Maximal fünf Tage: Warnhinweis auf Nasenspray 20.05.2026 15:02 Uhr
Die britische Arzneimittelbehörde (MHRA) hat die Anwendung von abschwellenden Nasensprays mit den Wirkstoffen Xylometazolin und Oxymetazolin aufgrund von Nebenwirkungen eingeschränkt. Die Sprays dürfen nur noch fünf Tage in Folge angewendet werden.
Abschwellende Nasensprays verschaffen verstopften Nasen schnelle Linderung. Doch nach rund zehn Tagen kommt die Sucht. Die Sympathomimetika lassen die Schleimhäute abschwellen und können die Gefäße verengen. So werden durch ihre agonistische Wirkung auf die Alpha-Adrenozeptoren die Nasenatmung erleichtert und die Sekretion vermindert. Aber auch die Beta-Rezeptoren werden stimuliert, was wiederum einen gefäßerweiternden Effekt zur Folge hat. Allerdings überwiegt die abschwellende Wirkung, während die gefäßerweiternde Wirkung länger anhält.
Es kommt zum Rebound-Effekt. In der Regel entsteht eine Abhängigkeit erst nach etwa zehn Tagen Dauergebrauch. Die Schleimhäute schwellen dauerhaft an. Möglicherweise, weil die Alpha-Rezeptoren überstimuliert sind und sich an den „Stoff“ gewöhnen. Betroffene sprühen erneut, die Nase ist frei, schwillt wieder zu, es wird gesprüht – ein Teufelskreis, dem nur schwer entkommen werden kann. Die Nasenschleimhaut trocknet aus, es bilden sich Krusten und Risse. Besteht eine Rhinitis medicamentosa, werden die Nasenschleimhäute nicht mehr ausreichend durchblutet und Erreger haben leichtes Spiel – und dann kommt die Stinknase.
Nasenspray: Anwendung auf fünf Tage begrenzt
Um dem Rebound-Effekt und einer Rhinitis medicamentosa vorzubeugen, hat die MHRA den Gebrauch von abschwellenden Nasensprays auf fünf Tage beschränkt – bislang war der Anwendungszeitraum auf sieben Tage begrenzt. Produkt- und Gebrauchsinformationen sowie äußere Verpackungen müssen entsprechend angepasst werden. So soll das Bewusstsein der Anwender:innen dafür geschärft werden, dass abschwellende Nasensprays nur für einen kurzfristigen Gebrauch geeignet sind.
Die Beschränkung der maximalen Anwendungsdauer auf fünf Tage beruht auf Empfehlungen der Beratungsgruppe für Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, Nieren- und Allergieexperten und der Expertenberatungsgruppe Pharmakovigilanz der unabhängigen Kommission für Humanarzneimittel. Die Entscheidung ist auf Nebenwirkungen infolge einer zu langen Anwendungsdauer und nicht auf Bedenken bezüglich der Qualität zurückzuführen.
Zudem schlugen Apotheker:innen Alarm. Die Royal Pharmaceutical Society (RPS) berichtet über eine Ende 2025 durchgeführte Umfrage unter mehr als 300 Apotheker:innen, die ergab, dass 59 Prozent der Befragten der Meinung waren, Patient:innen seien sich der Risiken von Nasensprays nicht bewusst. Fast zwei Drittel hatten in Fällen von vermutetem übermäßigen Gebrauch eingegriffen, oft indem sie Alternativen empfahlen oder den Verkauf verweigerten. 74 Prozent befürworten, dass auf den Produktverpackungen klarere Informationen über die Risiken angegeben werden.