2024 seien es noch 577.063 gewesen. Auch bei den Schutzimpfungen sei ein starker Anstieg zu verzeichnen.
Betriebsergebnis
62 Prozent der Apotheken liegen unter dem Durchschnitt von vier Millionen Euro. Bewertet wird zu den tatsächlichen Einkaufspreisen, Einkaufsvorteilen und Skonti. Das Betriebsergebnis liegt 2025 im Realwert unter dem von 2005.
Apotheken nach Betriebsergebnis
- 7 Prozent in den roten Zahlen – „Das ist dramatisch“, so Bauer.
- 26 Prozent bis 100.000 Euro – das sei nicht mit einem Bruttogehalt eines Angestellten zu vergleichen
- 20 Prozent zwischen 100.000 und 150.000 Euro
- 47 Prozent mehr als 150.000 Euro
Die Zahlen zeigten, wie wirtschaftlich angeschlagen die Apotheken sind – auch wenn nicht alle existenzbedroht sind, so Bauer.
Im Koalitionsvertrag vereinbart ist die Stärkung der Apotheken, insbesondere im ländlichen Raum, die Erhöhung des Fixums für Rx-Arzneimittel auf 9,50 Euro, Sonderzuschläge für Apotheken insbesondere im ländlichen Raum sowie regelmäßige Verhandlungen zwischen Apothekerschaft und GKV-Spitzenverband zur Anpassung der Vergütung. Vereinbart sind zu dem Präventionsleistungen, erleichterte Abgabe und Austausch von Arzneimitteln, Bürokratieentlastung und Ausbau des heilberuflichen Charakters, Abschaffung von Nullretaxationen aus formalen Gründen, die Aufhebung des Skonti-Verbots sowie eine Vereinheitlichung der Vorgaben bei der Einhaltung von Kühlketten.
Schneller Be- als Entlastung
Aber: „Die Pläne, die die Apotheke belasten, kommen tendenziell schneller als die, die die Apotheken entlasten.“
Die nach mehr als 13 Jahren dringend notwendige Erhöhung des Apothekenfixums soll eher mager ausfallen, ist immer noch nicht umgesetzt und wird durch die vorgesehene dauerhafte Erhöhung des GKV-Abschlags auf 2,07 Euro von Beginn an in erheblichem Maße aufgezehrt, so Bauer. Auch bei der Rücknahme der Skonti-Beschränkung fehle es an der Umsetzung.
Die Anhebung des Apothekenabschlags auf 2,07 Euro entspreche einer dauerhaften Honorarkürzung von 166 Millionen Euro netto pro Jahr. Zudem komme es größtenteils zu einer Aufzehrung der geplanten Anpassung des Fixums durch den erhöhten Apothekenabschlag und die Erhöhung des Mindestlohns.
„Wer glaubt, die Folgen geringeren Wirtschaftswachstums, verschlechterter wirtschaftlicher Umgebungsbedingungen und des demographischen Wandels durch Kostendruck auf die Leistungserbringer abfedern zu können, der geht fehl. Es gilt, die – noch – vorhandenen lokalen ambulanten Strukturen zu sichern“, appelliert Bauer.