Erste B-Zelltherapie für Zuhause

MS: Kesimpta erhält EU-Zulassung Alexandra Negt, 10.04.2021 09:53 Uhr

  • Kesimpta (Ofatumumab, Novartis) hat die EU-Zulassung erhalten. Das Präparat ist indiziert zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Multipler Sklerose. Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Der Schweizer Pharmakonzen Novartis hat die EU-Zulassung für Kesimpta erhalten. Es handelt sich dabei um eine zielgerichtete B-Zell-Therapie für erwachsene Patient:innen mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS). In anderen Ländern wie den USA und Japan war das Mittel schon länger zugelassen.

Beim Wirkstoff Ofatumumab handelt es sich um eine sogenannte B-Zelltherapie. Der vollständig humane, monoklonale CD20-Antikörper wird einmal im Monat verabreicht. Das Besondere: Die Patienten können sich die Therapie mittels mit einem Autoinjektor-Pen selbst applizieren. Ofatumumab bindet an das CD20-Molekül auf der B-Zelloberfläche und induziert eine starke Lyse und Depletion der B-Zellen. Kesimpta wird von Novartis im Rahmen einer Lizenzvereinbarung mit Genmab weltweit entwickelt und vermarktet.

Kesimpta wird als 20 mg Injektionslösung zur subkutanen Verabreichung erhältlich sein. Die erste Selbstinjektion sollte unter Anleitung von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden. Die Zulassung von Kesimpta basiert auf zwei Phase III-Studien, die die primären Endpunkte erreicht hätten. Kesimpta zeige im Vergleich zur Erstlinientherapie Teriflunomid eine Reduktion der jährlichen Schübe um mehr als 50 Prozent.

Multiple Sklerose (MS) ist nach Epilepsie die zweithäufigste neurologische Erkrankung junger Erwachsener. Oft wird das Leiden als „Krankheit mit tausend Gesichtern“ bezeichnet. Jede Lebensphase birgt für die Patienten neue Herausforderungen. Wichtig ist der frühzeitige Therapiebeginn. Allein in Deutschland leben eine Viertelmillion Menschen mit der aktuell noch unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose. Rund zwei Drittel der Patienten, die MS haben, spüren erste Symptome zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Es kommt jedoch auch vor, dass Diagnosen in früheren Lebensjahren gestellt werden. So kann MS bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten.