Säureblocker

PPI: Zwischen Kritik und Zuspruch Nadine Tröbitscher, 24.01.2017 14:06 Uhr

Berlin -

Die Diskussion um Protonenpumpenhemmer (PPI) wird lauter. Während die Barmer und Gastroenterologen den steigenden Einsatz der Arzneistoffklasse kritisch beurteilen, warnt der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) vor pauschalen Urteilen.

Pauschale Urteile über die Verordnung von PPI seien unverantwortlich, da sie Patienten verunsicherten und die notwendige Therapie kranker Menschen gefährdeten, so der BAH. Für wen und wie lange Medikamente verordnet würden, könne allein der Arzt entscheiden. In diesem Zug könne man nicht allgemein behaupten, Ärzte verordneten nicht indikations- und somit patientengerecht.

„Dabei sind PPI wertvolle und grundsätzlich sehr gut verträgliche Arzneimittel, die in den zugelassenen Indikationsgebieten für die betroffenen Patienten einen großen Nutzen haben“, so Dr. Hermann Kortland, stellvertretender Geschäftsführer des BAH. „Sie stellen einen wesentlichen Therapiefortschritt der vergangenen Jahre dar. Nicht vergessen werden sollte zum Beispiel, dass PPI maßgeblich dazu beigetragen haben, Magenoperationen in vielen Fällen überflüssig zu machen.“

Christoph Straub, Vorstandschef der Barmer, hatte erklärt: „Dass immer mehr Patienten Magensäureblocker verordnet bekommen, ist weder durch steigende Erkrankungsraten noch durch demographische Faktoren zu erklären.“ Im Vergleich zu 2006 hätten sich die verabreichten Tagesdosen verdreifacht. Im Jahr 2015 wurden etwa 36 Millionen Packungen rezeptiert und vier Millionen freiverkäuflich erworben.



Die Barmer schlägt auch mit Hinblick auf die steigenden Verordnungszahlen für junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren Alarm. Für das Bundesland Sachsen gibt die Krankenkasse einen Zuwachs von 43 Prozent bei jungen Frauen und 47 Prozent bei Männern gleichen Alters an. Ursache für die Entwicklung ist aus Sicht der Experten der Barmer womöglich häufiger Druck, unter dem junge Menschen stünden. Dieser schlage ihnen auf den Magen.

„Magensäureblocker können abhängig machen und sollten daher nur bei akuten Beschwerden über einen begrenzten Zeitraum in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden“, kritisiert Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer. Patienten könnten in einen Teufelskreis geraten und der gelegentliche Griff zu einer Dauereinnahme werden. Ein abruptes Absetzen der Präparate könne die Säureproduktion ansteigen lassen und so die Beschwerden verstärken.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) räumt ein: „In jüngster Zeit mehren sich Hinweise, dass eine langfristige Einnahme von PPI mehr Nebenwirkungen verursachen könnte als bislang bekannt.“ Auch wenn die Studienlage teils widersprüchlich sei, betont DGVS-Sprecher Professor Dr. Christian Trautwein: „Dennoch müssen die aktuellen Hinweise Anlass dazu geben, die bislang recht unkritische Verschreibung und Einnahme von PPI zu überdenken.“



Aus Sicht der Internisten sollten die Risiken nicht dramatisiert werden, dennoch bestätigen sie einen inflationären Einsatz der Arzneistoffklasse. PPI gehörten zu den sichersten Medikamenten, Nebenwirkungen träten erst nach jahrelangem Gebrauch auf. Omeprazol & Co. sollten nicht bei ernährungsbedingten magensbeschwerden wie Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit zum Einsatz kommen. Bei gelegentlichem Sodbrennen sollten eher Antazida angewendet werden.

Magensäureblocker sind indiziert zur Behandlung von verschiedenen Ulzera und Helicobacter pylori im Rahmen der Triple-Therapie, zur Prophylaxe und Therapie von gastrointestinalen Ulzera durch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Refluxkrankheit und Ösophagitis sowie dem Zollinger-Ellison-Syndrom. Sie verhindern die Sekretion der Magensäure durch eine spezifische Hemmung der Protonenpumpe. Die verminderte Freisetzung der Magensäure ist reversibel. Die Wirkstoffe sind säureempfindlich und daher mit einem magensaftresistenten Überzug versehen. Daher können sie erst im Dünndarm resorbiert werden.

Die jeweiligen Prodrugs gelangen über den Blutkreislauf an die Belegzellen im Magen und werden dort durch die Säure in ihre eigentliche Wirkform überführt. Durch Bindung an die H+/K+-ATPase wird die Protonenpumpe an der Freisetzung der Magensäure irreversibel gehemmt. Die lange Wirkdauer beruht auf der Neubildung der H/K-ATPase, die etwa ein bis drei Tage in Anspruch nimmt.