Neurogene Blasenfunktionsstörungen

Vesoxx: Von Oxyton zu Klosterfrau APOTHEKE ADHOC, 16.12.2019 07:37 Uhr

  • Direkte Applikationsform: Farco-Pharma, ein Unternehmen der Klosterfrau Healthcare Group hat das Anticholinergikum Vesoxx übernommen. Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Die Klosterfrau-Tochter Farco-Pharma hat das Anticholinergikum Vesoxx (Oxybutyninhydrochlorid) aufgekauft: Bisher wurde es von Oxyton Pharma vertrieben. Für die besondere Darreichungsform ist ab 2020 der europaweite Vertrieb geplant.

Bei Vesoxx handelt es sich um ein Anticholinergikum, dass durch direkte Instillation über einen Kathether lokal in die Blase appliziert wird. Es wird verwendet bei neurogenen Blasenentleerungsstörungen, die durch eine Querschnittslähmung infolge von Rückenmarksverletzungen oder Spina bifida auftreten. Bei der neurogene Blase kommt es meist zu Symptomen wie anstrengender Harnentleerung, Schmerzen beim Wasserlassen, häufigem Harndrang, Harnstrahlunterbrechungen oder sogar Inkontinenz. Die Symptome können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken.

Häufig können solche Patienten mit oralen Darreichungsformen nicht zufriedenstellend eingestellt werden. Vesoxx stellt somit eine besondere und bisher einzigartige Darreichungsform in diesem Bereich dar. Da der Wirkstoff nicht über andere Organe verstoffwechselt werden muss, gelangt er durch die spezielle Applikationsart direkt an seinen Wirkort: Dadurch soll nicht nur eine gezielte Wirkung, sondern auch eine Reduzierung von systemischen Nebenwirkungen erreicht werden. Vesoxx verhindert Infektionen des Harntraktes und Schädigungen der Nieren. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Schläfrigkeit und Verstopfung.

Das Arzneimittel kann bereits bei Kindern ab sechs Jahren und Erwachsenen eingesetzt werden. Die Dosierung von Vesoxx wird individuell berechnet und mithilfe von regelmäßigen Untersuchungen an die Blasenfunktion angepasst. Die Startdosis für Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene beträgt in der Regel 10 ml pro Tag. Bei Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren sind es 2 ml pro Tag.

Tabletten mit Oxybutynin sind von verschiedenen Herstellern in Stärken zu 2,5 mg und 5 mg auf dem Markt. Neben der oralen Darreichungsform steht der Wirkstoff auch als transdermales Pflaster zur Verfügung: Kentera (Recordati) enthält 36 mg Oxybutynin – pro 24 Stunden werden 3,9 mg Wirkstoff abgegeben. Alle drei bis vier Tage wird ein neues Pflaster verwendet. Durch die systemische Wirkung kann es bei dieser und der oralen Applikationsform zusätzlich zu Beschwerden wie Durchfall, Kopfschmerzen, Schwindel und verschwommenem Sehen kommen.

Oxybutynin gehört zur Gruppe der Parasympatholytika. Es wird zur Behandlung von neurogenen Blasenfunktionsstörungen wie häufigem Harndrang, Inkontinenz oder Bettnässen eingesetzt. Der Wirkstoff entspannt die glatte Blasenmuskulatur und senkt somit den Harndrang und die Häufigkeit der Blasenentleerung – plötzliche Muskelkontraktionen, sogenannte „Spasmen“, werden stoppt. Dadurch ist eine bessere Kontrolle des Wasserlassens möglich. Die Wirkungen beruhen auf dem kompetitiven Antagonismus an muskarinischen M-Acetylcholin-Rezeptoren.

Farco-Pharma gehört zu Klosterfrau. Es hat seinen Hauptsitz seit 1971 in Köln. Das Unternehmen ist seit mehr als 50 Jahren vor allem auf den urologischen und gynäkologischen Fachbereich spezialisiert. Neben verschiedenen Gleitgelen, Blockerlösungen und der Instillationstherapie werden auch Einmalspritzen hergestellt. Zu den bekanntesten Produkten zählen Instillagel, welches seit 1968 produziert wird, sowie Endosgel, welches 1978 folgte. Mittlerweile findet der Export in zahlreiche Länder wie Hongkong, Kanada, Ägypten, Australien und Kolumbien statt.