Forschung an neuen Mitteln

Pille: Wirkstoffkombi ohne Hormone 13.03.2026 10:03 Uhr

Berlin - 

Die Pille galt lange als unangefochtenes Standard-Verhütungsmittel. Heute rücken jedoch zunehmend die gesundheitlichen Risiken und Nebenwirkungen in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Immer mehr Frauen entscheiden sich aktiv gegen die Antibabypille. Ein Forschungsteam hat nun das Projekt „Prevent“ ins Leben gerufen. Ziel ist die Entwicklung neuartiger, nicht-hormoneller Wirkstoffe, die sowohl für Frauen als auch für Männer eine sichere und verträgliche Alternative bieten sollen.

Das Projekt ist eine Kooperation der Goethe-Universität Frankfurt mit dem Universitätsklinikum Bonn sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt dieses Vorhaben bis zum Jahr 2029 mit einer Fördersumme von insgesamt 3 Millionen Euro.

Die Notwendigkeit für neue hormonfreie Wirkstoffe belegen aktuelle Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Seit 2023 verliert die Pille massiv an Akzeptanz, während das Kondom – insbesondere bei jungen Erwachsenen – zur am häufigsten genutzten Verhütungsmethode aufgestiegen ist.

Nebenwirkungen der Pille

Hauptgrund sind die teils schweren Nebenwirkungen der Hormone, die von Übelkeit bis hin zu lebensgefährlichen Thrombosen reichen können. „Hormonelle Verhütungsmethoden wie zum Beispiel die Antibabypille verändern die Hormon-Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken und greifen so in den endokrinen Regelkreis ein. Daher sind sie nicht für alle Frauen geeignet oder werden nicht gewünscht“, betont Projektleiterin Dr. Claudia Tredup.

Ihr Team verfolgt einen präzisen biologischen Ansatz: Statt wie bisher den gesamten endokrinen Regelkreis zu beeinflussen, konzentriert sich Prevent auf „kleine Moleküle“. Diese sollen spezifisch Proteine blockieren, die ausschließlich in Spermien oder Eizellen vorkommen.

Beweglichkeit der Spermien

Ziel ist es, die Beweglichkeit der Spermien so weit einzuschränken, dass sie die Eizelle nicht mehr erreichen können. Da die Mittel an gesunde Menschen verabreicht werden, stehen maximale Verträglichkeit und die volle Wiederherstellung der Fruchtbarkeit nach Absetzen im Zentrum der Entwicklung.

Um diese hochkomplexen Anforderungen zu erfüllen, wurde eine spezielle Wirkstoffentwicklungsplattform geschaffen. Mithilfe sogenannter „chemical probes“, sprich hochselektiven chemischen Sonden, werden bereits bekannte Gene, die mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen, als Zielstrukturen validiert. „Wir kennen zwar schon eine Reihe an Genen, die mit Unfruchtbarkeit in Verbindung stehen. Im Team wollen wir nun das Knowhow schaffen, um die entsprechenden Proteine als Zielstrukturen für sichere, nichthormonelle Verhütungsstrategien zu nutzen.“

Damit schafft das Forschungsprojekt eine belastbare wissenschaftliche Grundlage für die spätere klinische Entwicklung. Über den medizinischen Aspekt hinaus soll das Projekt auch als gesellschaftlicher Beitrag zur globalen Gesundheitspolitik und zur Förderung der reproduktiven Selbstbestimmung für beide Geschlechter dienen.