Zulassungserweiterung

Lungenkrebs: Soforttherapie mit Sevabertinib 15.09.2026 09:34 Uhr

Berlin - 

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Hyrnuo (Sevabertinib) die Zulassung als initiale Behandlungsoption für erwachsene Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-mutiertem nicht-plattenepithelialem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) erteilt.

Das Präparat von Bayer ist zugelassen zur Behandlung von Patientinnen und Patienten, deren Tumoren aktivierende Mutationen in der Tyrosinkinase-Domäne des humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors 2 (HER2/ERBB2) aufweisen, nachgewiesen durch einen von der FDA zugelassenen Test. Die Zulassungserweiterung erfolgte nach einem beschleunigten Prüfverfahren (Priority Review) und der Einstufung als Breakthrough Therapy.

Die beschleunigte Zulassung von Sevabertinib für diese Indikation basiert auf Daten zur objektiven Ansprechrate (ORR) und zur Dauer des Ansprechens (DOR) aus einer Kohorte nicht vorbehandelter Patienten (N=69) der laufenden Phase-I/II-Studie SOHO-01 (NCT05099172). Die Studie untersucht Wirksamkeit und Sicherheit von Sevabertinib bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-mutiertem NSCLC. In dieser Kohorte lag die ORR bei 75 Prozent. Vollständige Remissionen wurden bei 6 Prozent der Patienten beobachtet, partielle Remissionen bei 70 Prozent.

Bei 73 Prozent der Patienten mit Ansprechen hielt dieses mindestens sechs Monate an. Das Sicherheitsprofil von Sevabertinib stand im Einklang mit den bisherigen Erkenntnissen. Die Aufrechterhaltung der Zulassung für diese Indikation kann von der Bestätigung und näheren Beschreibung des klinischen Nutzens in der laufenden konfirmatorischen Phase-III-Studie SOHO-02 (NCT06452277) abhängig sein. In SOHO-02 wird Sevabertinib im Vergleich zur Standardtherapie bei nicht vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem HER2-mutiertem NSCLC untersucht.

Bereits im November hatte Bayer die beschleunigte Zulassung für zuvor behandelte Patienten mit fortgeschrittenem HER2-mutiertem NSCLC erhalten. Anfang des Jahres folgte eine entsprechende Zulassung auch in China. In Japan wurde Sevabertinib kürzlich als erste zielgerichtete Therapie für diese Indikation zugelassen, die unabhängig von der Therapielinie – einschließlich als Erstlinienbehandlung – eingesetzt werden kann.

Wirkmechanismus

Sevabertinib ist ein oraler, reversibler niedermolekularer Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI), der mutierte humane epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptoren 2 (HER2), einschließlich HER2-Exon-20-Insertionen und HER2-Punktmutationen wirksam hemmt. Sevabertinib blockiert Tyrosinkinasen, die am Wachstum von Krebszellen beteiligt sind. Reversible TKIs können ihre Zielstrukturen vorübergehend blockieren, was eine präzisere Kontrolle der Behandlung ermöglichen und potenziell langfristige Nebenwirkungen im Vergleich zu irreversiblen TKIs reduzieren könnte. Sevabertinib stammt aus der strategischen Forschungsallianz von Bayer mit dem Broad Institute des MIT und Harvard in Cambridge, USA.

Im Rahmen seines klinischen Entwicklungsprogramms wird Sevabertinib neben der SOHO‑01‑Studie auch in der Phase‑III‑Studie SOHO‑02 (NCT06452277) bei therapienaiven Patienten mit HER2‑mutiertem NSCLC untersucht sowie in der panSOHO‑Studie (NCT06760819) auch bei Patienten mit metastasierten oder nicht resektablen soliden Tumoren, die HER2-aktivierende Mutationen aufweisen – jedoch mit Ausnahme von fortgeschrittenem NSCLC.

„Die heutige FDA-Zulassung von Sevabertinib als initiale Behandlungsoption für fortgeschrittenen HER2-mutierten NSCLC ist ein wichtiger Meilenstein für Patienten und bestätigt unser Engagement, präzisionsonkologische Therapien in Indikationen mit hohem ungedecktem medizinischem Bedarf voranzubringen“, sagte Christine Roth, Executive Vice President, Global Product Strategy and Commercialization und Mitglied des Pharmaceuticals Leadership Teams von Bayer. „Lungenkrebs ist nach wie vor die häufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle weltweit. Für Patienten mit HER2-mutiertem NSCLC, einem eigenständigen Subtyp, der häufig Menschen betrifft, die nie geraucht haben, besteht weiterhin ein dringender Bedarf an wirksameren Behandlungsoptionen. Die Zulassung zeigt, welches Potenzial Präzisionsmedizin hat, Behandlungsergebnisse zu verbessern, indem die richtigen Patienten zur richtigen Zeit die passende Therapie erhalten.“

Lungenkrebs

Lungenkrebs ist weltweit die häufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle. NSCLC ist die häufigste Form von Lungenkrebs und macht mehr als 85 Prozent der Fälle aus. Aktivierende HER2-Mutationen werden bei 2 bis 4 Prozent der fortgeschrittenen NSCLC-Fälle gefunden. Zum Zeitpunkt der Diagnose eines NSCLC sind bereits 80 Prozent der Betroffenen in einem fortgeschrittenen Stadium erkrankt, was die Behandlung erschwert. Derzeit gibt es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit HER2-mutiertem NSCLC, was den dringenden Bedarf an wirksameren Therapien verdeutlicht.