„Therapietreue ist ein Problem“

Hypertonie: Trend zur Tablette mit vier Wirkstoffen 03.03.2026 14:00 Uhr

Berlin - 

Viele Patienten, denen drei oder mehr Blutdruckmedikamente verschrieben werden, weisen eine schlechte Adhärenz auf. Bei den Journées européennes de la Société française de cardiologie (JESFC 2026), dem zentralen Jahreskongress der französischen Fachgesellschaft für Kardiologie, stellte Professor Dr. Athul Pathak vom Centre Hospitalier de Luxembourg dazu neue Ansätze vor. „Ziel ist, Nebenwirkungen zu verringern, die langfristige Therapietreue zu verbessern und zugleich eine effektive Blutdrucksenkung sicherzustellen“, betonte Pathak. In Zukunft könnte es eine Tablette mit drei oder vier entsprechenden Wirkstoffen geben.

Etwa die Hälfte der Patienten, denen drei oder mehr Blutdruckmedikamente verschrieben werden, nimmt diese nicht konsequent ein. Die schlechte Therapietreue ist ein Hauptgrund für unzureichende Blutdruckkontrolle, so Pathak. Deswegen hoffe er auf eine einzige Tablette, die vier niedrig dosierte Wirkstoffe einschließlich eines Betablockers kombiniert, wie er auf dem Kardiologie-Kongress bestätigte.

Mehrfachpille vs. Einzeleinnahmen

Der Trend zur sogenannten „Polypill“ ist laut Pathak jedenfalls da. Die Mehrfachkombinationen würden sich beispielsweise in einer Dreifachpille, die im Juni von der US Food and Drug Administration (FDA) in den Vereinigten Staaten zugelassen wurde, bereits bewähren. Das Präparat mit dem Namen Widaplik von Hersteller George Medicines sind die drei Wirkstoffe Telmisartan, Amlodipin und Indapamid enthalten.

Zugelassen ist das Arzneimittel für die Behandlung von Bluthochdruck, einschließlich als Erstlinientherapie bei Patienten, die voraussichtlich mehrere Medikamente benötigen. Bisher empfehlen Leitlinien ein stufenweises Vorgehen. Bei Blutdruckwerten über 140/90 mmHg beginnen Ärzte zunächst mit einer niedrig dosierten Zweifachtherapie. Bei unzureichender Kontrolle werde nach ein bis drei Monaten auf eine Dreifachtherapie gewechselt.

Wandel in den Leitlinien

Sofort mit einer Dreifachkombination in einer einzigen Tablette zu starten, ist laut Pathak „ein Paradigmenwechsel“. Dieser könnte sich in künftigen Leitlinien widerspiegeln.

In Studien wurden auch schon Vierfachpillen getestet. Forschende konnten zeigen, dass eine Kombination aus vier Wirkstoffen, wie Irbesartan, Amlodipin, Indapamid und der Betablocker Bisoprolol in einer einzigen Kapsel deutlich effektiver ist als eine Monotherapie oder Dreifachtherapie – bei vergleichbarer Verträglichkeit.

Neue Wirkstoffe

Neue Wirkstoffe in der Behandlung der Hypertonie sind:

  • Baxdrostat / Lorundrostat: Dies sind die ersten selektiven Hemmer der Aldosteronsynthese. Sie senken den Blutdruck sehr effektiv, indem sie die Produktion von Aldosteron direkt blockieren, im Gegensatz zu Spironolacton, das nur die Rezeptoren blockiert.
  • Aprocitentan: Ein dualer Endothelin-Rezeptorantagonist, der 2024 in Europa für resistente Hypertonie zugelassen wurde. Er wirkt über die Hemmung des stark gefäßverengenden Hormons Endothelin.

Ziel der Wirkstoffkombinationen sei es, die Komplexität der Einnahme für Patienten zu reduzieren. So könne die Therapietreue erhöht werden.