Impfquoten zu niedrig

Masern breiten sich weiter aus 17.02.2026 12:25 Uhr

Berlin - 

Zwar sind die Meldungen zu Infektionen mit Masern im vergangenen Jahr zurückgegangen, die Bedrohung bleibt jedoch weiter bestehen. Dr. Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa betont: „Solange nicht jede Gemeinschaft eine Impfquote von 95 Prozent erreicht, wird sich dieses hoch ansteckende Virus weiter ausbreiten.“

Die Fallzahlen der Masernerkrankungen in Europa und Zentralasien sind von 2024 auf 2025 um fast 75 Prozent gesunken. Das heißt konkret: Waren es 2024 noch 127.412 Fälle verzeichnet die Statistik im vergangenen Jahr nur noch 33.998 Fälle, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Unicef berichten.

Das Problem: Die Gefahr, dass sich die Masern weiter verbreiten, besteht trotzdem, da die Impfquoten zu niedrig sind.

Nach Masern lange anfällig

Dabei ist Prävention enorm wichtig, denn eine Infektion ist potenziell lebensbedrohlich. Das Virus macht Betroffene auch Jahre nach der Genesung anfälliger für andere Erreger. Das Masernvirus befällt und zerstört Gedächtniszellen des Immunsystems, die zuvor gelernt hatten, bestimmte Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Damit wird das Immungedächtnis praktisch gelöscht. Die Anfälligkeit gilt beispielsweise für Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen oder Meningitis.

Nach sechs bis acht Jahren kann zudem in seltenen Fällen eine Subakute Sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auftreten. Die fortschreitende Entzündung des Gehirns und des Nervensystems führt immer zum Tod.

Weiterhin Gefahr durch Masern

„Die Faktoren, die in den vergangenen Jahren zum Wiederaufflammen dieser tödlichen Krankheit geführt haben, bleiben weiterhin bestehen und müssen dringend angegangen werden“, erklärt Regina De Dominicis, Unicef-Regionaldirektorin für Europa und Zentralasien.

„Solange nicht alle Kinder durch Impfungen geschützt sind und Impfskepsis – angeheizt durch die Verbreitung von Fehlinformationen – anhält, bleiben Kinder dem Risiko von Tod oder schweren Erkrankungen durch Masern und andere vermeidbare Infektionskrankheiten ausgesetzt.“

Impfquote von 95 Prozent ideal

Kluge ergänzt: „In den vergangenen drei Jahren sind in unserer Region über 200.000 Menschen an Masern erkrankt. Solange nicht jede Gemeinschaft eine Impfquote von 95 Prozent erreicht, Immunitätslücken in allen Altersgruppen geschlossen sind, die Krankheitsüberwachung gestärkt und rechtzeitig auf Ausbrüche reagiert wird, wird sich dieses hoch ansteckende Virus weiter ausbreiten.“

Deswegen sei die Eliminierung der Masern von zentraler Bedeutung für die nationale und regionale Gesundheitssicherheit. Das Problem: Im September 2025 kam die Verifizierungskommission der Europäischen Region für die Eliminierung der Masern und Röteln zu dem Schluss, dass die Zahl der Länder mit anhaltender oder erneut etablierter endemischer Masernübertragung von 12 im Vorjahr auf 19 gestiegen ist.

Auch die Impfquote ist laut Robert Koch-Institut (RKI) deutlich zu niedrig. Deutschlandweit sind nur 78 Prozent der Kinder, die im Jahr 2022 geboren wurden, im Alter von 24 Monaten zweimal geimpft. Ein ähnliches Bild kann auch für andere Grundimmunisierungen gezeichnet werden. Für die Dreifachimpfung Tetanus-Diphtherie-Pertussis liegt die Impfquote bei Zweijährigen bei 76 Prozent.

Stiko-Empfehlung

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Masern-Impfung als MMR-Kombinationsimpfung mit insgesamt zwei Impfstoffdosen für alle Kinder.

Babys und Kleinkinder sollen die erste MMR-Impfung im Alter von elf Monaten erhalten. Die zweite Impfung sollte frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung, im Alter von 15 Monaten durchgeführt werden.

Auch Erwachsenen wird seit 2010 eine einmalige MMR-Impfung als Standardimpfung empfohlen, wenn sie nach 1970 geboren sind, ihr Impfstatus unklar ist oder sie in der Kindheit keine oder nur eine Impfung erhalten haben.