Bisher 14 geschlossene Apotheken in 2026

Schließungen: Hoffmann warnt vor übersehenen Belastungen 03.07.2026 08:03 Uhr

Berlin - 

Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) verzeichnete im ersten Halbjahr erneut 14 geschlossene Apotheken. Zwar machten immerhin auch vier Apotheken neu auf, doch der Trend setze sich weiter fort, warnt AKNR-Präsident Dr. Armin Hoffmann. „Den Trend, dass Quartal für Quartal mehr Apotheken schließen als neue eröffnen, beobachten wir seit mehr als 25 Jahren.“ Er hoffe nun, dass mit der Apothekenreform und dem erhöhten Fixum wieder Schwung in die Branche komme.

Zum Stichtag am 1. Juli gab es 1886 Apotheken im Kammerbezirk – das sind zehn weniger als noch zu Jahresbeginn. Während solche Schließungen auf dem Land für die Menschen schnell längere Wege bedeuten, „entstehen in den Städten oft übersehene Belastungen“, so die Kammer.

Denn der Bedarf bleibe: „Gerade in größeren Städten bleiben die Wege zur nächstgelegenen Apotheke trotz Schließungen kurz. Aber die verbliebenen Betriebe müssen die Patientinnen und Patienten der geschlossenen Apotheken mitversorgen“, erklärt Hoffmann. „Das führt zwangsläufig zu längeren Wartezeiten für Patientinnen und Patienten und einer deutlich höheren Arbeitsbelastung für die Teams in den Apotheken.“

Doch es gebe auch Positives, hebt die AKNR hervor: Mit dem gestrigen Inkrafttreten des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) würden nun wichtige Verbesserungen auf den Weg gebracht und es kämen neue Leistungen in die Apotheken, wie fünf weitere pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) und erweiterte Impfkompetenzen.

Neue Leistungen nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen

„Die Reform geht grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zusätzlichen Kompetenzen zeigen, wie wichtig Apotheken für eine moderne, niederschwellige Gesundheitsversorgung sind“, so Hoffmann. „Viele Apothekenteams können diese neuen Möglichkeiten schon bald aktiv nutzen und ihre Versorgungsangebote weiterentwickeln.“

Zudem kam zum 1. Juli erstmals seit mehr als 13 Jahren eine Erhöhung des Fixums auf nun 9 Euro, in der zweiten Stufe Anfang 2027 kommt der Schritt auf 9,50 Euro – auch wenn dieser durch den erhöhten Apothekenabschlag teilweise „faktisch wieder aufgezehrt“ werde.

„Dass das Honorar endlich angehoben wurde, ist ein wichtiger Schritt nach vorne“, so Hoffmann weiter. „Wenn jetzt aber auf der anderen Seite die Honorarerhöhung wieder abgezweigt wird, droht der Effekt zu verpuffen“, warnt er. „Für viele Betriebe bleibt die wirtschaftliche Perspektive damit unsicher.”

„Apotheken sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung – in der Stadt wie auf dem Land“, betont Hoffmann. „Damit das auch in der Zukunft so bleibt, brauchen die Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen und echte wirtschaftliche Planungssicherheit.“