„Auch Medikamente haben eine Klimawirkung“ 14.04.2026 07:51 Uhr
Nach wie vor habe das Thema Nachhaltigkeit für die Bevölkerung Relevanz, erklärte Anne-Kathrin Klemm vom BKK Dachverband beim Frühjahrsempfang der Stabsstelle Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit werde zumeist nur als Kostenfaktor gesehen, dabei gehe es auch um eine gezielte Versorgung und Vermeidung von Krankheiten.
„Nachhaltigkeit geht Hand in Hand mit der Vermeidung von Leistungen“, erklärte Klemm. Das deutsche Gesundheitssystem habe hohe Ausgaben, aber ein nur mittelmäßiges Ergebnis. Das Problem liege insbesondere an ineffektiven Strukturen und undurchsichtige Versorgungspfade.
Man schaue nicht – oder wenigstens nicht genug – auf Vermeidung und Prävention: „Die beste Krankheit ist die, die nicht entsteht, und da setzen wir zu wenig an“, so Klemm weiter. Zwar sei auch das Gesundheitswesen zum Beispiel durch Müll und CO2-Ausstoß selbst Teil des Problems, aber eben auch Teil der Lösung. Klemm setzt Hoffnung in das Digitalisierungsgesetz und insbesondere in die geplante Primärversorgung. Wenn man eine koordinierte Versorgung sicherstelle, vermeide man Versorgungsbrüche.
Es gehe auch um den „Return on Invest“. In Unternehmen werde klar analysiert: „Wo investieren wir hinein und was ist der Nutzen, den wir daraus ziehen?“ Das müsse auch im Gesundheitswesen gelten, angefangen beim Kantinenessen bis hin zum Klimaschutz und der Klimaanpassung. „Das schaffen wir nicht im Alleingang“, erklärte Klemm. Man brauche Vernetzung. Die Kernfragen seien, wie Vernetzung und sektorübergreifende Zusammenarbeit als Treiber fungieren und welche Erfahrungen man nutzen könne.
Die Betriebskrankenkassen engagierten sich bereits seit 2019 mit der Initiative „BKK Green Health“ im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Im Rahmen dieser Initiative habe man nun gemeinsam mit verschiedenen Akteuren – darunter auch die Abda – Eckpunkte für eine Nachhaltigkeitsstrategie im Gesundheitswesen erarbeitet. Die Eckpunkte befinden sich in den letzten Abstimmungen und sollen bereits in der kommenden Woche in einer digitalen Veranstaltung erstmals vorgestellt werden, führte Martin König, Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit der BKK, an.
Auch zwischen der pharmazeutischen Industrie und der BKK gebe es bereits Beispiele der Kooperation, zum Beispiel mit dem „Aktionsbündnis Klimabewusste Inhalativa“, berichtete König. Man sei in dem Bereich immer im Spannungsfeld: „Das Medikament muss natürlich wirken, hat aber auch eine gewisse Klimawirkung.“ Da sei man aber noch am Anfang.
„Es geht nicht um Konkurrenz“
Auch Professor Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Nachhaltige Wirtschaft (BNW), betonte die Bedeutung von Kooperation. Netzwerke seien Beschleuniger von Transformation, erklärte Reuter.
Im BNW gebe es eine Mischung an unterschiedlichen Perspektiven sowie ein starkes Netzwerk mit rund 700 Unternehmen und Start-ups – bisher seien jedoch wenige aus dem Gesundheitsbereich dabei, fügte sie an. „Nachhaltigkeit ist kein Auslaufmodell“, betonte sie mit dem Blick auf den aktuellen Iran-Krieg.
In der vernetzten Welt werde es immer schwieriger für Einzelakteure, etwas umzusetzen. Die großen Entwicklungssprünge fänden in Netzwerken statt, so Reuter.
Das Abfallmanagement im Krankenhaus sei ein „super Beispiel“ für gelingende Kooperation. „Wer muss hier alles miteinander reden, Krankenhäuser, Abfallbeauftragter, Hersteller, Entsorger und Behörden“, so Reuter. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz gebe seit 2012 klare Regelungen vor.
„Innovation entsteht an Schnittstellen“
„Die Zeit der großen Ambitionen ist vorbei, es geht um drei Punkte: Umsetzen, harte Priorisierung und Integration ins Kerngeschäft“, erklärte Tobias X. Gruber, Division Manager Sustainability und Human Rights Officer bei Otto.
Otto habe Nachhaltigkeit in die eigene Unternehmensstrategie integriert. Klimaschutz und Verpackung seien auch den Kunden wichtig. Circular Fashion wurde integriert. Viele Innovationen würden an Schnittstellen von Unternehmen, Sektoren und Start-ups entstehen. „Nachhaltigkeit entsteht genau dort, wo Akteure ihre Hebel verbinden“, erklärt er. Eine Allianz werde es aber nur dann, wenn jede Organisation ihre Hausaufgaben mache, betonte er.