Welt-HPV-Tag

Humane Papillomviren: Jungen-Impfquote hinkt hinterher Cynthia Möthrath, 04.03.2022 11:57 Uhr

Noch immer erhalten nur wenige Jungen die HPV-Impfung. Foto: Prostock-studio/shutterstock.com
Berlin - 

Gegen das humane Papillomvirus (HPV) werden vor allem junge Mädchen geimpft, denn der Erreger gilt als Auslöser für Gebärmutterhalskrebs. Doch auch Jungen können von einer Schutzimpfung profitieren: Denn HPV kann bei ihnen ebenfalls zu bösartigen Tumoren, unter anderem im Genitalbereich, führen. Um Eltern weiter für die Schutzimpfung zu sensibilisieren, findet alljährlich am 4. März der Welt-HPV-Tag statt.

Durch HPV können Krebserkrankungen an Gebärmutterhals, Vagina, Schamlippen oder Penis entstehen, auch der Darmausgang oder der Mund können betroffen sein. Mehr als 10.000 Krebsdiagnosen und mehrere tausend Todesfälle werden allein in Deutschland jährlich durch HPV verursacht. Zudem sind jedes Jahr fast 50.000 kleinere Eingriffe – beispielsweise am Gebärmutterhals – notwendig, um Vorstufen und Frühstadien der Krebserkrankung zu entfernen.

Stiko empfiehlt Impfung für beide Geschlechter

Von der Ständigen Impfkommission (Stiko) wird die HPV-Impfung im Alter zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen – für beide Geschlechter. Expert:innen raten dazu, eine HPV-Impfung möglichst früh zu verabreichen, idealerweise vor dem ersten Sexualkontakt. Denn dann kann sie den besten Schutz erzielen. Ein guter Zeitpunkt ist beispielsweise die Vorsorgeuntersuchung U11 oder J1 beim Kinder- und Jugendarzt. Alternativ kann die Impfung auch beim Frauenarzt/der Frauenärztin durchgeführt werden. Mütter können ihre Töchter für die Impfung in die frauenärztliche Sprechstunde mitbringen.

Große Impflücke bei Jungen

Doch vor allem die Impfquote unter Jungen bereitet Sorgen, denn oft gilt HPV noch immer als klassische Mädchen-Impfung, die ausschließlich vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Seit 2018 wird die Schutzimpfung jedoch auch für Jungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Das Impfregime umfasst zwei Injektionen im Abstand von fünf bis sechs Monaten. Personen, die älter als 14 Jahre sind, sollten drei Spritzen erhalten.

Ab 18 Jahren wird die Impfung nicht mehr empfohlen, da die Immunabwehr gegen den Erreger dann weniger stark ist. Dennoch können Versicherte auch über das 18. Lebensjahr hinaus die Impfung auf Wunsch erhalten. Oft müssen die Kosten dann jedoch selbst übernommen werden. Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten aber auch über das 18. Lebensjahr hinaus.

Wirksamkeit der Schutzimpfung belegt

Die Wirkung des Impfschutzes ist mittlerweile in zahlreichen Ländern belegt worden. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr konnte zeigen, dass die Impfung besser wirkt, wenn sie möglichst früh verabreicht wird:

  • 12 bis 13 Jahre:
    • Zervixkarzinome minus 87 Prozent
    • Krebsvorstufen minus 97 Prozent
  • 14 bis 16 Jahre:
    • Zervixkarzinome minus 62 Prozent
    • Krebsvorstufen minus 75 Prozent
  • 16 bis 18 Jahre:
    • Zervixkarzinome minus 34 Prozent
    • Krebsvorstufen minus 39 Prozent