Immunisieren in der Schwangerschaft

Keuchhusten: Impfung der Mutter schützt Neugeborenes 13.01.2026 13:47 Uhr

Berlin - 

In Deutschland gibt es bei der Immunisierung gegen Keuchhusten massive Impflücken bei Schwangeren und Kindern. Mit mehr als 25.000 gemeldeten Fällen erreichte die Zahl der Pertusssis-Erkrankungen 2024 einen neuen Höchststand seit Einführung der bundesweiten Meldepflicht im Jahr 2013. Der Trend setzte sich auch 2025 fort. Dabei steht fest: Eine Immunisierung werdender Mütter schützt auch das Neugbeborene.

Am stärksten von Keuchhusten sind mit fast 122 Fällen pro 100.000 Einwohner Säuglinge unter einem Jahr betroffen. Eine Infektion kann tödlich enden, umso wichtiger ist die Prävention durch eine Immunisierung gegen das Bakterium Bordetella pertussis.

Eine neue internationale Studie unter der Leitung der Charité und der niederländischen Universität Radbound zeigt: Neugeborene profitieren direkt von einer Impfung während der Schwangerschaft. Die Ergebnisse wurden unter dem Titel „Mucosal immune responses to Bordetella pertussis in Gambian infants after maternal and primary vaccination“ kürzlich im Fachjournal The Lancet Mircobe veröffentlicht.

Impflücke schließen

In Deutschland erhalten Babys frühestens ab dem zweiten Lebensmonat die erste von drei notwendigen Impfdosen. Aktiv geschützt sind Säuglinge erst mit ungefähr vier Monaten, wenn sie die zweite Impfung verabreicht bekommen haben.

Die Impflücke dazwischen sollte laut der Forschenden mit einer indirekten Immunisierung über die Mutter überbrückt werden, denn: Schwangere geben ihre Antikörper über die Plazenta an das ungeborene Kind weiter. Der Schutz ist von Geburt an wirksam. Das konnte das Forschungsteam um Professor Dr. Beate Kampmann, Direktorin des Instituts für Internationale Gesundheit an der Charité und Wissenschaftliche Leiterin des Charité Centers Global Health, jetzt nachweisen.

Antikörper in Nasenschleimhaut

„Wir wussten, dass mütterliche Antikörper über die Plazenta weitergegeben werden. Überraschend war allerdings, dass wir sie auch auf der Nasenschleimhaut der Neugeborenen – auf für die Kinder schonende Weise – nachweisen konnten. Das unterstreicht die Wirksamkeit der indirekten Impfung“, schildert Kampmann.

Für die Analyse wurden 343 schwangere Frauen im westafrikanischen Gambia entweder mit einem Keuchhusten- oder einem Tetanus-Impfstoff geimpft. Mütterliche Antikörper gegen Keuchhusten konnten sowohl im Blut als auch auf der Nasenschleimhaut der Säuglinge nachgewiesen werden, wenn ihre Mütter die entsprechende Impfung erhalten hatten. Die Forschenden untersuchten zusätzlich Blut und Nasensekrete von rund 160 Neugeborenen vor und nach deren routinemäßiger Keuchhustenimpfung mit unterschiedlichen Impfstoffarten.

Ganzzellimpfstoff am effektivsten

Das Ergebnis: Babys, die im Alter von 8, 12 und 16 Wochen einen Ganzzell-Keuchhustenimpfstoff erhalten hatten, entwickelten im Durchschnitt eine stärkere Immunantwort als diejenigen, denen ein azellulärer Impfstoff verabreicht wurde. Kampmann erklärt: „Ein Ganzzellimpfstoff enthält das vollständige, aber inaktivierte Keuchhustenbakterium, während ein azellulärer Impfstoff nur wenige gereinigte Bestandteile des Bakteriums beinhaltet.“

Zwar riefen azelluläre Impfstoffe in der Regel weniger Nebenwirkungen hervor, bieten aber meist auch einen kürzer anhaltenden Schutz. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Ganzzellimpfstoff länger schützt.“

Impfung verhinder 90 Prozent aller Fälle

Was die aktuellen Ergebnisse für den klinischen Schutz und die Impfstrategie in unterschiedlichen Situationen bedeute, muss laut der Forschenden weiter untersucht werden. Kampmann stellt klar: „Länder, die Ganzzellimpfstoffe bei den Kindern verwenden, sollten unseren Ergebnissen zufolge dabei bleiben.“

Entscheidend bleibe aber die Impfung von Schwangeren mit dem azellularem Impfstoff, „unabhängig davon welcher Impfstofftyp danach den Kindern gegeben wird. Beide Arten können Keuchhusten bei Neugeborenen in mehr als 90 Prozent aller Fälle verhindern.“