Indikation eingeschränkt

Mangelnde Wirksamkeit: Kein Tecovirimat bei Mpox 12.05.2026 15:17 Uhr

Berlin - 

Die Indikation von Tecovirimat Siga wird eingeschränkt. Der Grund ist eine mangelnde Wirksamkeit bei Mpox, wie in Studien nachgewiesen wurde. Damit sind innerhalb der EU keine Arzneimittel zur Behandlung von Mpox-Infektionen zugelassen.

Im Januar 2022 hat Tecovirimat Siga die EU-Zulassung unter außergewöhnlichen Umständen erhalten. Indiziert war der antivirale Wirkstoff zur Behandlung von Pocken, Mpox und Kuhpocken bei Personen ab einem Körpergewicht von 13 Kilogramm. Tecovirimat wurde außerdem zur Behandlung von Komplikationen nach einer Pocken-Lebendimpfung zugelassen. Das Arzneimittel ist in Kapselform mit 200 mg Wirkstoff je abgeteilter Einheit verfügbar.

Doch zum Zeitpunkt der Zulassung fehlten aufgrund der ausbleibenden oder seltenen Zirkulation von Orthopoxviren beim Menschen umfassende Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit. Allerdings konnte in tierexperimentellen Studien die Wirksamkeit von Tecovirimat nachgewiesen werden, wenn die Behandlung innerhalb von vier Tagen nach Exposition gegenüber Affenpocken- oder Kaninchenpockenviren begonnen wurde. Im Tierversuch zeigte sich eine Wirksamkeit bei 10 bis 40 mg Wirkstoff je Kilogramm Körpergewicht. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wurde die Dosis für Menschen berechnet. Ab 40 Kilogramm Körpergewicht sollen zweimal täglich 600 mg eingenommen werden. Die Behandlung sollte über 14 Tage erfolgen. Die gängigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und gastrointestinale Beschwerden.

Aufgrund der Marktzulassung unter außergewöhnlichen Umständen, war Siga verpflichtet, nach der Zulassung zusätzliche Daten vorzulegen sowie jährlich Berichte über alle neuen Daten, die für die Sicherheit und Wirksamkeit in den zugelassenen Indikationen relevant sind. Zudem muss eine jährliche Neubewertung des gesamten Nutzen-Risiko-Verhältnisses erfolgen.

Kein Vorteil gegenüber Placebo

Nach einer EU-weiten Überprüfung aller verfügbaren Daten, einschließlich der verfügbaren Ergebnisse aus vier randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien zur Bewertung der Sicherheit und Wirksamkeit von Tecovirimat zur Behandlung von Mpox beim Menschen gelangte die EMA zu dem Schluss, dass die Zeit bis zum Abheilen der Läsionen unter Tecovirimat gegenüber Placebo unter den untersuchten Bedingungen nicht verkürzt wurde, wie in einem Rote-Hand-Brief mitgeteilt wird.

Drei der vier klinischen Studien wurden im Zusammenhang mit Ausbrüchen von Mpox-Infektionen der Klade II durchgeführt – die vierte in der Klade I in der Demokratischen Republik Kongo. Die Betroffenen wurden erst spät im Krankheitsverlauf behandelt, in der Regel zwischen sechs und neun Tage nach dem Auftreten von Läsionen.

Das Ergebnis: In den Studien konnte keine Wirksamkeit bei Patienten nachgewiesen werden, bei denen eine Mpox-Infektion aufgrund nachgewiesener Haut- oder Schleimhautläsionen diagnostiziert wurde.

„Wenngleich bei den mit Tecovirimat behandelten Patienten in diesen Studien keine schnellere Heilung der Läsionen beobachtet wurde als bei den Studienteilnehmern unter Placebo, ist es plausibel, dass die Patienten nicht früh genug im Krankheitsverlauf mit Tecovirimat behandelt wurden, damit das Arzneimittel eine Wirkung hätte entfalten können“, heißt es.

Tecovirimat: Indikation eingeschränkt

Aufgrund der klinischen Daten wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Tecovirimat Siga zur Behandlung von Mpox nicht mehr als günstig angesehen. Daher wir die Indikation eingeschränkt. In Abschnitt 4.1 heißt es nun:

„Tecovirimat Siga ist indiziert zur Behandlung der folgenden Virusinfektionen bei Erwachsenen und Kindern mit einem Körpergewicht von mindestens 13 kg:

  • Pocken
  • Kuhpocken

Tecovirimat Siga ist ebenfalls indiziert zur Behandlung von Komplikationen aufgrund der Replikation des Vaccinia-Virus nach einer Impfung gegen Pocken bei Erwachsenen und Kindern mit einem Körpergewicht von mindestens 13 kg.“

Tecovirimat hemmt die Aktivität eines speziellen peripheren Membranproteins des Virus, sodass die Produktion extrazellulärer Virusformen zum Erliegen kommt. Die Pocken-Viren können sich nicht vermehren. Das Pocken-Virus gehört zu der Gattung der Orthopoxviren. Sie besitzen eine lineare doppelsträngige DNA und gehören zu den behüllten Viren. Die Gattung enthält sowohl human- als auch tierpathogene Viren. Tecovirimat greift am Membranprotein VP37 des Orthopoxvirus an.