GKV-Arzneimittelausgaben

8 Prozent für Sterilrezepturen APOTHEKE ADHOC, 12.09.2013 14:25 Uhr

Neue Daten: AOK-Chef Uwe Deh, der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken, die Autoren Professor Dr. Ulrich Schwabe und Dr. Dieter Paffrath sowie der AkdÄ-Vorsitzende Professor Dr. Wolf-Dieter Ludwig haben den Arzneimittelreport vorgestellt (von links). Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

Die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen sind im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf 30,6 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus dem Arzneiverordnungsreport 2013 (AVR) hervor. Erstmals haben die Autoren auch die Verordnung von Rezepturarzneimitteln analysiert: 2012 lag deren Umsatz bei 2,8 Milliarden Euro – 75 Prozent mehr als 2005, der laut AVR ältesten Datenbasis. Besonders die hohen Kosten für monoklonale Antikörper kritisieren die Autoren.

Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr 17,7 Millionen Verordnungen für Rezepturen ausgestellt – das entspricht 2,7 Prozent aller verordneten Arzneimittel. Der Umsatz entspricht hingegen einem Anteil von 8,4 Prozent am GKV-Arzneimittelumsatz.

Die starke Zunahme der Rezepturarzneimittel betraf den Autoren zufolge ausschließlich individuell hergestellte parenterale Lösungen und Zytostatikazubereitungen.

Der Umsatz mit mit klassischen Rezepturen aus Rezeptursubstanzen ist demnach leicht rückläufig: 2006 lag der Umsatz bei 208 Millionen Euro, 2012 gaben die Kassen für 8,3 Millionen Anfertigungen 178 Millionen Euro aus. Auf Methadonzubereitungen und weitere Substitutionsmittel entfallen 5,2 Millionen Verordnungen (70 Millionen Euro), auf Sterilrezepturen 4,2 Millionen Verordnungen (2,5 Milliarden Euro).

Zytostatikazubereitungen wurden 2,6 Millionen Mal verordnet. Das entspricht einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. 226 Millionen Euro entfielen auf Antimetabolite, dahinter folgen Taxane (206 Millionen Euro), Proteasominhibitoren (105 Millionen Euro) und Platinverbindungen (100 Millionen Euro).

Mit knapp 1,2 Milliarden Euro waren monoklonale Antikörper für onkologische Indikationen die umsatzstärkste Kategorie, wurden aber lediglich 960.000 Mal verordnet. Hier ist Trastuzumab der führende Wirkstoff (417 Millionen Euro), gefolgt von Bevacizumab (358 Millionen Euro), Rituximab (248 Millionen Euro), Cetuximab (91 Millionen Euro) und Panitumumab (38 Millionen Euro).

Die Autoren kritisieren, dass die Therapiekosten bei Trastuzumab, Bevacizumab, Cetuximab und Panitumumab „in keinem plausiblen Verhältnis zu der geringen Zunahme des Gesamtüberlebens“ stehen. Rituximab führe zu einer beträchtlichen Verlängerung des Gesamtüberlebens von Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen. „Dagegen erreichen die übrigen monoklonalen Antikörper bei soliden Tumoren nur eine geringe Zunahme des Gesamtüberlebens von ein bis fünf Monaten.“

Insgesamt sehen die Autoren bei der Ausgabenentwicklung „positive Signale“: Nach dem leichten Rückgang 2011 sei ein relativ moderater Anstieg verzeichnet worden. Im ersten Halbjahr 2013 betrage der Zuwachs sogar nur 0,3 Prozent, so Herausgeber Professor Dr. Ulrich Schwabe.

Aber: Rund 3,7 Milliarden Euro hätten gespart werden können, ohne dass Patienten schlechter versorgt worden wären, sagte Schwabe. Allein bei Analogpräparaten sehen die Autoren Sparpotenziale in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

Die frühe Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) habe bereits dazu beigetragen, 120 Millionen Euro einzusparen. Das Sparziel von zwei Milliarden Euro sei aber noch nicht erreicht. AOK-Chef Uwe Deh forderte, den erhöhten Herstellerrabatt und das derzeitige Preismoratorium, die Ende des Jahres auslaufen, um zwei Jahre zu verlängern, bis die Übergangsphase der Nutzenberwertung abgeschlossen sei.

Der AVR basiert auf den716 Millionen Verordnungen für Patienten, die 2012 von 143.000 Vertragsärzten ausgestellt wurden. Die Pharmaindustrie warf den Herausgebern methodische Mängel vor, aufgrund derer sie zu übertriebenen Sparmöglichkeiten kämen.