Mitarbeitende angemessen bezahlen

AVWL: Wir brauchen ein dezentrales Apothekennetz 23.03.2026 15:41 Uhr

Berlin - 

Der heutige bundesweite Apothekenprotest schlägt hohe Wellen. In fünf Städten fanden zentrale Kundgebungen statt. Auch ein Großteil der westfälisch-lippischen Apotheken – rund 70 Prozent – hat sich beteiligt, die Apothekentüren geschlossen gehalten und ist mitunter zu den Kundgebungen in Hannover und Düsseldorf gereist. Unterstützung kommt vom Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL): „Wer die Apotheken kaputtspart, macht Gesundheit teurer“, so die Warnung an die Politik. 

Doch damit nicht genug: Denn während heute nur einen Tag lang viele Apotheken geschlossen blieben, könnten es in Zukunft deutlich mehr sein, und zwar dauerhaft. „Wegen der chronischen Unterfinanzierung müssen jedes Jahr Hunderte Apotheken schließen. Seit 2013 sind rund 20 Prozent aller Apotheken für immer vom Versorgungsnetz gegangen“, so der AVWL. Das bedeute für die Bürger:innen längere Versorgungswege.

Der AVWL unterstützt daher die zentrale Forderung des Protestes: Die Politik müsse endlich die überfällige und versprochene Honorarerhöhung umsetzen. Denn seit der letzten Erhöhung im Jahr 2013 seien die Personal- und Sachkosten um 65 Prozent gestiegen, das Honorar jedoch nicht weiter. Um bis zu 30.000 Euro höhere Kosten für Tarif- und Mindestlohnerhöhungen habe eine Apotheke im Schnitt allein in den letzten zweieinhalb Jahren stemmen müssen. „Wie soll das alles finanziert werden, wenn es keine Erhöhung des Apothekenhonorars gibt?“, fragt der AVWL-Vorstandvorsitzende Thomas Rochell.

Die Honoraranpassung sei demnach einerseits unverzichtbar, um die Mitarbeitenden angemessen zu bezahlen. Andererseits könne nur so die Versorgung der Patient:innen gesichert werden. „In Zeiten des demografischen Wandels, zunehmender internationaler Konflikte und Naturkatastrophen brauchen wir ein dezentrales Apothekennetz“, so Rochell weiter. Anders als vielfach angenommen sei dieses keine finanzielle Belastung im Gesundheitssystem, sondern trage zur Kosteneindämmung bei. Denn Apotheken als niedrigschwellige Anlaufstelle würden neben der Arzneimittelabgabe auch Präventions- und Beratungsleistungen anbieten. Die Bundesregierung habe dies zwar erkannt und wolle den Apotheken mehr Aufgaben zusprechen. Allerdings werde nichts unternommen, um die Apotheken zu stabilisieren.

„Wer die Kompetenz der Apothekerinnen und Apotheker stärken und ihre Rolle in der Gesundheitsversorgung weiterentwickeln will, muss ihnen auch die notwendige wirtschaftliche Grundlage sichern“, heißt es auch von der niedersächsischen Apothekerkammer. „Die politischen Zusagen der vergangenen Monate waren wichtig – jetzt erwarten die Apotheken zu Recht, dass daraus verlässliche Entscheidungen werden. Eine starke Apotheke vor Ort braucht nicht nur Anerkennung, sondern auch eine tragfähige wirtschaftliche Grundlage. Die Honorarerhöhung muss jetzt umgesetzt werden“, macht auch Cathrin Burs, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen deutlich.