Vertrieb eingestellt

Migräne: Weltweites Aus für Lasmiditan 30.04.2026 11:39 Uhr

Berlin - 

Rayvow (Lasmiditan, Lilly) wird weltweit vom Markt genommen. Damit steht Migräne-Patient:innen eine Therapieoption weniger zur Verfügung.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat für Rayvow im Sommer 2022 die Zulassung für die Akutbehandlung der Kopfschmerzphase von Migräne-Attacken mit oder ohne Aura bei Erwachsenen ausgesprochen. 2023 kam das Arzneimittel in Deutschland auf den Markt und fiel im Herbst in der frühen Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) durch. Der G-BA konnte keinen Zusatznutzen für die Behandlung akuter Migräne zur zweckmäßigen Vergleichstherapie mit Triptanen und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) feststellen. Der Grund: fehlende Studien.

Lilly hat entschieden, Rayvow weltweit vom Markt zu nehmen. Darüber hatte das Unternehmen die EMA im Januar informiert und die Lieferung an den Großhandel sukzessive eingestellt. „Sobald die aktuell verfügbaren Bestände aufgebraucht sind, wird es keinen Nachschub geben“, teilt ein Sprecher mit. „Die Planung ging davon aus, dass dies in Q2 passieren wird.“ Darüber, wann der Vorrat an Rayvow in Deutschland aufgebraucht ist, liegen dem Unternehmen keine Informationen vor.

„Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn wir wissen, dass Patienten von Rayvow profitiert haben“, so der Sprecher weiter. „Die Marktrücknahme ist nicht mit Sicherheitsbedenken assoziiert. Es gibt mehrere zugelassene Behandlungsoptionen, darunter Analgetika, Triptane und neuere Substanzen wie Gepante.“

Der Wirkstoff

Lasmiditan ist ein hochaffiner, zentral penetrierender 5-Hydroxytriptamin 1F (5-HT1F)-Rezeptoragonist. Der exakte Wirkmechanismus ist nicht bekannt, aber die therapeutischen Wirkungen von Lasmiditan bei der Behandlung von Migräne beinhalten vermutlich agonistische Wirkungen am 5-HT1F Rezeptor, eine Verringerung der Freisetzung von Neuropeptiden und eine Hemmung von Schmerzwegen, einschließlich des Trigeminusnervs.

Der Wirkstoff auf der Gruppe der Ditane, hat aufgrund des von den Triptanen abweichenden Wirkmechanismus einen Vorteil: Da er als selektiver 5-HT1F-Rezeptor-Agonist agiert und keine vasokonstriktiven Eigenschaften hat, können auch Patienten mit KHK & Co. einen Therapieversuch starten. Triptane eignen sich aufgrund ihrer vasokonstriktorischen Wirkung über 5-HT1B bei bestimmten Gefäß- und Herzerkrankungen nicht.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten Schwindel, Müdigkeit, Taubheitsgefühle und Sedierung. In den USA empfiehlt die FDA daher, nach der Einnahme mindestens acht Stunden lang kein Fahrzeug zu führen und keine Maschinen zu bedienen.