Studienabbruch

Vitamin C bei Verbrennungen lebensgefährlich 20.06.2026 08:33 Uhr

Berlin - 

Schwere Verbrennungen gehören weltweit zu den folgenschwersten Verletzungen. Sie zerstören nicht nur die Haut, sondern versetzen den gesamten Körper in einen extremen Stresszustand. Ein internationales Forschungsteam untersucht nun in einer großangelegten klinischen Studie der Phase III, ob die hochdosierte intravenöse Gabe von Vitamin C Organversagen verhindern und Überlebenschancen verbessern kann.

Bei großflächigen Verbrennungen reagiert das Immunsystem mit einer massiven Entzündung. Gleichzeitig schaltet der Stoffwechsel auf extremen Abbau, wodurch lebenswichtige Nährstoffreserven rasant zuneige gehen. Die Immunabwehr wird dadurch stark geschwächt. Es kommt häufig zu gefährlichen Infektionen oder gar zum Versagen lebenswichtiger Organe, wie Niere oder Lunge.

In der Vergangenheit gab es zwar erste Ansätze, Vitamin C bei Verbrennungen anzuwenden, im klinischen Alltag wird es bisher jedoch selten routinemäßig eingesetzt. Es fehlt schlichtweg an eindeutigen, wissenschaftlichen Beweisen aus großangelegten Studien. Diese Lücke wollten Forscher:innen aus den USA und Deutschland schließen.

Die Victory-Studie war als sogenannte multizentrische, doppelblinde, randomisierte kontrollierte Studie konzipiert. Sie fand weltweit an über 40 spezialisierten Brandverletztenzentren statt, unter anderem in Deutschland, Kanada, den USA und Großbritannien.

Zum Ablauf der Studie

Insgesamt nahmen 666 erwachsene Patient:innen teil, die Verbrennungen zweiten oder dritten Grades an mindestens 20 Prozent der Körperoberfläche erlitten hatten und eine Hauttransplantation benötigten.

Die Patienten wurden in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt. Die Vitamin-C-Gruppe erhielt über einen Zeitraum von 96 Stunden alle 6 Stunden eine hohe Dosis Vitamin C (200 mg pro Kilogramm Körpergewicht) direkt in die Vene. Die Kontrollgruppe erhielt im gleichen Rhythmus eine einfache Kochsalz- oder Zuckerlösung als Placebo.

Um niemanden zu gefährden, wurden bestimmte Personen von der Studie ausgeschlossen. Dazu gehörten Schwangere, Menschen mit einer Neigung zu Nierensteinen oder Patientinnen und Patienten mit einem sogenannten G6PD-Mangel, einem Enzymdefekt, bei dem hochdosiertes Vitamin C die roten Blutkörperchen schädigen könnte. Auch Patientinnen und Patienten, deren Verletzung bereits länger als 24 Stunden zurückliegt, konnten nicht mehr teilnehmen, da die Therapie so früh wie möglich beginnen musste.

Kann Vitamin C Risiko mindern?

Das Team um die Studienleiter Dr. Daren Heyland aus Kanada, Christian Stope aus Deutschland und Leopoldo Cancio aus den USA wollte primär zwei Fragen beantworten:

  • Verringert die Vitamin-C-Gabe innerhalb von 28 Tagen das Risiko zu sterben oder an einem dauerhaften Organversagen zu leiden, bei dem der Patient künstlich beatmet, an die Dialyse angeschlossen oder mit kreislaufunterstützenden Medikamenten versorgt werden muss?
  • Wie wirkt sich die Therapie auf die Liegezeit auf der Intensivstation, die Sterblichkeit nach sechs Monaten und die spätere Lebensqualität der Überlebenden aus?

„Die Erwartungen an diese über 48 Monate laufende Studie waren hoch. Da Vitamin C ein kostengünstiges und weltweit verfügbares Medikament ist, könnte ein positiver Wirksamkeitsnachweis die Behandlung von Brandverletzten rund um den Globus nachhaltig verändern“, so die Forschenden.

Erschreckende Ergebnisse

Da die Ergebnisse jedoch erschreckend waren, musste die Studie aus Sicherheitsgründen vorzeitig abgebrochen werden. Die hochdosierte Gabe von Vitamin C brachte den schwer verbrannten Patienten nicht nur keinen gesundheitlichen Nutzen, sondern stellte sich als potenziell gefährlich heraus.

Das erschreckende Kernergebnis betrifft den primären Endpunkt, den die Forscher eigentlich senken wollten:

  • Unter Placebo: In der Kontrollgruppe erlitten 29,7 Prozent der Patienten innerhalb von 28 Tagen ein dauerhaftes Organversagen oder starben.
  • Unter Vitamin C: In der Vitamin-C-Gruppe stieg diese Rate massiv auf 40,8 Prozent an.

Das Risiko für Organversagen oder Tod war in der Vitamin-C-Gruppe also um gut ein Viertel höher.