Dermatologie am Computer

Telemedizin bekommt Leitlinie Alexandra Negt, 23.03.2021 12:53 Uhr

  • Die erste S2k-Leitlinie für Teledermatologie wurde veröffentlicht. Foto: shutterstock.com/ Fizkes

Berlin - Telemedizin hat während der Pandemie einen enormen Schub erlangt. Insbesondere bei Hautleiden wird die digitale Dienstleistung von den Patienten gerne angenommen. Ob allergische Reaktion, entzündeter Insektenstich oder der Verdacht auf eine virale Infektion – viele Menschen nutzen das neue Angebot der Videosprechstunden. Um die Qualität der digitalen Behandlung zu sichern, wurde nun die erste Leitlinie für die Teledermatologie erarbeitet.

Die Leitlinie, die unter der Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft erarbeitet wurde, gibt evidenzbasierte Empfehlungen, wie sich per Apps, Computer & Co. die Versorgung von Patienten zum Beispiel bei Psoriasis, Neurodermitis oder chronische Wunden verbessern lässt. Es werden nicht nur Empfehlungen zu Therapieoptionen gegeben, sondern auch die Grenzen der Telemedizin aufgezeigt.

Atopische Dermatitis

Die atopische Dermatitis (Neurodermitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung. Die chronisch entzündliche Hauterkrankung geht mit starkem Trockenheitsgefühl und Juckreiz einher. Die Behandlung mittels Telemedizin ist laut Deutscher Dermatologischer Gesellschaft möglich. Insgesamt existieren vier internationale kontrollierte Studien zum Einsatz der Teledermatologie beim atopischen Exzem. Therapeutisch hat die Basispflege einen hohen Stellenwert. Durch regelmäßiges Cremen mit geeigneten Dermatika soll eine Exazerbation verhindert werden. Im akuten Schub kommen häufig topische Glucocorticoide zum Einsatz. Diese können vom Telemediziner verschrieben werden. Eine Erstdiagnostik allein auf der Basis eines teledermatologischen Befundes soll nicht erfolgen.

Psoriasis

Zur teledermatologischen Versorgung der Psoriasis wurden insgesamt sechs kontrollierte Studien publiziert. Auch hier gilt: Eine Erstdiagnostik sollte nur beim Mediziner vor Ort erfolgen. Die Verlaufskontrollen oder allgemeine Beratungsgespräche hingegen können laut Leitlinie auch online erfolgen. Die Studien zeigen, dass die Telemedizin zur Steigerung der Adhärenz und Compliance beitragen kann. „Insgesamt lassen die genannten Studien somit einen Nutzen der unterstützenden teledermatologischen Versorgung bei Psoriasis erkennen“, heißt es in der Leitlinie.

Hautkrebs

Zur telemedizinischen Behandlung von Hautkrebs liegen die meisten Publikationen vor. Da die Studien zeigen, dass die Präsenzdiagnsotik in einigen Punkten der Telemedizin überlegen war, sollte eine Entscheidung für oder gegen eine telemedizinische Behandlung situationsadaptiert gestellt werden. Bei Hautkrebs kann sogar die Primärdiagnostik unter bestimmten Umständen digital erfolgen. So heißt es in der Leitlinie: „Die Primärdiagnostik melanozytärer Läsionen auf der Basis teledermatologischer Befunde kann erwogen werden, wenn die morphologischen Befunde klinisch eindeutig sind und die notwendigen zusätzlichen anamnestischen und klinischen Angaben erhoben werden können. Bei klinisch unklarem Befund soll eine dermatoskopische Untersuchung erfolgen. Diese kann teledermatologisch oder als Präsenzuntersuchung durchgeführt werden.“

Wundbehandlung

Beim Thema „Behandlung chronischer Wunden“ konnte kein 100-prozentiger Konsens zur Empfehlung oder Ablehnung der Teledermatologie gegeben werden. So findet die Primärdiagnostik mittels Telemedizin nur eine Zustimmung von 75 Prozent. Gleiches gilt für die Verlaufskontrolle von chronischen Wunden. Eine eindeutige Empfehlung gab es für die telemedizinische Qualitätsprüfung als unterstützende Maßnahme beim Anlegen von Verbänden oder Kompressionssystemen.

Bei zahlreichen dermatologischen Erkrankungen kann die Teledermatologie unterstützen. Bei chronischen Leiden kann die Verlaufskontrolle durch Online-Termine gegebenenfalls engmaschiger erfolgen. Die Patienten müssen nicht zwangsläufig in die Praxis kommen, das macht die Leitlinie klar. Hierdurch kann der Alltag der Betroffenen erleichtert werden. Gerade für allgemeine Beratungsgespräche, Auswertungen von Blutbildern oder Kontrolluntersuchungen, bei denen der Patient im Vorhinein keine Verschlechterung empfindet, kann ein Termin per Video angezeigt sein.