Apothekenprotest: Der Tag danach 24.03.2026 09:02 Uhr
Was hat der Apothekenprotest gebracht? Am Tag danach diskutieren wir über den Erfolg der Schließungen und Kundgebungen. Nadine Tröbitscher und Tom Bellartz ordnen das Geschehen und die Resonanz ein. Mit dabei sind außerdem Abda-Präsident Thomas Preis und Anja Zierath vom BVpta. Ab 12 Uhr live aus unserem Berliner Studio.
Bundesweit waren die Apotheken geschlossen, knapp 25.000 Demonstrierende waren in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München auf der Straße. Zum Protesttag haben die Apothekenteams ein deutliches Signal ausgesendet. „Wir lassen uns jetzt nicht mehr vertrösten! Wir kämpfen für unsere Zukunft“, sagte Preis. „Viva la farmacia, es lebe die Apotheke!“
Zahlreiche Medien haben berichtet, während die Kassen die Sorgen und Nöte der Apothekenteams erneut in Abrede stellten. Derweil dreht sich das Rad der Gesundheitspolitik weiter: Am Morgen drohte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit der Streichung von Tausenden Terminen, sollte die Ärzteschaft von den Sparvorschlägen der Finanzkommission allzu kräftig getroffen sein.
Was also bleibt vom Apothekenprotest? Hat sich der Aufwand gelohnt, konnten die Teams ein Zeichen setzen? Nadine Tröbitscher und Tom Bellartz ordnen das Geschehen und die Resonanz ein. Mit dabei sind außerdem Abda-Präsident Thomas Preis und Anja Zierath vom BVpta. Ab 12 Uhr live aus unserem Berliner Studio. Angemeldete Nutzerinnen und Nutzer haben bei APOTHEKE ADHOC Webinar die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Jetzt registrieren!
Zierath ist insgesamt zufrieden mit dem gestrigen Tag: „Jeder hat verstanden: Das sind die Apotheken, die da stehen.“ Für den BVpta war es selbstverständlich, stellvertretend für die Berufsgruppe der PTA dabei zu sein. Denn klar ist: „PTA sind keine Billiglösung.“ Für sie ist auch klar: Es muss gemeinsam mit allen Berufsgruppen eine Lösung gefunden werden. Der Protest hat ihr zufolge ein eindeutiges Signal gesendet. „Ich hatte vorher das Gefühl, dass sich einige lieber raushalten wollen, aber gestern gab es eine geschlossene Einheit und alle haben sich eindeutig positioniert, die Apothekenteams, aber auch Pharmafirmen, Großhandel & Co.“
Der Ärger bei den Bürger:innen über die Schließungen sei verständlicherweise erst einmal groß, aber umso mehr Erklärung man liefere, desto größer sei das Verständnis. „Es braucht mehr Aufklärung in der Bevölkerung, damit Patient:innen besser verstehen, was Apotheken alles leisten.“ Zudem sei der Protest nicht auf dem Rücken der Patient:innen ausgetragen worden.
Preis: „Bleiben Sie dran!“
„Über 25.000 Teilnehmende – der Tag war ein voller Erfolg. Das, was wir als Berufsstand wollten, ist gelungen. Wir haben der Ministerin den Rücken gestärkt, damit sie das, was sie versprochen hat, jetzt umsetzt“, so Preis im Nachgang. zum Protest. Man habe außerdem Geschlossenheit und Stärke gezeigt, doch dies war nur der erste Schritt und man müsse weiter standhaft bleiben. „Jeder einzelne Mitarbeiter kann jetzt einen Beitrag leisten: Schreiben Sie die Abgeordneten an, bleiben Sie dran!“
„Entscheidend ist, dass wir eine sichere Verhandlungslösung finden, die sich auch an die Kostensteigerungen anpasst, damit wir höhere Energiepreise & Co. auch abfedern können. Wir wollen nicht ständig auf den Plätzen in Deutschland protestieren.“ Außerdem brauche es einheitliche Regelungen für die Temperaturkontrolle, auch für Versender. Denn diese sei auch ein Aspekt des Verbraucherschutzes.
Auf der Gesetzgebungsseite müsse sich nun stark gemacht werden, dass Aspekte die wie PTA-Vertretung gestrichen werden. Die Politik dürfe sich nicht über die Interessen der Berufsgruppe hinwegsetzen. Statt einer Vertretung brauche es eine Weiterentwicklung des Berufsstandes, die zukunftsfähig ist. Und auch der Punkt der Zweigapotheken müssen zwingend aus den Plänen verschwinden. Eine Apotheke ohne Labor sei undenkbar. „Wir brauchen das Labor und den Notdienst.“ Beides seien Zeichen für Resilienz.
„Wir werden die Ministerin weiter bestärken in ihrem Kurs. Wir werden jetzt noch einmal aktiv – ich appelliere hier an alle, sich weiter einzubringen und die Forderungen der Apothekerschaft deutlich zu machen, dann werden wir in den nächsten Wochen die Ergebnisse sehen.“
Für Zierath ist klar: „Wenn die Honorarerhöhung nicht kommt, müssten wir drastische Maßnahmen ergreifen, beispielsweise wirklich mindestens drei Tage schließen und protestieren. Ich glaube, dass viele Inhaber:innen diese Frage bereits im Kopf haben, aber man darf dann nicht die andere Wange hinhalten, sondern dann wirklich konsequent sein und wirklich geschlossen bleiben.“
Kassen schafften Medienecho
Über den Protest wurde nicht nur neutral berichtet, auch die Kassen setzten noch einmal ein Zeichen und betonten, dass eine Honorarerhöhung nicht machbar und auch gar nicht angezeigt sei. Die Angaben der Kassen sei eine Milchmädchenrechnung und eine irreführende Darstellung, denn es komme auf die Summe pro Packung an, betont Preis. Das Apothekenhonorar wurde eben nicht erhöht und während bei den Kassen mehr Geld angekommen sei, seien Apotheken leer ausgegangen.
Auch TV-Sender ntv berichtete und rechnete den Verdienst eines Inhabers vor. Die angeführten 160.000 Euro Gewinn einer Apotheke seien ebenfalls eine Milchmädchenrechnung, so Preis deutlich. Der Gewinn einer Apotheke beziehungsweise eines Inhabers liegt inzwischen höchstens im Bereich eines normalen Angestellten, außerdem müssten davon noch entsprechende Beiträge abgezogen werden.