45 Milliarden Euro Mehrkosten

Abnehmspritzen: AOK-Chefin warnt vor GKV-Kollaps 24.08.2026 13:32 Uhr

Berlin - 

Eine Kostenübernahme von Abnehmspritzen könnte die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) laut AOK-Bundesverband im Extremfall mit Milliardenbeträgen belasten. Würden alle GKV-versicherten Adipositas-Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder mehr regelmäßig damit behandelt, entstünden hochgerechnet jährliche Kosten von etwa 45 Milliarden Euro, sagte AOK-Chefin Dr. Carola Reimann den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bei einem BMI von 35 und mehr würden sich die jährlichen Kosten demnach immer noch auf rund 14 Milliarden Euro belaufen. „Das ist sicher ein Maximal-Szenario, aber es zeigt die finanziellen Dimensionen dieses Themas“, fügte Reimann hinzu. Zum Vergleich: Die Gesamtausgaben der Kassen für Arzneimittel lagen zuletzt bei 58 Milliarden Euro.

Die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Sonja Optendrenk, hatte zuletzt eine Kostenübernahme von Abnehmspritzen bei schwerer Adipositas ins Gespräch gebracht. Alexander Horn, Deutschlandchef von Lilly, hatte den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) aufgefordert, dass die Therapie gegen Adipositas entsprechend der Leitlinie der Fachgesellschaft Adipositas ab einem Body-Mass-Index (BMI) von über 35 erstattungsfähig werden sollte. Eine Kostenübernahme für alle 17 Millionen Adipositas-Patient:innen könne natürlich nicht sofort gestemmt werden; diese Annahme sei „blauäugig“.

Reimann sagte zu der Thematik: „So verkürzt kann man die Debatte nicht führen.“

„Riesiger medialer Hype“

Auf Kassenrezept können Diabetiker sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten bereits erhalten, wenn sie zur Behandlung von Diabetes Typ 2 genutzt werden und nicht allein zum Abnehmen.

„Gleichzeitig gibt es einen riesigen medialen Hype, weil manche Menschen sie ohne medizinischen Hintergrund aus kosmetischen Gründen nutzen“, sagte Reimann.

Derzeit fallen Abnehmspritzen, die explizit zur Behandlung von Adipositas zugelassen sind, in Deutschland unter den sogenannten Lifestyle-Paragrafen. Als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel werden Mittel bezeichnet, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht, etwa Appetitzügler, Mittel für mehr Haarwuchs oder zur Steigerung der sexuellen Potenz. Sie dürfen nicht als Kassenleistung verordnet werden.

Abnehmspritzen wie etwa die Medikamente Wegovy oder Mounjaro enthalten sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten. Die Behandlung mit ihnen kostet einige Hundert Euro pro Monat.