Melatonin gegen Schmerzen: So stark wie Paracetamol 25.08.2026 14:07 Uhr
Neben einem positiven Effekt auf den Schlaf könnte Melatonin noch weitere Vorteile bringen. Zum Beispiel soll das Schlafhormon auch chronische Schmerzen lindern und dabei Analgetika wie Paracetamol oder nicht-steroidalen Antirheumatika nicht unterlegen sein. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Pain“ veröffentlicht.
Forschende der Universität Sydney haben in einer Metaanalyse, für die 23 Studien berücksichtigt wurden, den Effekt von Melatonin auf Schmerzen bewertet. Dabei wurden die Daten von mehr als 2000 Erwachsenen berücksichtigt, die unter chronischen Rückenschmerzen, Arthrose oder Fibromyalgie litten oder sich von einer Operation erholten.
Das Ergebnis
Melatonin konnte chronische Schmerzen lindern. Auf einer gängigen Schmerzskala von 0 bis 100 Punkten konnte unter Melatonin die Schmerzempfindung um durchschnittlich neun Punkte reduziert werden. Damit war die Schmerzlinderung unter dem Schlafhormon vergleichbar mit anderen Therapieoptionen wie eine Arzneimitteleinnahme von Paracetamol oder nicht-steroidalen Antirheumatika. „Trotz dieser Vorteile sollte dieser Vergleich mit NSAR nicht als therapeutische Äquivalenz interpretiert werden, und die klinische Anwendbarkeit von Melatonin bleibt ungewiss“, so die Forschenden. Zudem stellte sich bei postoperativen Patient:innen keine spürbare Besserung des Schmerzempfindens ein.
Schlafqualität verbesserte sich
Zudem wurde die Schlafqualität bei den chronischen Schmerzpatient:innen signifikant verbessert. Da Schmerz und Schlaf häufig in engem Zusammenhang stehen, sehen die Forschenden Hinweise auf einen positiven Effekt von Melatonin bei Schmerzen. Hinzu kommt, dass das Schlafhormon als gut verträglich eingestuft wurde – schwere Nebenwirkungen oder eine Abhängigkeit traten nicht auf. Vor allem eine Kurzzeiteinnahme von weniger als drei Monaten wird daher als sicher bewertet.
Keine Dosis-Wirkbeziehung
Damit könnte Melatonin womöglich eine alternative Behandlungsoption für chronische Schmerzen sein und im Vergleich zu anderen Therapieoptionen weniger Nebenwirkungen verursachen. Allerdings zeigte sich keine Dosis-Wirkbeziehung. Welche Dosierung bei der Schmerzbehandlung die passende ist, konnte anhand der Untersuchung noch nicht ermittelt werden, da diese in den jeweiligen Studien zwischen 1 mg und 10 mg variierte, wobei bei chronischen Schmerzen am häufigsten mit 3 mg behandelt wurde.
Das Fazit
Laut den Forschenden bedeuten die Ergebnisse nicht, dass Melatonin als Ersatz für bestehende Therapieoptionen dienen soll, sondern lediglich als Zusatzoption in Betracht kommen könnte – insbesondere für Schmerzpatient:innen, die zugleich unter Schlafproblemen leiden. Vor der Einnahme sollte Arztrücksprache gehalten werden.
Melatonin wird aus Serotonin produziert und bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Epithalamus ausgeschüttet. Melatonin werden antioxidative, entzündungshemmende und das Immunsystem regulierende Eigenschaften zugesprochen. Die Konzentration ist in der Mitte der Nacht am größten und nimmt bis in den Morgen und im Alter ab. Das Problem: Licht – vor allem Blue Light – kann die Melatoninfreisetzung verringern oder verzögern und somit den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinanderbringen und Einschlafprobleme nach sich ziehen.