Rx-Versandhandel verbieten

Apotheker und Ärzte kritisieren mangelnde Krisenresilienz 02.07.2026 15:09 Uhr

Berlin - 

In einem gemeinsamen Positionspapier haben der Berliner Apotheker-Verein und der Hartmannbund-Landesverband Berlin erklärt, dass Berlin auf größere Krisen- und Notlagen – auch in Bezug auf die Gesundheitsversorgung – bisher unzureichend vorbereitet sei, und fordern die Landespolitik zum schnellen Handeln auf.

„Ausländische Arzneimittelversender und telemedizinische Angebote können die persönliche Versorgung vor Ort nicht ersetzen – insbesondere nicht in Krisen- und Katastrophenlagen. Eine Gesundheitsversorgung, die sich zunehmend auf zentrale oder grenzüberschreitende Strukturen stützt, verliert an Widerstandsfähigkeit“, betont Anke Rüdinger, Vorsitzende des Berliner Apotheker-Vereins.

„Die Politik muss der Resilienz des Gesundheitswesens endlich die notwendige zentrale Bedeutung zumessen – und ein krisenfestes Gesundheitswesen kann nicht allein auf Krankenhäuser gestützt werden“, erklärt die Vorsitzende des Hartmannbund-Landesverbandes Berlin, Miriam Vosloo.

Nötig seien starke dezentrale Versorgungsstrukturen, die auch unter außergewöhnlichen Bedingungen handlungsfähig bleiben. Niedergelassene Arztpraxen und Vor-Ort-Apotheken seien das Rückgrat einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung. „Sie gewährleisten die schnelle medizinische und pharmazeutische Betreuung der Bevölkerung sowie die unmittelbare Verfügbarkeit von Arzneimitteln – auch dann, wenn Lieferketten, Verkehrswege oder digitale Infrastrukturen beeinträchtigt sind.“

Beendigung des Versandhandels

Die beiden Verbände wenden sich mit sieben Forderungen an den Berliner Senat, das Abgeordnetenhaus von Berlin und die Berliner Bezirke. Dazu gehörten die Entwicklung einer Berliner Resilienzstrategie für das Gesundheitswesen, die Sicherung einer flächendeckenden Präsenz von Arztpraxen und Apotheken und die Stärkung der ambulanten Gesundheitsversorgung. Dem fortschreitenden Praxen- und Apothekensterben müsse entschlossen entgegengewirkt werden.

Durch eine Bundesratsinitiative zur Beendigung des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln solle das Land Berlin zudem dem Abfluss von Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung ins Ausland und der damit verbundenen Schwächung der wohnortnahen Versorgung entgegenwirken. Außerdem fordern die niedergelassenen Ärzt:innen und Apotheker:innen die verlässliche Finanzierung von Resilienzmaßnahmen und eine langfristig angelegte Gesundheitspolitik.