Kaffee: Schutz vor chronischen Krankheiten 08.05.2026 09:00 Uhr
Im Durchschnitt trinken die Deutschen rund 164 Liter Kaffee pro Jahr. Dass das Getränk nicht nur wach mach, belegt abermals eine Studie. Neue Forschungsergebnisse aus Texas zeigen, dass Kaffeebestandteile ein bestimmtes Protein aktivieren, welches eine Schlüsselrolle bei Alterung, Stress und Krankheit spielt.
Koffeinhaltige Lebensmittel wie Kaffee bringen das Herz-Kreislauf- und das zentrale Nervensystem vieler Menschen in Schwung. Dadurch steigen Konzentrationsvermögen und auch die körperliche Leistungsfähigkeit. Aber Kaffee kann laut der Studie „Brewed Coffee and Its Components Act Through Orphan Nuclear Receptor 4A1 (NR4A1)“ des Texas A&M College of Veterinary Medicine & Biomedical Sciences (VMBS) noch viel mehr.
Das Team um Erstautor Amanuel Hailemariam, hat einen zentralen biologischen Mechanismus identifiziert, der erklären könnte, wie Kaffee vor Alterungsprozessen und chronischen Krankheiten schützt.
Kaffee reduziert Krankheitsrisiko
Dass das beliebte Getränk für eine längere Lebensspanne und einem geringeren Risiko für chronische Krankheiten verantwortlich sein könnte, wird schon länger angenommen. „Doch wie genau diese Vorteile zustande kommen, blieb bislang unklar“, so die Forschenden. Die neuen Ergebnisse legen nun nahe, dass Inhaltsstoffe im Kaffee einen Rezeptor im Körper aktivieren, der als NR4A1 bekannt ist. „Dieses Protein wird zunehmend für seine Rolle beim Altern, bei der Stressreaktion und bei Krankheiten anerkannt.“
Die kürzlich in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichten Ergebnisse liefern eine der ersten direkten Verbindungen zwischen Kaffee und diesem Rezeptor. „Kaffee hat bekannte gesundheitsfördernde Eigenschaften“, sagt auch Dr. Stephen Safe, Professor am VMBS. „Wir konnten zeigen, dass einige dieser Effekte damit zusammenhängen könnten, wie Kaffeeverbindungen mit diesem Rezeptor interagieren, der den Körper vor stressbedingten Schäden schützt.“
Rezeptor beeinflusst Gesundheit
NR4A1 gehört zu einer Familie von Kernrezeptoren, die die Genaktivität als Reaktion auf Stress und Schäden im Körper regulieren. Es sei ein Rezeptor, der auf Verbindungen in der Nahrung reagiert und eine Rolle beim Erhalt der Gesundheit im Alter spielt, erklärt sie.
„Wenn fast jedes beliebige Gewebe geschädigt wird, reagiert NR4A1, um diesen Schaden zu begrenzen“, so Safe. „Entfernt man diesen Rezeptor, verschlimmert sich der Schaden.“ Die Forschung habe gezeigt, dass NR4A1 an einer Vielzahl biologischer Prozesse beteiligt ist, darunter Entzündungen, Stoffwechsel und Gewebereparatur – Faktoren, die eng mit altersbedingten Krankheiten wie Krebs, Neurodegeneration und Stoffwechselstörungen verknüpft sind.
Mehrere Kaffeebestandteile wirken
Obwohl Kaffee schon lange mit einem verringerten Risiko für Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson und Stoffwechselerkrankungen assoziiert wird, waren die meisten Studien bisher rein beobachtend. Das Team um Safe vermutete, dass NR4A1 das fehlende Puzzleteil sein könnte. „Wir fanden heraus, dass mehrere Verbindungen im Kaffee – insbesondere Polyhydroxy- und polyphenolische Verbindungen wie Kaffeesäure – an den Rezeptor binden und dessen Aktivität beeinflussen.“
Trotz der Erkenntnisse betont Safe, dass die Wirkung von Kaffee wahrscheinlich nicht auf einen einzigen Signalweg beschränkt sei. „Es handelt sich um eine mechanistische Studie, die zeigt, wie Prozesse funktionieren, anstatt eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung beim Menschen zu beweisen“, sagt sie.