Adexa: „Mehr Wertschätzung für Frauen in Apotheken“ 08.03.2026 12:00 Uhr
„Frauen sind das Rückgrat öffentlicher Apotheken in Deutschland“, betont die Adexa. Apothekerinnen, Pharmazieingenieurinnen (PI), PTA und PKA sorgten täglich dafür, dass Patientinnen und Patienten kompetent beraten und zuverlässig mit Arzneimitteln versorgt werden. Zum Internationalen Frauentag ruft die Adexa daher dazu auf, ihre Leistungen stärker anzuerkennen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
In öffentlichen Apotheken arbeiteten in allen Berufsgruppen überwiegend Frauen, so die Adexa. Laut Abda-Zahlen seien im Jahr 2024 rund 162.000 Menschen in Apotheken beschäftigt gewesen; Frauen stellten dabei mit 89,2 Prozent die klare Mehrheit der Angestellten.
Unter den PTA liege der Frauenanteil sogar bei 96,6 Prozent, bei den PKA bei 97,5 Prozent. Aber auch unter den approbierten Apothekern gebe es mehr Frauen als Männer: 74,1 Prozent der Approbierten seien demnach weiblich. Ein ähnliches Bild zeige sich beim Nachwuchs: Bei Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) betrage der Frauenanteil 74,8 Prozent.
„Die meisten Beschäftigten in Apotheken sind Frauen. Sie tragen Verantwortung für Beratung, Arzneimittelsicherheit und Organisation“, erklärt Tanja Kratt, Bundesvorstand der Adexa. Trotzdem werde ihre Arbeit noch immer nicht ausreichend wertgeschätzt. „Wer eine stabile Versorgung sichern will, muss auch für gute Arbeitsbedingungen sorgen.“
Gender Pay Gap und Care Gap
Trotz ihrer zentralen Rolle sähen sich viele Frauen weiterhin mit strukturellen Ungleichheiten konfrontiert: So liege der Gender Pay Gap in Deutschland aktuell bei rund 16 Prozent. Frauen verdienten bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit im Durchschnitt etwa 4,10 Euro pro Stunde weniger als Männer. Zudem erzielten sie häufiger niedrigere Einkommen und seien insgesamt seltener erwerbstätig.
Ein wesentlicher Grund dafür liege insbesondere in der ungleichen Verteilung von Sorgearbeit: Frauen übernähmen etwa zwei Drittel der Kinderbetreuung und investierten deutlich mehr Zeit in Hausarbeit sowie in die Pflege von Angehörigen. Viele verringerten deshalb ihre Arbeitszeit oder arbeiteten dauerhaft in Teilzeit. Mit Folgen: Denn diese Entscheidungen beeinflussen nicht nur das aktuelle Einkommen, sondern auch Karrierechancen, Rentenansprüche und die wirtschaftliche Sicherheit im Alter.
„Wer die Leistung der Frauen in Apotheken wirklich anerkennen will, muss auch strukturelle Benachteiligungen angehen“, fordert Kratt.
Bessere Rahmenbedingungen
Neben mehr Wertschätzung müssten auch die Arbeitsbedingungen für Apothekenangestellte verbessert werden. Dazu zählten flexiblere Arbeitszeiten, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen. Nur so lasse sich sicherstellen, dass qualifizierte Fachkräfte langfristig in öffentlichen Apotheken bleiben.
Letztlich sei die Regierung in der Pflicht, das Recht auf Teilzeit nicht auszuhöhlen und Care-Arbeit stärker wertzuschätzen, auch bei Rentenansprüchen, so Kratt.