Offener Brief an Overwiening

AvP-Opfer: Kein Rechenzentrum ist sicher APOTHEKE ADHOC, 15.01.2021 10:34 Uhr

  • Beatrice Guttenberger vom Verbund Starke Apotheken (VSA) hat sich in einem offenen Brief an Abda-Präsidentin Gabriele Overwiening gewandt. Collage: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Der Verbund Starke Apotheke (VSA) – ein Zusammenschluss, der maßgeblich aus AvP-Opfern besteht – sieht die Risiken bei der Rezeptabrechnung für alle Apotheken. In einem offenen Brief an Abda-Präsidentin Gabriele Overwiening und den Vorsitzenden Bayerischen Apothekerverbands (BAV), Dr. Hans-Peter Hubmann, fordert der neu gegründete Verein außerdem mehr Unterstützung von der Standesvertretung bei der Bewältigung der AvP-Pleite.

Der VSA, dem nach eigenen Angaben einige hundert Apotheken angehören, kritisiert „die augenscheinliche Untätigkeit der Abda“ nach der AvP-Insolvenz. Denn aus Sicht des Verbunds gibt es strukturelle Probleme, denen auch Kunden anderer Rechenzentren ausgesetzt sind. Es sei nicht davon auszugehen, dass nur die AvP-Kunden nur die „falschen Verträge“ oder die „offensichtlich falsche Verrechnungsstelle“ gehabt hätten. „Im Gegenteil: Nur die AvP wurde überhaupt von der BaFin überwacht. Genutzt hat es wenig“, heißt es in dem offenen Brief.

Tatsächlich beschäftigt sich die BaFin als Reaktion auf die AvP-Pleite aktuell mit dem System der Rezeptabrechnung insgesamt. Ein Whistleblower hatte darauf hingewiesen, dass das Geld aus der Rezeptabrechnung auch bei anderen Rechenzentren nicht insolvenzsicher im Besitz der abrechnenden Apotheke sein könnte. „Wann und wie wurden in aller Deutlichkeit ALLE Apothekeninhaber darüber aufgeklärt, dass das Abrechnungssystem, so wie es heute ist, weiterhin unwägbare Risiken birgt. Wann wurde zur Solidarität untereinander aufgerufen?“, heißt es hierzu im offenen Brief des VSA.

Als Beleg dafür, dass sich die Standesvertretung nicht um die Bewältigung der AvP-Pleite kümmert sieht der VSA ein Schreiben der inzwischen zurückgetretenen Bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Die habe kurz vor Weihnachten gegenüber dem Bayerischen Landtag dargelegt, dass sich der BAV sowie die Bayerische Apothekerkammer (BLAK) kein großes Engagement gezeigt hätten, um den geschädigten Apotheken zu helfen.

Bezeichnend ist für den VSA der Ausgang eines Treffens im Ministerium am 9. Oktober, bei dem es auch um etwaige Staatshilfen gegangen sei. BAV und BLAK hätten aber den hier angeforderten Bericht zur Betroffenheit der bayerischen Apotheken und Schätzungen benötigter Fördermaßnahmen auch drei Monate später noch immer nicht erbracht. Der sei aber Huml zufolge Voraussetzung, um staatliche Unterstützung überhaupt zu prüfen. Auch sei nicht klar vermittelt worden ist, dass die wenigen Hilfsmaßnahmen wie KfW-Kredite, Abschlagszahlungen der Kassen oder Kredite der Apobank nicht ausreichend seien.

Stattdessen fühlt sich der VSA von einzelnen Standesvertretern geradezu hintergangen. So habe Dr. Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins, öffentlich vor dem Ruf nach dem Staat gewarnt. Und BAV-Vize Josef Kammermeier habe in einer versehentlich falsch verschickten eMail sogar über die AvP-Opfer lustig gemacht.

Als zahlende Mitglieder könnten die betroffenen Apotheker erwarten, dass ihre Interessen vertreten und Informationen weitergeleitet würden, schreibt der VSA an Overwiening und Hubmann.

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