Androgen-Rezeptor-Inhibitor

Neue Aknetherapie: Clascoteron Alexandra Negt, 05.06.2020 10:40 Uhr

  • Der Wirkstoff Clascoteron unterbindet die hormonelle Talgproduktion und kann somit zu einer Verbesserung des Hautbildes beitragen. Foto: Pixabay
Berlin -

Der Wirkstoff Clascoteron wurde in Cremeform in zwei randomisierten klinischen Phase-III-Studien zur Behandlung von Gesichtsakne untersucht. Der Androgen-Rezeptor-Inhibitor zielt auf die Hemmung der hormonellen Talgproduktion ab. Gegenüber einer Placebotherapie zeigte der Wirkstoff einen Behandlungserfolg.

Akne wird nach Lebensalter, Ursache und Schweregrad unterteilt. Am bekanntesten und verbreitetsten ist die Acne vulgaris. Weitere Arten sind beispielsweise Acne medicamentosa, Acne aestivalis und Acne cosmetica. Die Hauterkrankung manifestiert sich mit verschiedenen klinischen Bildern und in verschiedenen Lebensabschnitten. Sie ist weltweit die häufigste dermatologische Erkrankung. Einen höheren Schweregrad beobachtet man bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen, die auch etwas häufiger betroffen sind. Der Leidensdruck ist bei Betroffenen oft groß und die Lebensqualität sinkt.

Entstehung

Die Entstehung der Akne ist nicht monokausal zu erklären, vielmehr spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Traditionell wird die Pathogenese mit einer erhöhten Talgdrüsenaktivität mit Seborrhoe, gestörten follikulären Differenzierung und verstärkten Verhornung begründet, weiterhin werden mikrobielle Hyperkolonisation sowie Entzündungsreaktionen als Grund genannt. Bei Akne handelt es sich um eine multifaktorielle Hauterkrankung, bei der hormonelle Prozesse eine große Rolle spielen.

Die in der gesamten Haut vorhandenen Androgenrezeptoren regulieren unter anderem die Talgproduktion. Die Rezeptoren finden sich beispielsweise in den Talgdrüsen, Sebozyten und dermalen Papillenzellen. In der Haut werden lokal Androgene synthetisiert, vor allem Testosteron und Dihydrotestosteron. Diese Stoffe binden an den zugehörigen Rezeptor und steigern die Talgproduktion. Die Androgenhemmung durch Clascoteron könnte daher eine wirksame Therapieoption darstellen.

Androgenhemmung

Clascoteron zeigt aufgrund einer Androgenhemmung Wirkung. Dieses innovative Wirkprinzip ist eine mögliche Strategie für die Aknebehandlung. Bei dem Arzneistoff handelt es sich um einen neuartigen Androgenrezeptor-Inhibitor. Clascoteron wurde als erstes Therapeutikum dieser Klasse zur Behandlung von Akne untersucht: In zwei randomisierten klinischen Phase-III-Studien mit knapp 1500 Patienten zeigte ein größerer Anteil an Patienten unter Clascoteroncreme 1 Prozent gegenüber der Behandlung mit einer wirkstofffreien Creme einen Behandlungserfolg.

Studien über 12 Wochen

In zwei identischen, multizentrischen, randomisierten, mit wirkstofffreier Creme kontrollierten, doppelt verblindeten Phase-III-Studien wurden Männer und nicht schwangere Frauen mit mittelschweren oder schweren Formen der Gesichtsakne eingeschlossen. Die Probanden waren über neun Jahre alt. Als Teilnahmevoraussetzung mussten bei den Studienteilnehmern 30 bis 75 entzündliche Läsionen und 30 bis 100 nicht entzündliche Läsionen vorliegen. Eingeteilt wurde nach dem Zufallsprinzip. Der Behandlungszeitraum erstreckte sich über 12 Wochen. Behandelt wurde entweder mit ungefähr einem Gramm Clascoteroncreme 1 Prozent zweimal täglich oder einer wirkstofffreien Creme.

Ergebnis

Von den insgesamt 1440 Patienten wurden innerhalb der einen Studie 353 Studienteilnehmer mit 1-prozentiger Clascoteroncreme und 355 Teilnehmer mit wirkstofffreier Creme behandelt. Innerhalb der anderen Studie wurden 369 Teilnehmer mit der Clascoteroncreme und 363 Teilnehmer mit der wirkstofffreien Creme behandelt. In Woche 12 betrugen die Erfolgsraten für Behandlung in den Studien mit der 1-prozentigen Clascoteroncreme 18,4 Prozent und 20,3 Prozent gegenüber 9,0 Prozent und 6,5 Prozent bei der wirkstofffreien Creme. In beiden Studien führte die Behandlung mit wirkstoffhaltiger Creme zu einer signifikanten Verringerung der nichtentzündlichen Läsionen. Auch die Anzahl der entzündlichen Läsionen konnte verringert werden. Unerwünschte Ereignisse waren selten. Wenn Nebenwirkungen auftraten, dann war die Ausprägung schwach.