Zulassungsrelevante Studie

MS: Erneuter Erfolg für Fenebrutinib 09.03.2026 11:21 Uhr

Berlin - 

Mit der aktuellen Phase-III-Studie FENhance-1 hat Roche die klinische Erprobung seiner Wirkstoffhoffnung Fenebrutinib gegen Multiple Sklerose (MS) erfolgreich abgeschlossen. Das Ergebnis: Der Wirkstoff senkte die jährlichen Krankheitsschübe um 51 Prozent und bestätigte damit frühere Tests, laut denen Patienten statistisch nur noch alle 17 Jahre einen Schub erleiden. Hersteller Roche strebe nun die Beantragung der weltweiten Zulassung noch in diesem Jahr an.

Die nun vorgelegten, zulassungsrelevanten Daten belegen die Wirksamkeit des Wirkstoffs sowohl bei der schubförmigen Multiplen Sklerose (RMS) als auch bei der primär progredienten Multiplen Sklerose (PPMS). In den Studien für die schubförmige Verlaufsform, FENhance I und II, wurde die jährliche Schubrate im Vergleich zur Standardtherapie mit Teriflunomid drastisch gesenkt.

Roche will weltweite Zulassung

Die Daten zeigen eine Reduktion der Schübe um 51 Prozent (FENhance 1) beziehungsweise 59 Prozent (FENhance 2), was laut Roche rechnerisch etwa einem Krankheitsschub alle 17 Jahre entspricht. Auch im MRT war der Erfolg deutlich: Akute Entzündungen im Gehirn wurden um bis zu 96 Prozent unterdrückt. Außerdem wurde nachgewiesen, dass MS unter der Behandlung deutlich langsamer fortschreitet und Behinderungen später eintreten.

„Fenebrutinib hat das Potenzial, die erste und einzige hochwirksame orale, hirngängige Behandlung sowohl für RMS als auch für PPMS zu werden und zeigt einen tiefgreifenden Nutzen hinsichtlich der Biologie der schubförmigen und progressiven Erkrankung“, erklärt Roche. Wegen dieser guten Ergebnisse will Roche die weltweite Zulassung im Jahr 2026 beantragen.

Erfolg nach Rückschlag

Mit dem Erfolg der FENhance 1-Studie schließt Roche an die im November veröffentlichten Daten von FENhance 2 für die schubförmige MS sowie der FENtrepid-Studie für die primär progrediente Form an. Diese Serie baut auf der Phase-II-Untersuchung FENopta auf, die bereits eine 90-prozentige Reduktion von Hirnläsionen nachwies und die Fähigkeit des Wirkstoffs bestätigte, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren.

Thematisch stand die Entwicklung zudem stark im Zeichen der Leberverträglichkeit, nachdem die FDA Ende 2023 wegen auffälliger Laborwerte einen partiellen Studien-Stopp angeordnet hatte. Die finalen Ergebnisse zeigen nun, dass bei rund 13 Prozent der Patienten erhöhte Leberenzyme auftraten, diese jedoch aufgrund der speziellen chemischen Struktur von Fenebrutinib nach dem Absetzen stets vollständig zurückgingen.

Ein differenziertes Bild ergab sich auch bei der allgemeinen Sicherheit: In den RMS-Studien wurden acht Todesfälle im Fenebrutinib-Arm und einer im Teriflunomid-Arm verzeichnet. Laut Roche traten diese jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aufgrund verschiedener Ursachen auf, was eine detaillierte Aufarbeitung der Daten zum Standardprozess macht.

Was ist Fenebrutinib?

Fenebrutinib ist ein oral verabreichter Wirkstoff aus der Klasse der BTK-Inhibitoren. Die namensgebende Bruton-Tyrosinkinase (BTK) ist ein Enzym, das eine zentrale Rolle bei der Signalübertragung innerhalb des Immunsystems spielt. Das Enzym steuert vor allem die Aktivität von zwei Arten von Abwehrzellen: den B-Zellen im Blut und speziellen Zellen im Gehirn, den Mikroglia. Diese Zellen sind normalerweise für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig, lösen bei Krankheiten wie der Multiplen Sklerose jedoch ungewollte Entzündungen aus.

Ein BTK-Inhibitor blockiert dieses Enzym gezielt, um die für die Multiple Sklerose typischen Entzündungsprozesse zu unterdrücken, ohne die Immunzellen dabei vollständig zu zerstören. Durch seine chemische Struktur ist der Wirkstoff zudem in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren und als nicht-kovalenter Inhibitor eine reversible Bindung mit dem Zielenzym einzugehen.