Verordnungsfähig: Vier Wirkstoffe gegen Post-Covid 02.04.2026 17:16 Uhr
Behandlungen langwieriger Beeinträchtigungen nach Corona-Infektionen sind künftig auf Kassenkosten mit bestimmten Medikamenten möglich, die außerhalb ihrer eigentlichen Zulassung angewendet werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) regelte dies für vier Wirkstoffe.
Auf Kosten der Krankenkassen verschrieben werden können künftig unter anderem zwei Wirkstoffe, die regulär zur Behandlung schwerer Depressionen zugelassen sind, dazu ein Wirkstoff gegen Diabetes und ein Wirkstoff gegen Herzinsuffizienz. Sie können bei Patienten mit Long Covid eingesetzt werden, um andauernde starke Erschöpfungszustände (Fatigue) oder kognitive Beeinträchtigungen wie eine verringerte Aufmerksamkeit zu behandeln.
Die Behandlungsoptionen sind nach Inkrafttreten der heute gefassten Beschlüsse Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung.
- Ivabradin ist regulär zugelassen bei Angina pectoris und chronischer Herzinsuffizienz. Im Off-Label-Use können Arzneimittel mit diesem Wirkstoff nun eingesetzt werden zur Behandlung des postinfektiösen Posturalen orthostatischen Tachykardie-Syndroms (PoTS) bei Patientinnen und Patienten mit Long/Post-Covid, die eine Therapie mit Betablockern nicht tolerieren oder für diese nicht geeignet sind.
- Metformin ist regulär zur Behandlung des Typ-2-Diabetes, insbesondere bei übergewichtigen Patientinnen und Patienten zugelassen. Im Off-Label-Use können die Arzneimittel zukünftig zur Prophylaxe von Long/Post-Covid eingesetzt werden. Möglich ist das innerhalb von drei Tagen nach Diagnosestellung einer akuten SARS-CoV-2-Infektion bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren, bei denen der Risikofaktor „Übergewicht/Adipositas (BMI >25)“ vorliegt und die Covid-19-Symptome weniger als 7 Tage vorhanden sind.
- Agomelatin ist ein Wirkstoff, der regulär zur Behandlung einer schweren Depression bei Erwachsenen zugelassen ist. Im Off-Label-Use können die Arzneimittel künftig eingesetzt werden, um eine Fatigue bei postinfektiöser ME/CFS und bei Long/Post-Covid zu behandeln. Als Fatigue wird ein andauernder starker Erschöpfungszustand bezeichnet, körperlich als auch geistig.
- Vortioxetin ist regulär zugelassen zur Behandlung einer schweren Depression. Im Off-Label-Use kann das Arzneimittel eingesetzt werden, um bei Patientinnen und Patienten mit Long/Post-Covid kognitive Beeinträchtigungen – zum Beispiel eine verringerte Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung – und/oder depressive Symptome zu behandeln.
Von den Ärztinnen und Ärzten sind für Verordnungen im Off-Label-Use die jeweiligen wirkstoffbezogenen Regelungen – unter anderem zur Dosierung und Behandlungsdauer – zu beachten. Im Off-Label-Use verordnungsfähig sind zudem nur die Arzneimittel, bei denen der Hersteller die Haftungsübernahme erklärt hat.
Der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken sagte, Empfehlungen einer Expertengruppe seien nun schnell umgesetzt worden. Es bestehe aber weiter dringender Bedarf an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu guten Therapiemöglichkeiten bei Long und Post Covid und dem Myalgischen Enzephalomyelitis/Chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Anwendungen außerhalb der Zulassung könnten nur eine „Behelfsoption“ sein. Arzneimittel, die speziell für die Behandlung von Long und Post Covid zugelassen sind, gibt es den Angaben zufolge bisher nicht.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte: „Das ist ein wichtiger Schritt und gibt Betroffenen Hoffnung auf eine bessere Therapie.“ Lange hätten Betroffene von Long Covid und Post Covid auf mehr Behandlungsoptionen gewartet. „Wir werden nicht nachlassen, um in der Forschung, Versorgung und Behandlung weitere Fortschritte zu erzielen.“