Apothekertag

Hennrich sagt Apothekern ab Alexander Müller, 28.09.2015 14:58 Uhr

Berlin - 

Die politische Diskussionsrunde gehört zum Deutschen Apothekertag (DAT) wie der Lagebericht des Präsidenten. Doch in diesem Jahr dürfte die Debatte im wahrsten Sinne des Wortes einseitig ausfallen: Von den Bundestagsfraktionen wird nur Harald Weinberg (Die Linke) nach Düsseldorf kommen. Zuletzt hat auch noch der CDU-Gesundheitsexperte Michael Hennrich abgesagt.

Hennrich hat seine Teilnahme am Donnerstag kurzfristig abgesagt. Zum einen gibt es an diesem Tag eine namentliche Abstimmung im Bundestag. Hinzu kommt Hennrich zufolge, dass weder SPD und Grüne einen Vertreter schicken würden: Ohne deren Beteiligung sei eine Diskussion nicht besonders sinnvoll, so Hennrich. „Ich hätte gerne die Unterschiede bei verschiedenen Arzneimittelthemen herausgearbeitet“, so Hennrich.

Hennrich befürchtet zudem, die Unzufriedenheit der Apotheker abzubekommen, weil zuvor schon Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) abgesagt hatte. „Ich habe keine Lust, dass dort eine riesige Unzufriedenheit herrscht, weil die Apotheker Herrn Minister Gröhe oder Frau Michalk erwartete hatten“, so Hennrich.

Maria Michalk (CDU) ist die neue gesundheitspolitische Sprecherin der Union. Sie folgte in diesem Monat offiziell auf Jens Spahn (CDU), der als Parlamentarischer Staatssekretär ins Finanzministerium zu Wolfgang Schäuble (CDU) gewechselt war. Inhaltlich wäre auch Hennrich für den Posten in Betracht gekommen. Er ist Berichterstatter für den Bereich Arzneimittel und seit Jahren in der Gesundheitspolitik aktiv.

Doch Hennrich ist Baden-Württemberger – und sein Bundesland in der Gesundheitspolitik schon stark vertreten: Annette Widmann-Mauz aus Tübingen ist Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (BMG). Da bei der Verteilung der Posten auch der Proporz unter den Bundesländern beachtet wird, erhält die Sächsin Michalk den Vorzug.

Hennrich hatte nach eigenen Angaben dem Vorsitzenden des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Fritz Becker, schon bei der Zusage angekündigt, dass er bei einer namentlichen Abstimmung im Bundestag abspringen müsse. Am Donnerstag wird ab 13.30 Uhr über den Bundeswehreinsatz EU-Operation EUNAVFOR MED abgestimmt.

Diesem Pflichttermin fernbleiben wird Weinberg von den Linken. Er wird wie zugesagt nach Düsseldorf fahren. Der gesundheitspolitische Sprecher der Linken muss im Bundestag dafür eine Strafe von 100 Euro zahlen. Die Diskussionsrunde beim DAT wurde entsprechend vorverlegt. Möglicherweise wird Weinberg nun ein Grußwort an die Apotheker richten – oder mit der ABDA-Spitze alleine diskutieren.