„Bagatellisierung der Versorgung“

Ärzte: Abda zerstört akademische Heilberufe 08.06.2026 10:33 Uhr

Berlin - 

Mit ihrem Positionspapier zur Rolle der Apotheken in der Primärversorgung hat die Abda bei der Ärzteschaft einen Sturm der Entrüstung entfacht. Denn abgesprochen war der Vorstoß offenbar nicht. Der Virchowbund spricht von einem „gefährlichen Spiel“ und unterstellt der Standesvertretung, die eigene Kompetenzausweitung mit einer Bagatellisierung der Versorgung zu kombinieren.

„Wenn die organisierte Apothekerschaft jetzt in die Diagnostik durch anlasslose Testungen und in die Versorgung durch Direktabgabe von Medikamenten bei Allergien, Konjunktivitis oder Rachenentzündung einsteigen will, verlässt sie ihre Kernaufgabe und greift mit der Bestimmung von Diagnose und Therapie in den ärztlichen Bereich ein“, stellt der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dr. Dirk Heinrich, fest.

„Zu jeder Testung gehört eine ärztliche Abklärung, jede Diagnose muss von einem Arzt gestellt werden und auch die Verlaufskontrolle ist eine ärztliche Aufgabe. Die eigenständige Zuschreibung von ärztlichen Qualifikationen führt folglich bei den Apothekern, aber auch bei den Ärzten, zu einer Marginalisierung von Versorgung und zur Deprofessionalisierung beider akademischen Heilberufe. Denn auch hier gilt: ‚Wer alles machen will, der macht nichts richtig gut‘“, warnt Heinrich.

Eine hochwertige Primärversorgung werde durch niedergelassene Haus- und Kinderärzte sowie in Einzelfällen auch durch grundversorgende Fachärzte sichergestellt. „Unsere Kernaufgabe in dieser Debatte ist die Verbesserung der ärztlichen Versorgung durch eine wirksame digitale Ersteinschätzung und effektive Steuerung, die jeden Behandlungsfall schnell der entsprechenden Versorgungsebene zuweist. Kernaufgabe der Apothekerschaft ist es, die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln zu gewährleisten. Diese Baustelle besteht immer noch und sie erscheint mir momentan die größere für die Apotheker zu sein“, so der Vorsitzende.