Leitliniengerechte Pharmakotherapie

Malaria: So wird die Infektion behandelt 18.09.2026 13:16 Uhr

Berlin - 

Fälle von Flughafen-Malaria mit mehreren Toten lassen hierzulande die Angst vor der Tropenkrankheit wachsen. Dabei gibt es wirksame Medikamente, wenn die Infektion rechtzeitig erkannt wird.

Bei rechtzeitiger Diagnose und korrekter Therapie heilt die Malaria in der Regel vollkommen folgenlos aus. Die therapeutische Herausforderung liegt daher selten in einer fehlenden Wirksamkeit der Arzneistoffe, sondern im Erkennen der Erkrankung sowie der unverzüglichen Einleitung der passenden Therapie.

Klinisches Chamäleon

Hinsichtlich der Symptomatik gibt es kein Leitsymptom, das alleinig spezifisch für eine Malaria ist. Jedes unklare Fieber – auch in Kombination mit unspezifischen Grippe-, Magen-Darm- oder Atemwegssymptomen – gilt nach einer entsprechenden Exposition bis zum Beweis des Gegenteils als malariaverdächtig. Die gefährliche Malaria tropica wird ausgelöst durch Plasmodium falciparum und bricht meist ein bis drei Wochen nach der Ausreise aus dem endemischen Gebiet aus.

Die Ursache für die hohe Bedrohlichkeit der Malaria tropica liegt in der Zytoadhärenz befallener Erythrozyten an Gefäßendothelien, was unbehandelt rasch zu Mikroinfarkten und Organversagen führen kann. Für die Diagnosesicherung reicht das klinische Erscheinungsbild alleine nicht aus; essenziell ist der umgehende mikroskopische oder immunologische Erregernachweis – zum Beispiel dicker Tropfen, Blutausstrich oder Schnelltest.

Säule 1: Notfallselbstbehandlung (NSB)

Die Selbstbehandlung ist eine reine Notfallmaßnahme für Reisende. Sie kommt ausschließlich dann zum Einsatz, wenn binnen 24 Stunden nach Symptombeginn kein Arzt für eine fachgerechte Diagnostik erreichbar ist. Nach Einnahme der NSB muss schnellstmöglich dennoch eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Die Notfallselbstbehandlung wird im internationalen Vergleich kontrovers diskutiert, da Fehlanwendungen in der Praxis keine Seltenheit sind. Hauptproblem ist die fehlerhafte Selbsteinschätzung der Patienten, die häufig zu einer unberechtigten Einnahme ohne vorliegende Infektion oder umgekehrt zum Unterlassen der Therapie trotz manifester Malaria führt.

Zugelassene Optionen für die NSB:

  • Artemether/Lumefantrin, zum Beispiel Riamet
    • zwingend zusammen mit fettreicher Nahrung einnehmen
  • Atovaquon/Proguanil, zum Beispiel Malaron
    • Einnahme mit einer Mahlzeit oder Milchprodukten. Nur zulässig, wenn der Wirkstoff nicht bereits zur Prophylaxe genutzt wurde.

Wichtig für die Beratung: Vor Ort im Ausland werden häufig Monopräparate angeboten. Für eine wirksame Notfallselbstbehandlung muss zwingend eine schizontozide Kombinationstherapie verwendet werden.

Säule 2: Chemoprophylaxe

Die medikamentöse Prophylaxe verhindert nicht die Infektion, sondern unterbricht den Entwicklungszyklus der Parasiten im Körper (als Suppressionsprophylaxe) und verhindert so den Ausbruch der Erkrankung. Bei korrekter Durchführung bietet sie einen Schutz von über 90 Prozent.

Wirkstoffe & Schema im Überblick

  • Atovaquon/Proguanil, zum Beispiel Malarone
    • Schema: Start 1 Tag vor Einreise → täglich während des Aufenthalts → 1 Woche nach Ausreise.
    • Einnahme: Mit fettreicher Nahrung oder Milch.
  • Doxycyclin
    • Schema: Start 1 Tag vor Einreise → täglich während des Aufenthalts → 4 Wochen nach Ausreise.
    • Hinweis: In Deutschland für diese Indikation Off-Label-Use.
    • Einnahme mit Nahrung (nicht mit Milchprodukten).
    • Vorsicht vor Phototoxizität und möglicher Wirkungsminderung oraler Kontrazeptiva.
  • Mefloquin
    • Schema: Start 2 bis 3 Wochen vor Einreise (wöchentliche Einnahme) → wöchentlich während des Aufenthalts → 4 Wochen nach Ausreise.
    • Hinweis: In Deutschland aktuell kein Präparat mehr direkt vertrieben (Import aus dem EU-Ausland nötig).
    • Kontraindiziert bei Berufen, die ungestörte Aufmerksamkeit/Feinmotorik erfordern (zum Beispiel Piloten, Taucher).

Säule 3: Kausale Therapie nach Erregernachweis

Wird eine Malaria diagnostiziert, richtet sich das therapeutische Vorgehen streng nach dem nachgewiesenen Erreger und der Schwere der Erkrankung:

Unkomplizierte Malaria tropica

  • Standard ist eine orale Fixed-Dose-Kombinationstherapie, primär mit Artemether/Lumefantrin oder Atovaquon/Proguanil (sofern nicht zur Prophylaxe verwendet). Bei unkomplizierten Verläufen anderer Spezies (wie P. vivax oder P. ovale) kommt weiterhin oft Chloroquin zum Einsatz.

Schwere / Komplizierte Malaria

Hierbei handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Die Behandlung erfolgt unverzüglich parenteral (i.v.), vorzugsweise mit Artesunat (oder Chinin i.v. in Kombination mit Doxycyclin/Clindamycin) auf der Intensivstation.

Compliance & Langzeitprophylaxe

Ein Versagen der Schutzwirkung der Chemoprophylaxe liegt fast immer an Compliance- und Resorptionsproblemen, dazu gehören vor allem eine unregelmäßige Einnahme, falsche Dosierung oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Auch eine Nüchterneinnahme oder gastrointestinale Störungen wie Durchfall oder Erbrechen am Einnahmetag können zu unter Umständen folgenträchtigen Resorptionsstörungen führen.

Langzeitoptionen

Für einen Langzeitaufenthalt ist die Kombination Atovaquon/Proguanil ohne zeitliche Begrenzung einsetzbar. Auch Doxycyclin ist aus anderen Indikationen wie der Aknebehandlung in der Langzeit-Einnahme erprobt, während Mefloquin bei guter Verträglichkeit ebenfalls über Jahre eingenommen werden kann.

Eine ausdrückliche Warnung gilt für die sogenannte „natürliche Prophylaxe“: Von Extrakten aus Artemisia annua (Einjähriger Beifuß) ist dringend abzuraten. Zwar stammen medizinische Wirkstoffe wie Artemether oder Artemisinin ursprünglich von dieser Pflanze ab, pflanzliche Tee- oder Rohextrakte bieten jedoch keinen verlässlichen Wirkstoffspiegel und sind daher als Prophylaxe ungeeignet.