„Verbund starke Apotheke“

Alternativ-Abda gegründet Alexander Müller, 01.12.2020 10:42 Uhr

Berlin - Der Verein „Verbund starke Apotheke“ ist gegründet. Auslöser für die Initiatorin Beatrice Guttenberger und ihre Mitstreiter war die Pleite des Rechenzentrums AvP. Und auch wenn sich viele Mitglieder zunächst aus den Reihen der Betroffenen rekrutieren, will sich der Verein um alle großen Apothekenthemen kümmern.

Den Apothekern fehlt aktuell die politische Unterstützung, eine schlagkräftige Lobby und Solidarität im Berufsstand. Man werde „medial kaum wahrgenommen und politisch zusehends demontiert“, klagt der neue Verbund. Das liege an der schwachen Standesvertretung auf Bundes- und Landesebene. „Ihr fehlt der Wille, die Kraft und die Macht, selbst kleinste politische Forderungen durchzusetzen.“ Deshalb sei es Zeit für einen Strategiewechsel: „Wir wollen die Lobbyarbeit für die Apotheken selbst in die Hand nehmen. Und zwar, in dem wir dafür echte Profis engagieren. Wir werden ein Team aus Experten aufbauen.“

Dazu wurde ein Verein gegründet: In seiner Satzung verpflichtet sich dieser auf die inhabergeführte unabhängige Apotheke – und damit letztlich der Stärkung der „öffentlichen Gesundheitspflege“. Dabei setzt der Verbund auf basisdemokratische Onlineabstimmungen, etwa zu größeren Aktionen wie Streiks oder einer ausschließlichen Belieferung von Selbstzahlern. Nach außen soll der Kontakt zu anderen Berufsgruppen der Gesundheitswirtschaft gestärkt, gleichzeitig Verstöße gegen das Apotheken- und Wettbewerbsrecht bekämpft werden.

Bis Anfang November hatten nach Vereinsangaben 340 Mitstreiter ihre Unterstützung zugesagt. Bis Ende Januar müssten es 1900 Mitglieder sein, damit der Verein offiziell mit seiner Arbeit beginnen kann. „Mindestens 10 Prozent der deutschen Apotheker müssen wir gewinnen, um wirklich grundlegende Veränderungen zu erreichen“, so die eigene Wahrnehmung. Der Beitragssatz beträgt 2000 Euro jährlich zuzüglich einer Aufnahmegebühr von 1000 Euro.

Die Kernforderungen des Verbunds:

  • Auskömmliche Honorierung inkl. automatischer Anpassungsmechanismen
  • Chancengleichheit für Apotheken vor Ort und ausländische Versender
  • Erhalt der Preisbindung für GKV- und PKV-Patienten

Beatrice Guttenberger ist die erste Präsidentin des neuen Vereins, ihr Bruder Nikolaus Guttenberger sowie Ramez Barekzai wurden zu ihren Stellvertretern gewählt. Dem Beirat gehören neben dem Präsidium drei weitere Mitglieder an: Sylvia Trautman, Stefanie Wolf und Arndt Dickhöfer. Beide Gremien werden für die Dauer von vier Jahren gewählt.

Mit Beiträgen, Fördermitgliedschaften und Spenden sollen mindestens 1,5 Millionen Euro eingesammelt werden, der Großteil soll für Kampagnen und politische Aktionen verwendet werden, knapp die Hälfte für die hauptamtlichen Mitarbeiter, IT-Service, Online-Präsenz und Mitgliederverwaltung sowie Agenturen und externe Beratung. Ein detaillierter Jahresplan wird den Mitgliedern noch vorgelegt.

Zusammengefunden hat sich die Gruppe zunächst über die AvP-Pleite. Der nächste Tiefschlag war laut Apothekerin Guttenberger (Rats-Apotheke Ochsenfurt) die Auftragsvergabe für die E-Rezept-Infrastruktur an die Zur-Rose-Tochter eHealth tec und den IT-Konzern IBM. „International gesteuerte Konzerne übernehmen die Kontrolle und werden massiv die deutsche Gesundheitsversorgung gefährden“, so ihre Befürchtung.

Beim Aufbau des Vereins wurde Guttenberger insbesondere von Robin Beyer unterstützt, einem 22-jährigen Studenten der Rechtswissenschaft, dessen Tante von der AvP-Pleite betroffen ist. Beyer hat auch eine Petition zu diesem Thema gestartet, die aber noch nicht die erhoffte Resonanz findet. Mit dem Verein soll die öffentliche Schlagkraft erhöht werden.

Auch wenn die AvP-Insolvenz Thema Nummer 1 war; auf der To-do-Liste des Vereins stehen bereits etliche große Themen der Apothekerschaft: Versandhandel, inklusive der RxVV-Petition von Benedikt Bühler, Honoraranpassung und Gehälter in der Apotheke, Nullretax und Securpharm, Zuzahlungen, Kassen- und Herstellerabschlag, Lieferengpässe und natürlich das E-Rezept, dessen ausschließliche Akzeptanz mit einem Counter auf der Homepage begleitet wird.

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