Gemeinsamer Bundesausschuss

Teplizumab: Zusatznutzen für Diabetes-Antikörper 04.11.2026 12:31 Uhr

Berlin - 

Ein halbes Jahr nach der Markteinführung von Teizeild (Teplizumab) in Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ein positives Votum abgegeben. Es gebe einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.

Der Anti-CD3-Antikörper ist indiziert bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab acht Jahren mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2 zur Verzögerung des Fortschreitens in das Stadium 3. In der klinischen Studie TN-10 und ihren Follow-up-Analysen verzögerte Teizeild die klinische Manifestation gegenüber Placebo im Median um zwei bis drei Jahre. Rund 40 Prozent der behandelten Patient:innen waren sieben Jahre nach Studienbeginn im Median weiterhin symptomfrei.

In die randomisierte, multizentrische, placebokontrollierte, doppelblinde Phase-2-Studie wurden 76 Patient:innen im Alter von 8 bis 49 Jahren eingeschlossen.

Der G-BA sieht in seinem Beschluss einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen von Teizeild gegenüber beobachtendem Abwarten als zweckmäßiger Vergleichstherapie. Die Morbidität als mediane Zeit bis zur Manifestation des Diabetes mellitus Typ 1 (Stadium 3) lag bei 49,5 Monaten, verglichen mit 24,9 Monaten unter Placebo.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreift. Teplizumab setzt an dieser Ursache an: Indem der Antikörper an das CD3-Molekül auf der Oberfläche von T-Zellen des Immunsystems bindet, wird die Aktivität der angreifenden Immunzellen moduliert. Dadurch wird die Zerstörung der Betazellen verlangsamt.

Die Jahrestherapiekosten liegen laut G-BA bei rund 160.000 Euro, zuzüglich 1400 Euro an Zuschlägen für die Herstellung von parenteralen Lösungen mit monoklonalen Antikörpern.

Bereits im Verlauf der Nutzenbewertung hatten die führenden deutschen Fachgesellschaften (DDG, DGE, DGPAED) in einer gemeinsamen Stellungnahme betont, dass die präventive Verzögerung der T1D-Manifestation einen beträchtlichen Nutzen darstelle und einen Meilenstein für die Diabetologie markiere.

Laut Hersteller sind die Folgen beträchtlich: Aktuelle schwedische Registerdaten zeigten eine inverse Assoziation zwischen dem Alter bei Typ-1-Diabetes-Manifestation und dem Risiko kardiovaskulärer sowie renaler Folgeereignisse und der Mortalität: Je höher das Manifestationsalter sei, desto niedriger seien die adjustierten Risiken für Herzinfarkt (-3,0 Prozent), Herzinsuffizienz (-2,8 Prozent), Nierenschädigung (-3,6 bis -3,9 Prozent) und Gesamtmortalität (-1,7 Prozent) jeweils niedriger gewesen. Diese Beobachtungsdaten belegten jedoch keine Kausalität und erlauben keine Aussage, dass eine spätere Manifestation an sich kardiorenale Komplikationen verhindert.4

Darüber hinaus sorge der längere Erhalt der Betazellrestfunktion auch nach dem Übergang in Stadium 3 für einen verringerten externen Insulinbedarf, stabilere Blutzuckerverläufe, niedrigere HbA1c-Werte sowie ein deutlich reduziertes Risiko für schwere Hypoglykämien, diabetische Ketoazidosen und langfristige mikrovaskuläre Komplikationen.

Das Sicherheitsprofil erweise sich als vorhersehbar und gut beherrschbar. Die in Studien am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind Lymphopenie (75 Prozent), Leukopenie (58 Prozent), Neutropenie (37 Prozent) und Ausschlag (36 Prozent). Die häufigste schwere Nebenwirkung war das Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS) (0,9 Prozent), das während der Behandlungsphase und bis 28 Tage nach der letzten Verabreichung beobachtet wurde. Zudem können unter Teizeild schwerwiegende Infektionen auftreten.

Grundvoraussetzung für den präventiven Therapieansatz sei die rechtzeitige Identifikation von Personen im Stadium 2 durch den Nachweis von Autoantikörpern sowie einer Dysglykämie. Während in der Pädiatrie etablierte Initiativen wie das Fr1da-Netzwerk in 13 Bundesländern wichtige Schritte darstellten, bestehe in der Erwachsenenmedizin noch erheblicher Nachholbedarf.