Nicht alle Schwangeren brauchen Vitamin-D-Tabletten 08.08.2026 08:50 Uhr
Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig für das körperliche Wohlbefinden – das gilt erst recht für Schwangere. Denn ihr Vitamin D-Spiegel wirkt sich auch auf das Ungeborene aus. Nun gibt es neue Handlungsempfehlungen. Dabei gilt: Schwangere sollten besser auf Sonne statt Supplemente setzen.
Die optimale Versorgung mit Vitamin D liegt bei Serumkonzentrationen von 25(OH)D über 30 ng/ml. Fällt der Vitamin D-Spiegel leicht unter die 30 ng/ml-Marke, wird von einer nicht mehr optimalen Versorgung gesprochen. Als Vitamin D-Mangel werden dagegen Werte unter 20 ng/ml eingestuft. Bei mehr als 50 ng/ml ist von einer Überversorgung die Rede. In der Regel kann die Eigensynthese des Sonnenvitamins ausreichen, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Ist dies nicht der Fall, kommen Supplemente ins Spiel. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) nennt in ihren neuen Handlungsempfehlungen Tipps – und rät Schwangeren von einer generellen Supplementierung ab.
Vitamin D für Schwangere: Sonne ausreichend
Demnach kann eine ausreichende Vitamin D-Versorgung auch bei Schwangeren in der Regel durch Eigensynthese sichergestellt werden. Dabei genügt es den Expert:innen zufolge, „Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz 2- bis 3-mal pro Woche für die Hälfte der Zeit, in der man sonst ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würde, der Sonne auszusetzen.“ Bei Hauttyp II würde dies beispielsweise bei hohen sonnenbrandwirksamen UV-Bestrahlungsintensitäten (UV-Index 7) rein rechnerisch eine Bestrahlungszeit von etwa zwölf Minuten bedeuten. Die jeweilige individuelle Sonnenbestrahlungszeit für eine ausreichende Vitamin D-Eigensynthese lässt sich mithilfe des UV-Index‘ und dem Hauttyp ermitteln. Generell gilt es, einen Sonnenbrand in jedem Fall zu vermeiden, da dies die Hauptursache für die Entstehung von Hautkrebs ist.
Ausnahmen
Doch nicht für alle Schwangeren greift die Empfehlung zu Sonne statt Supplementen bei der Versorgung mit Vitamin D. Demnach sollen Frauen mit dunkler Hautfarbe und diejenigen, die sich bei Sonne selten draußen aufhalten oder ihre Haut weitgehend bedecken zu Supplementen greifen und täglich 20 μg (800 IE) Vitamin D einnehmen, wie auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Der Grund: Bei ihnen ist von einer geringen oder fehlenden Vitamin D-Eigensynthese auszugehen.
Nutzen ungewiss
Die Expert:innen geben jedoch zu bedenken, dass der Nutzen einer generellen Vitamin-D-Supplementierung in der Schwangerschaft ungewiss sei, da bisherige Studien mitunter widersprüchliche Ergebnisse zeigen. „Obwohl also eine adäquate Vitamin-D-Versorgung in der Schwangerschaft wichtig für eine gesunde Entwicklung des Kindes ist, ergeben sich auf Basis der vorliegenden Daten keine klaren Hinweise auf die Notwendigkeit einer routinemäßigen Supplementierung.“ Diese kann mitunter sogar gefährlich werden. Denn: „Während es über die körpereigene Vitamin D-Synthese und natürliche Lebensmittel nicht zu einer Überversorgung kommen kann, ist dies z. B. durch übermäßig hohe Einnahmen von Supplementen möglich“, so die Warnung.
Zur Erinnerung: Die tolerierbare Obergrenze für die tägliche Gesamtzufuhr liegt den Expert:innen der Europäischen Lebensmittelagentur (EFSA) bei 100 μg/Tag (4000 IE).
Die BLE-Handlungsempfehlungen dienen Fachkräften als Grundlage für die Beratung.