Apothekensterben: „Das ist politisches Versagen“ 11.04.2026 09:01 Uhr
Die Vorsitzende und gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion in Sachsen, Susanne Schaper, ist auf Landesebene schon lange eine starke Fürsprecherin für die Apotheken. In einem Instagram-Video thematisiert sie auf ihrem Kanal aktuell das Apothekensterben – und wirft dem Bund politisches Versagen vor. Dabei ist Schaper nicht allein, sondern hat Verstärkung aus Berlin: die Vorsitzende der Fraktion im Bundestag, Heidi Reichinnek.
Aufhänger für das Video ist die Schließung der Löwen-Apotheke im sächsischen Werdau. Die beiden Linken-Politikerinnen inszenieren das Video als Trauerrede. „Liebe Trauergemeinde, schon wieder müssen wir Abschied nehmen. Viel zu früh ist sie von uns gegangen: Die Löwenapotheke in Werdau“, leitet Reichinnek ein.
284 Jahre habe die Apotheke bestanden – und sie sei nicht die erste, die dieses Jahr „beerdigt“ wurde. Allein 500 seien es im vergangenen Jahr gewesen. Längst sei man auf dem niedrigsten Stand seit 50 Jahren bei den Betriebszahlen. In Sachsen gebe es bereits ganze Landstriche, in denen es kaum noch Apotheken gebe.
So könne es nicht weitergehen, sind sich die beiden Politikerinnen einig. „Und jedes Mal wieder heißt es, ja, schade, aber der Markt hat es einfach so geregelt“, kritisiert Reichinnek. „Der Markt regelt höchstens die Profite der wenigen, aber sonst nichts“, fügt Schaper an.
Dabei seien die Gründe für die Schließungen kein Geheimnis: „Die Kosten steigen immer weiter. Personal, Energie, Miete. Das Honorar der Krankenkassen, Pro Medikamentenpackung, das sogenannte Packungsfixum wurde seit 2004 kaum erhöht. Und natürlich geht die Rechnung dann irgendwann nicht mehr auf“, heißt es in dem Videoclip.
Das sei kein natürlicher Tod: „Das ist politisches Versagen.“
Verlieren „ziemlich viel“
Dabei seien Apotheken unersetzbar für die Versorgung und Betreuung der Bürgerinnen und Bürger. Apotheken seien nicht einfach Abgabestellen für Medikamente; sie würden beraten, bei der Prävention helfen und die Versorgung vor Ort sichern. Ohne Apotheken verliere man Fachpersonal, das Wechselwirkungen erkennen kann, bevor die Medikamente tatsächlich eingenommen werden. Man verliere die Notfallversorgung auch mitten in der Nacht, wenn ein Kind krank ist, und Anlaufstellen für ältere Menschen, die kein Auto mehr haben und in Regionen mit schlechter Anbindung wohnen. „Das alles bestellt man nun mal nicht einfach online“, konterkariert Reichinnek.
Apothekenreform reicht nicht
„Wir sagen deshalb: Gesundheit darf keine Frage des Wohnorts sein. So wie es aber gerade läuft, wird sie das“, betont Schaper. Zwar würde die Politik aktuell eingreifen, doch die Maßnahmen seien nicht genug, kritisieren die Politikerinnen. Die Linke fordert konkret, das Honorar für Apotheken zu erhöhen und zu dynamisieren.Apotheken hätten einen heilberuflichen Auftrag, den die Bundesregierung stärken müsse. „Sonst geht es bald weiter mit der nächsten Trauerrede.“