Mexiletin gegen Arrythmien 03.11.2026 07:53 Uhr
Mexiletin kommt als Fertigarzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen auf den Markt: Mit der Markteinführung von Zunmyro soll die bislang aufwendige Beschaffung des Wirkstoffs über Einzelimporte für die zugelassene Anwendung in Deutschland entfallen.
Mexiletin ist ein seit Jahrzehnten bekannter Wirkstoff zur Behandlung bestimmter Herzrhythmusstörungen. Als Antiarrhythmikum der Klasse Ib blockiert er spannungsabhängige Natriumkanäle; dadurch wird der schnelle Natriumeinstrom in die Muskelzellen während der Depolarisation (Phase 0 des Aktionspotentials) verhindert. In der Folge werden krankhafte elektrische Erregungen in den Herzkammern unterdrückt.
Der dänische Hersteller Macure bringt Zunmyro jetzt in Deutschland auf den Markt. Das Präparat ist zur Behandlung dokumentierter ventrikulärer Arrhythmien bei Erwachsenen zugelassen, die nach ärztlicher Einschätzung als lebensbedrohlich gelten. Die Therapie wird durch Fachärztinnen und Fachärzte mit Erfahrung in der Therapie von Herzrhythmusstörungen eingeleitet und überwacht.
Bei Patienten nach einem Herzinfarkt mit ventrikulären Frühtakten (PVCs) oder bei Patienten ohne lebensbedrohliche Arrhythmien liegen laut Hersteller keine überzeugenden Belege vor, dass Mexiletin das Überleben verbessert. Nutzen und Risiko müssen individuell und sorgfältig abgewogen werden. Mexiletin sollte bei Patienten mit Hypotonie oder kongestiver Herzinsuffizienz vorsichtig angewendet werden, da es die Kontraktilität des Myokards beeinträchtigen kann.
Das verschreibungspflichtige Arzneimittel wird in den Stärken 50 mg, 100 mg und 200 mg Mexiletinhydrochlorid, jeweils mit 100 Hartkapseln, angeboten. Das entspricht 41,55 mg, 83,1 mg und 166,2 mg Mexiletin.
Die Erhaltungsdosis liegt bei 150 bis 300 mg dreimal täglich, individuell nach Ansprechen und Verträglichkeit. Die Höchstdosis liegt bei 300 mg pro Einzeldosis bei dreimal täglicher Einnahme und maximal 1200 mg/Tag.
Dosisanpassungen könen in Schritten von 50 oder 100 mg erfolgen, normalerweise sollten mindestens 2 bis 3 Tage zwischen den Anpassungen liegen. Bei langsamen CYP2D6-Metabolisierern sollte mindestens eine Woche zwischen Dosiserhöhungen liegen.
Die Kapseln wird unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit in aufrechter Sitz- oder Stehposition eingenommen. Die Einnahme zusammen mit beziehungsweise nach einer Mahlzeit kann gastrointestinale Beschwerden reduzieren. Vergessene Dosen sollten bei weniger als zwei Stunden Verspätung nachgeholt werden; danach sollte die Einnahme ausgelassen werden.
Apotheken können Zunmyro über Med-X-Press bestellen. Die Packungsbeilage wurde allerdings nicht rechtzeitig gedruckt; daher werden die Produkte ab Mitte November oder Anfang Dezember ausgeliefert.
Den Wirkstoff gibt es unter dem Namen Namuscla bereits von Hormosan; hier lautet die Indikation aber „symptomatische Behandlung von Myotonie bei Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren mit einem Gewicht von mindestens 20 kg, Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren und erwachsenen Patienten ab 18 Jahren mit nicht-dystrophen myotonischen Erkrankungen“. Angeboten werden 75, 100 und 200 mg Mexiletinhydrochlorid, entsprechend 62, 83 und 167 mg Mexiletin.
Zu Therapiebeginn sollten EKG und Blutdruck überwacht werden, auch ein Blutbild einschließlich Differenzialblutbild und Thrombozyten vor Therapiebeginn sowie weitere Überwachung werden gemäß Fachinformation empfohlen. Elektrolytstörungen, insbesondere des Kaliums, müssen berücksichtigt und korrigiert werden.
Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile oder Überempfindlichkeit gegen ein Lokalanästhetikum. Weitere Kontraindikationen sind Funktionsstörung des Sinusknotens, schwere atrioventrikuläre (AV) Leitungsstörungen, schwere Herzinsuffizienz (HF), reduzierte linksventrikuläre Auswurffraktion (LVEF) von weniger als 35 Prozent beziehungsweise kardiogener Schock sowie vererbtes Long-QT-Syndrom (LQTS), mit Ausnahme von LQTS3.
Mexiletin kann Herzrhythmusstörungen verstärken oder auslösen. Die gleichzeitige Anwendung QT-verlängernder Arzneimittel sollte vermieden werden. Sehr häufige Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Dyspepsie, Schlaflosigkeit, Schwindel und Tremor. Warnzeichen wie schwere Hautreaktionen, insbesondere Hautausschlag mit Fieber oder weiteren systemischen Symptomen, erfordern umgehende ärztliche Abklärung.