Langfrsitige Spiegel

Mythos weißer Fleck: Fingernägel zeigen Mineralstoffstatus 15.01.2026 07:47 Uhr

Berlin - 

Blut- und Urinwerte liefern meist nur kurzfristig Einblicke darüber, wie es um den Mineralstoffhaushalt des Körpers steht – ganz im Gegensatz zu Fingernägeln. Ein Forschungsteam der Hochschule Fulda hat deshalb geprüft, wie Nagelmineralstoffe mit Ernährung, Supplementierung und Lebensstil zusammenhängen. Das Ergebnis: Weiße Flecken oder Brüchigkeit zeigten tatsächlich Mineralstoffabweichungen an.

Viele Mineralstoffe im Körper lassen sich nur schwer über längere Zeiträume erfassen. Der Grund: Blut- und Urinwerte zeigen nur kurzfristige Spiegel – und die Probenentnahme ist invasiv. Fingernägel hingegen wachsen langsam und speichern Mineralstoffe über Wochen bis Monate. Das qualifiziert sie für Forschende aus Fulda als nicht-invasives Material für die Analyse langfristiger Ernährungs- und Lebensstilfaktoren.

„Es gibt bislang nur wenig Forschung zum Mineralstoffgehalt als Biomarker für die Bewertung von Lebensstil und Ernährungsgewohnheiten“, erläutert Professor Dr. Marc Birringer. „Nagelproben werden hauptsächlich für toxikologische Untersuchungen auf Schwermetalle verwendet. Wir dagegen wollten wissen, inwieweit sich diese auch für das Gesundheitsmonitoring einsetzen lassen.“

Fingernagelanalyse und Fragebögen

In der Fulda Nutrinail-Studie wurden 184 Teilnehmende im Alter von 18 bis 81 Jahren hinsichtlich der Mineralstoffzusammensetzung ihrer Fingernägel untersucht. Anschließend verknüpften die Forschenden die Ergebnisse mit Ernährungsgewohnheiten, der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) sowie den folgenden Parametern:

  • körperliche Aktivität und wöchentliche Bewegungshäufigkeit,
  • Gesundheitsparameter wie chronische Erkrankungen, Diagnosen von Mikronährstoffmängeln, Medikamenteneinnahme, Körpergewicht und -größe, Rauchen und Alkoholkonsum
  • sowie sichtbare Nagelmerkmale wie weiße Flecken, Brüchigkeit oder Längsrisse.

Die Fingernagelproben wurden mittels Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry (ICP-MS) analysiert, einer leistungsfähigen Methode zur Multi-Element Bestimmung. Dabei werden Mineralstoffe in Ionen umgewandelt und nach ihrer Masse getrennt. Auf diese Weise kann die Konzentration jedes Elements präzise bestimmt werden. Ergänzend dazu füllten die Teilnehmenden standardisierte Fragebögen zu den oben genannten Parametern aus.

Auffällige Selenwerte

Die Analyse der Proben zeigte, dass bestimmte Mineralstoffwerte mit Ernährung, Supplementen und Gesundheitsparametern zusammenhängen. Proband:innen, die beispielsweise Selenpräparate einnahmen, wiesen im Durchschnitt 21 Prozent höhere Selenwerte in ihren Nägeln auf.

Wer sich omnivor ernährte, hatte einen höheren Selengehalt als Personen die sich fleischfrei beziehungsweise vegan ernährten. Auch Personen mit Schilddrüsenerkrankungen zeigten hier erhöhte Werte.

Nagelmerkmale mit Aussagekraft

Auffällige Nagelmerkmale wie brüchige Nägel, Längsrillen oder weiße Flecken konnten die Forschenden ebenfalls bestimmten Mineralstoffkonzentrationen zuordnen. Diese gingen mit Abweichungen im Calcium-, Kalium- und Natrium- und Chromgehalt einher. Zukünftig sollen gezielte Analysen zu den Mineralstoffpaaren Kalium und Natrium sowie Calcium und Phosphor weitere Erkenntnisse zum Ernährungsverhalten und Lebensstil liefern.

„Wir können zeigen, dass Fingernagelanalysen eine kostengünstige, nicht-invasive und alltagstaugliche Methode für die Ernährungs- und Präventionsforschung sind“, betont Professor Birringer. Zukünftig sollen die in Fulda erhobenen Daten mit KI-gestützter Bildanalyse von Nageloberflächen verknüpft werden, um Risiken für Mikronährstoffdefizite frühzeitig zu erkennen.

Die Studie mit dem Titel „Fingernail Mineral Profiling as a Non-Invasive Tool to Assess Dietary and Lifestyle Factors: Results From the Cross-Sectional Fulda NutriNAIL Study“ wurde an der Hochschule Fulda durchgeführt und in der Fachzeitschrift BioFactors veröffentlicht.