Irenat-Tropfen

Wichtiges Schilddrüsen-Präparat bis 2028 knapp APOTHEKE ADHOC, 13.11.2023 08:53 Uhr

Vor Untersuchungen der Schilddrüse wird häufig ein Kontrastmittel angewandt. Foto: H_Ko-stock.adobe.com
Berlin - 

Zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen vor allem Thyreostatika zum Einsatz, unter anderem mit Perchloraten wie Irenat-Tropfen von Alliance Pharma. Doch das Präparat ist von einem Lieferengpass betroffen, und zwar voraussichtlich bis Oktober 2028.

Bei einer Hyperthyreose werden zu große Mengen an Schilddrüsenhormonen gebildet: Wichtige Funktionen des Körpers wie Herzschlag, Blutdruck oder Stoffwechsel können so aus dem Gleichgewicht geraten. In der Gesamtbevölkerung kommt die Erkrankung bei weniger als 1 Prozent der Menschen vor. Frauen sind etwa fünfmal häufiger betroffen als Männer.

Irenat kommt zur Behandlung einer Jod- oder Amiodaron-induzierten Hyperthyreose zum Einsatz. Das Arzneimittel enthält Natriumperchlorat, das zu den Thyreostatika gehört, die Aufnahme von Iod in die Schilddrüsenzellen kurzfristig blockiert und einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen entgegenwirkt. Außerdem werden die Irenat-ropfen unter anderem bei Patient:innen eingesetzt mit:

  • Schilddrüsenüberfunktion vor und nach Computertomografien
  • Herzkatheteruntersuchungen
  • weitere szintigraphischen Untersuchungen

Bei der Gabe von Iod-haltigen Kontrastmitteln oder schilddrüsengängigen Radiopharmaka soll einer Belastung der Schilddrüse vorgebeugt werden. Laut Arzneiverordnungsreport werden rund 1,2 Millionen Tagestherapiedosen (DDD) pro Jahr verordnet.

Nun informiert das Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über einen Lieferengpass bei Irenat-Tropfen. Dieser besteht bereits seit Oktober und wird voraussichtlich die nächsten fünf Jahre – sprich bis Oktober 2028 – andauern.

Produktion unwirtschaftlich

Als Grund für den Engpass führt das BfArM „Probleme beim Wirkstoffhersteller“ an. Konkret könne das Präparat aktuell nicht zum gesetzlich festgelegten Herstellerabgabepreis von 7,23 Euro pro Packung hergestellt werden. Der bisherige Wirkstoffhersteller habe die Verträge aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt. Zwar wurde bereits ein neuer Hersteller gefunden, auch dieser könne jedoch nicht zum festgesetzten Preis produzieren. Um die Produktion wieder aufzunehmen und eine wirtschaftliche Lösung zu finden, sei Alliance Pharma seit Juni 2023 im Austausch mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG).

Laut dem Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) reichen die aktuellen Lagerbestände in der EU jedoch voraussichtlich nur noch bis Jahresende aus. Ein Alternativpräparat steht laut BfArM nicht zur Verfügung. „Wir appellieren dringend an den Gesetzgeber, den Herstellern eine wirtschaftliche Produktion zu ermöglichen“, heißt es vom BDN. Nur so lasse sich der Lieferengpass eindämmen und ein Versorgungsengpass im besten Fall verhindern.