Diabetes und Adipositas

Orforglipron: Nächste Abnehmpille zugelassen 14.08.2026 08:57 Uhr

Berlin - 

Foundayo (Orforglipron, Lilly) wurde am 10. August von der britischen Arzneimittelbehörde (MHRA) zugelassen. Der Wirkstoff kann sowohl zur Gewichtskontrolle als auch zur Behandlung von Typ-2-Diabetes angewendet werden.

Großbritannien ist das erste Land in Europa, das Orforglipron die Zulassung erteilt hat. Das Arzneimittel kann neben einer kalorienreduzierten Ernährung und gesteigerter körperlicher Aktivität zur Gewichtsreduktion und Gewichtserhaltung bei Erwachsenen mit einem BMI von 30 oder höher beziehungsweise mit einem BMI zwischen 27 und 30 und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung verordnet werden. Außerdem ist der Wirkstoff zugelassen zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei Patient:innen mit unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes.

Die Orforglipron-Tablette wird einmal täglich eingenommen, unabhängig von der Tageszeit und den Mahlzeiten. Damit kann das Arzneimittel flexibel in den Alltag integriert werden. Zum Vergleich: Die Wegovy-Tablette (Semaglutid) wird zwar ebenfalls einmal täglich eingenommen, allerdings auf nüchternen Magen – mindestens acht Stunden nach dem Essen. Zudem sollte mindestens 30 Minuten nach der Einnahme gewartet werden, bis andere Arzneimittel eingenommen werden, etwas gegessen oder getrunken wird.

Die Behandlung mit Orforglipron beginnt mit 0,8 mg und wird schrittweise auf 2,5 mg, 5,5 mg, 9 mg, 14,5 mg und 17,2 mg erhöht. Jede Dosisstufe wird mindestens einen Monat lang beibehalten.

Orforglipron ist ein GLP-1-Rezeptoragonist und ahmt die Wirkung des körpereigenen Hormons Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) nach, das nach dem Essen freigesetzt wird. Orforglipron wirkt auf Hirnregionen, die den Appetit regulieren, und trägt so zu einem länger anhaltenden Sättigungsgefühl bei. Dadurch werden Hungergefühl und Heißhungerattacken reduziert. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes senkt Orforglipron zudem den Blutzuckerspiegel bei erhöhten Werten. Orforglipron greift direkt in das inkretinbasierte hormonelle Regelsystem des Körpers ein. Durch die spezifische Aktivierung des GLP-1-Rezeptors stimuliert das Molekül eine gesteigerte, glucoseabhängige Insulinfreisetzung bei erhöhtem Blutzucker und hemmt zeitgleich die Glukagonbildung. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Verstopfung, Durchfall, Erbrechen, Dyspepsie und Bauchschmerzen.

Evidenz

In der vorliegenden zweiten zulassungsrelevanten Studie des Herstellers Lilly wurden Patient:innen untersucht, die sowohl an hohem Übergewicht als auch an einem Typ-2-Diabetes leiden. Diese Subpopulation gilt klinisch als besonders herausfordernd, da eine Gewichtsabnahme bei bestehender metabolischer Dysfunktion erfahrungsgemäß schwerer zu erreichen ist als bei Übergewichtigen ohne Begleiterkrankungen.

Die zentralen Ergebnisse nach einer Behandlungsdauer von 72 Wochen zeigen:

  • Gewichtsverlust: Bei täglicher Einnahme der Höchstdosis verloren die Probanden im Schnitt bis zu 9,6 Prozent ihres Körpergewichts.
  • Absoluter Gewichtsverlust: Dies entsprach in der Spitzengruppe einer Gewichtsabnahme von durchschnittlich rund 10 Kilogramm.

Trotz der positiven Ergebnisse zeigt sich eine bekannte therapeutische Hürde: Etwa jeder zehnte Proband in der höchsten Dosierungsstufe brach die Behandlung vorzeitig aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen ab. Das Verträglichkeitsprofil entspricht im Wesentlichen den bekannten Vertretern dieser Substanzklasse, welche vorwiegend gastrointestinale Beschwerden umfassen. Neue, unerwartete Sicherheitsrisiken wurden indes nicht berichtet.