Metastasierung hemmen

Sildenafil: Hoffnungsträger gegen Krebs 25.07.2026 08:07 Uhr

Berlin - 

Sildenafil wurde ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck und Angina pectoris entwickelt. Doch in den Studien zeigte sich ein Nebeneffekt – die Wirksamkeit bei erektiler Dysfunktion. Schließlich wurde der Wirkstoff in der Indikation zum Blockbuster. Jetzt zeigt Sildenafil ein neues Potenzial, und zwar bei Krebs – allein und in Kombination mit Statinen.

Forschende des Weizman Institute of Science haben herausgefunden, dass Sildenafil die Metastasierung von Krebszellen verringern kann. Hintergrund ist ein neu entdeckter cholesterinregulierender Mechanismus. Das Forscherteam konnte zeigen, dass Sildenafil die Fähigkeit von Krebszellen einschränkt, Cholesterin zu verwerten. Cholesterin ist ein essenzieller Bestandteil der Zellmembranen und vor allem für Krebszellen wichtig, die sich vom Primärtumor ablösen, im Körper wandern und in andere Organe eindringen wollen. Fehlt Cholesterin, können die Krebszellen schwerer Metastasen bilden.

Und so funktioniert es: Sildenafil ist ein PDE-5-Inhibitor. Der Wirkstoff hemmt selektiv und reversibel PDE-5, wodurch der Abbau von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) verhindert wird. Kommt es zur sexuellen Stimulation, wird lokal Stickstoffoxid ausgeschüttet. Durch die PDE-5-Hemmung steigt der Spiegel an cGMP im Corpus cavernosum. Die glatte Muskulatur entspannt sich. Durch den Bluteinstrom kommt es schließlich zur Erektion. Die Forschenden entdeckten außerdem, dass cGMP auch an ein Protein bindet, das für den Cholesterintransport innerhalb der Zellen verantwortlich ist. Dadurch steht den Zellen weniger Cholesterin zur Verfügung.

Mehr noch: In Kombination mit Statinen konnte die Metastasierung noch effektiver gehemmt werden. Denn durch die gleichzeitige Gabe kann nicht nur der Zugang von Krebszellen zu vorhandenem Cholesterin verringert, sondern auch die Neubildung von Cholesterin verhindert werden, was die antimetastasierende Wirkung potenziell verstärken kann. Die statistische Analyse ergab ein signifikant verbessertes Überleben bei Krebspatienten, die Sildenafil einnahmen, insbesondere in Kombination mit Statinen.

„Neuen biologischen Signalweg entdeckt“

Statine sind unter anderem Mittel der Wahl zur Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse. Außerdem kommen die Wirkstoffe zur Behandlung einer Hypercholesterinämie begleitend zu einer Diät, wenn eine Nahrungsumstellung allein nicht erfolgreich war, zum Einsatz. Denn sie hemmen die HMG-CoA-Reduktase, ein Enzym, das als Zwischenprodukt bei der Cholesterinneusynthese eine Rolle spielt. Die Arzneistoffe unterdrücken die Cholesterinbildung, was mit einer verstärkten Aufnahme aus dem Blutplasma kompensiert wird. Der Low-density-Lipoprotein-(LDL)-Cholesterinspiegel im Blut sinkt.

„Wir haben einen neuen biologischen Signalweg entdeckt, der ein bekanntes Signalmolekül mit der Cholesterinregulation in Zellen verknüpft, und gezeigt, wie dieser Signalweg genutzt werden kann, um die Metastasierung von Krebszellen zu hemmen“, so die Forschenden. „Unsere Ergebnisse unterstreichen neben ihrem therapeutischen Potenzial, dass die Krebsbiologie nicht nur durch Mutationen in Tumorzellen, sondern auch durch den Stoffwechselzustand des Patienten und durch Medikamente, die er bereits aufgrund anderer Erkrankungen einnimmt, beeinflusst wird.“