„Zunehmende Bereitschaft, selbst zu zahlen“

Ab BMI von 35: Lilly-Chef fordert Erstattung von Mounjaro 04.08.2026 18:21 Uhr

Berlin - 

Nachdem sich gestern bereits die neue Chefin des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Dr. Sonja Optendrenk, positiv geäußert hatte, dreht sich die Diskussion um neue Erstattungen der Krankenkassen weiter: Sollten die Kassen künftig bestimmte Abnehmmittel bei Adipositas übernehmen? Optendrenk zeigte sich offen und auch Alexander Horn, Deutschlandchef von Lilly stellt nun Forderungen an den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU).

„Deutschland müsse mehr in Prävention investieren. Dazu gehöre auch, die Adipositas-Therapie erstattungsfähig zu machen“, heißt es im Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die sich dazu ausgiebig mit Horn unterhielt. Dass nun Linnemann am Ruder sei, sieht der Lilly-Chef eher als Chance: „Natürlich ist unser Gesundheitssystem sehr komplex, und wir müssen dafür Sorge tragen, dass Herr Linnemann schnell versteht, um was es geht.“

Vielleicht sei es von Vorteil, dass jemand unbefangen „mit gesundem Menschenverstand“ die Themen angehe. Lilly hatte bereits im Vorfeld der Debatte um das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) verkündet, weniger Geld in den neuen Standort im rheinland-pfälzischen Alzey zu stecken, da sich Deutschland aus Sicht des Konzerns nun weniger für Investitionen eigne. „Ich hoffe, dass das jetzt von Herrn Linnemann gehört und berücksichtigt wird“, so Horn gegenüber der FAZ. Ausgerechnet in Alzey sollte unter anderem die Mounjaro-Produktion ordentlich hochgefahren werden.

Er setzt den Hebel nun an anderer Stelle an: Dass die Kassen Abnehmspritzen wie Lillys Mounjaro (Tirzepatid) nur übernehmen, wenn Diabetes, wenn eine Diabetes-Diagnose vorliegt, sorgt bei Horn für Unverständnis. „Es ist die einzige chronische Erkrankung, die in Deutschland zurzeit nicht erstattungsfähig ist“, so der Lilly-Geschäftsführer über Adipositas. Dabei verursache schweres Übergewicht jährlich Milliarden Euro Folgekosten. „Wir müssen weg von der Krankheitsverwaltung hin zur Gesundheitserhaltung. Das heißt, wir müssen sehr viel mehr in Prävention investieren.“

Horn: Erstattung ab BMI von 35

Hier sei die geplante Zuckersteuer beispielsweise ein erster richtiger Schritt, doch es brauche auch erstattungsfähige Therapiemöglichkeiten. Eine Kostenübernahme für alle 17 Millionen Adipositas-Patient:innen könne natürlich nicht sofort gestemmt werden; diese Annahme sei „blauäugig“, weiß auch Horn. „Trotzdem, und da orientieren wir uns an der Leitlinie der Fachgesellschaft Adipositas, ist eindeutig, dass die Therapie gegen Adipositas für eine bestimmte Patientengruppe erstattungsfähig werden sollte“, so Horn – etwa bei einem Body-Mass-Index (BMI) von über 35.

„Für Eli Lilly würde das die Kundengruppe erweitern. Bisher verdient der Abnehmspritzen-Hersteller vor allem mit Selbstzahlern. Je nach Dosierung kostet ein Monats-Pen von Mounjaro auf dem deutschen Markt zwischen rund 200 und 490 Euro. Etwas günstiger ist die täglich einzunehmende Abnehmpille Foundayo, die in den USA seit April zugelassen ist und abhängig von der Dosis zwischen 149 und 349 Dollar im Monat kostet“, heißt es im FAZ-Artikel. In Deutschland soll das Pendant zur demnächst startenden Wegovy-Pille von Novo Nordisk Anfang des kommenden Jahres auf den Markt kommen.

„Wir sehen in Deutschland eine zunehmende Bereitschaft, selbst für Mounjaro zu bezahlen“, so Horn – es könne also auch eine Teilerstattung durchaus sinnvoll und akzeptiert sein. „Viele Deutsche bezahlen auch für IGeL-Leistungen in großem Stil. Im vergangenen Jahr wurden dafür mehr als 2,3 Milliarden Euro ausgegeben“, wird Horn zitiert.

„Solche Zuzahlungen für bestimmte verschreibungspflichtige Arzneimittel einzuführen, ist durchaus eine Überlegung wert.“ US-Präsident Donald Trump habe bereits ein ähnliches Programm über Medicare gestartet mit einer festen monatlichen Zuzahlung von 50 Dollar. Vorab gab es eine Einigung mit den beiden Herstellern.