Langzeitstudien

HPV-Impfung schützt Mädchen vor Krebs 10.02.2026 08:58 Uhr

Berlin - 

Seit 2007 ist die HPV-Impfung in Deutschland zugelassen. Dennoch braucht der Wirksamkeitsnachweis viel Zeit, da Gebärmutterhalskrebs nur sehr langsam entsteht. Zwei Übersichtsarbeiten und eine jüngst veröffentlichte Bevölkerungsstudie belegen nun nach zehn Jahren Beobachtungszeit: Die Impfung ist nicht nur sicher, sondern kann das Risiko von Gebärmutterhalskrebs deutlich reduzieren – besonders bei Mädchen, die in jungen Jahren und idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt geimpft wurden.

Fast jeder Mensch infiziert sich im Leben mit Humanen Papillomviren (HPV). Etwa 40 der über 200 Typen werden sexuell übertragen und befallen dann vorrangig Schleimhaut und Haut des Genitalbereichs und Afters. Bestimmte Virustypen können Krebs auslösen, auch wenn bösartige Tumore nur selten entstehen.

GKV trägt Kosten bis zum 18. Geburtstag

2006 wurde der erste HPV-Impfstoff zugelassen, der vor den wichtigsten Virustypen schützt. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren. Bis zum 18. Geburtstag kann sie auf Kosten der Gesetzlichen Krankenkassen nachgeholt werden.

Mädchen und Jungen bis 14 Jahre erhalten die Impfung in zwei Einzelimpfungen im Abstand von fünf bis dreizehn Monaten. Ab dem Alter von 15 Jahren und bei einem zu kurzen Impfabstand sind drei Einzelimpfungen vorgesehen.

HPV-Impfung senkt Gebärmutterhalskrebsrisiko

Die erste große wissenschaftliche Auswertung weltweiter Daten mit dem Titel „Prophylactic vaccination against human papillomaviruses to prevent cervical cancer and its precursors“ bestätigt nach einer Beobachtungszeit von zehn Jahren, dass die Impfung neben Krebsvorstufen auch die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs selbst verhindert.

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist das wichtigste Ergebnis einer aktuellen Übersichtsarbeit, dass die HPV-Impfung das Risiko für Gebärmutterhalskrebs senkt. Daten der Studie „HPV Vaccination and the Risk of Invasive Cervical Cancer“ aus Schweden, Schottland und Indien zeigen konkret: Mädchen, die vor ihrem 16. Geburtstag geimpft wurden, hatten 10 bis 14 Jahre später ein deutlich geringeres Krankheitsrisiko als nicht geimpfte Mädchen.

„Damit liegen die bislang umfassendsten und aktuellsten wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der HPV-Impfung vor“, sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Erste Impfung noch vor dem ersten sexuellen Kontakt

Die schwedische Studie „High-level herd immunity of HPV 16 and 18 infection and its role in the prevention of cervical cancer in unvaccinated women“ stützt dieses Ergebnis: In Altersgruppen mit hoher Impfquote traten auch bei ungeimpften Frauen deutlich seltener schwere Zellveränderungen auf. Dieses sogenannte Herdenschutz-Phänomen spreche dafür, dass die Impfung nicht nur individuell wirkt, sondern auch die Verbreitung der Viren in der Bevölkerung insgesamt verringert.

„Besonders wenn Mädchen früh geimpft werden, idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt, bietet die Impfung einen sehr starken Schutz, der die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs deutlich senkt“, betont Nobila Ouédraogo von der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ. „In einigen Einzelstudien wurden in der Gruppe der Geimpften sogar gar keine Krebsfälle beobachtet. Der starke vorbeugende Effekt gegen Gebärmutterhalskrebs zeigt, welches Potenzial HPV-Impfprogramme für die Krebsprävention insgesamt haben“, erklärt Ouédraogo weiter.

Gutes Sicherheitsprofil

Eine zweite Übersichtsarbeit mit dem Titel „Efficacy and safety of prophylactic HPV vaccines“ mit über 157.000 Teilnehmenden aus 60 Studien bestätigt die Sicherheit der HPV-Impfstoffe. Alle vier Präparate schützen zuverlässig vor Infektionen und senken innerhalb von sieben Jahren die Zahl der Krebsvorstufen.

Das Nebenwirkungsprofil sei überschaubar, die Beschwerden meist kurzfristig und leicht, darunter: Schmerzen sowie Schwellungen oder Rötung an der Einstichstelle. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen traten nicht häufiger auf als nach einer Scheinimpfung.